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pressewoche

S. 10

25. April 2019

leben

stil

Rosenheim – Es ist Brutzeit in

der Vogelwelt. Das gilt auch

für den Kiebitz, den Großen

Brachvogel, das Braunkelchen

und viele weitere Wiesenbrü-

ter, die im Naturschutzgebiet

Auer Weidmoos ihre Nester

gebaut haben. Allerdings er-

leben die Tiere inzwischen im-

mer öfter erhebliche Störun-

gen durch den Menschen oder

freilaufende Hunde. Die Un-

tere Naturschutzbehörde im

Landratsamt Rosenheim bittet

daher, bis zum 15. Juli auf den

Wegen zu bleiben und Hunde

anzuleinen.

Die Vögel sitzen teilweise nur weni-

ge Meter vom Wegesrand entfernt

auf ihrem Gelege. Später führen

sie ihre Jungen durch das hoch ge-

wachsene Gras, um nach Nahrung

zu suchen. Freilaufende Hunde und

die Missachtung des Wegegebotes

sind in diesem Zeitraum besonders

gefährlich für die heimischen Wie-

senbrüter. Schon eine einmalige

Störung kann dazu führen, dass die

Elternvögel ihr Gelege aufgeben.

Auch ein gut erzogener Hund löst

den Fluchtinstinkt Stress bei Wildtie-

ren aus. Die Folgen sind Energiever-

lust und erhöhter Nahrungsbedarf.

Gerade in der Brutzeit wirken sich

diese Störungen besonders nachtei-

lig auf die Aufzucht der Küken aus,

da sie Hunger leiden müssen. Wer-

den die Elterntiere vom Nest aufge-

scheucht, erkalten die Eier und die

Küken sterben.

In vielen Gebieten Bayerns sind in

Feuchtwiesen lebende Arten bereits

stark zurückgegangen oder sogar

lokal ausgestorben. Um die noch

verbliebenen Arten im Auer Weid-

moos zu schützen, bittet die Untere

Naturschutzbehörde des Landrats-

amtes Rosenheim um dringende

Mithilfe. Generell gilt: Bloß weil man

die Vögel nicht sieht, heißt das nicht,

dass sie nicht da sind. Die Störung

der heimischen Brutvögel bei ihrem

Brutgeschäft durch Missachtung des

Wegegebots oder des Anleinens

von Hunden sind kein Kavaliersde-

likt. Zuwiderhandlungen können

mit einem empfindlichen Bußgeld

verfolgt werden.

Das Naturschutzgebiet Auer Weid-

moos liegt inmitten einer ausge-

dehnten Niedermoorfläche, die

heute größten Teils landwirtschaft-

lich genutzt wird. Das landschaft-

lich und ökologisch herausragende

Streuwiesengebiet wird vom Alten

Aubach im Norden und dem Jen-

bach im Süden eingefasst. Im Osten

grenzen die Staatsstraße aus Bad

Feilnbach kommend und die Klär

anlage an.

Das Auer Weidmoos, das auch

durch die Ausweisung als Flora-Fau

na-Habitat-Gebiet

(FFH-Gebiet)

europarechtlichen Schutz genießt,

bietet vielen seltenen und bedroh

ten Tier- und Pflanzenarten einen

überregional bedeutsamen Lebens

raum.

red

Alle Vögel sind schon da...

...der Mensch leider auch

Die Untere Naturschutzbehörde bittet die Besucher des Auer Weidmooses um besondere Rücksichtnahme für Wiesenbrüter wie den Brachvogel.

Foto: shutterstock

Bernau – Das in Österreich ge-

sprochene „Kuh-Urteil“ nach

einer tödlichen Almrind-Attacke

beschäftigt auch die bayerischen

Landwirte und Touristiker. Das

von der österreichischen Regie-

rung erstellte Aktionspaket „Si-

chere Almen“ formuliert zehn

Verhaltensregeln für Almbesu-

cher und enthält eine Empfeh-

lungscheckliste für Weidetierhal-

ter.

Gemeinsam mit Vertretern des Bay-

erischen Bauernverbandes und der

oberbayerischen Almwirtschaft trafen

sich auf Einladung des Tourismusver-

bandes Chiemsee-Alpenland (CAT)

Tourismusverantwortliche aus den

oberbayerischen Alpendestinationen in

der CAT-Geschäftsstelle am Chiemsee,

um gemeinsame Maßnahmen zur Un-

terstützung der Bergbauern zu bespre-

chen

„Der Tiroler Richterspruch wirkt auf

uns Almbauern in der gesamten Alpen-

region“, so Bezirksalmbauer und dritter

Vorsitzender des Almwirtschaftlichen

Vereins Oberbayern Jakob Müller.

Hans Stöckl, Geschäftsführer des

Almwirtschaftlichen Vereins Ober-

bayern, sieht in einer einheitlichen

Beschilderung einen wichtigen Ansatz.

„Wir brauchen zur Almsaison dringend

weitere Hinweise in unseren Bergen,

um Wanderer aufmerksam zu machen

und zu sensibilisieren“, so Stöckl.

Der Bayerische Bauernverband bie-

tet bereits gemeinsam mit den

Almwirtschaftlichen Vereinen ent-

sprechende Schilder an, die auf die je-

weiligen Tourismusregionen angepasst

werden könnten. Stefan Kürschner,

Direktor Fachbereich Agrardienste Bay

erischer Bauernverband, unterstützt die

gemeinsame Sache: „Es bringt nichts,

wenn hier jeder alleine nach Lösungen

sucht. Wir werden hier gemeinsam ak

tiv.“

So sehen es auch die anwesenden Al

pentouristiker. „Wir alle werben mit

den Almen, sie sind ein einzigartiges Al

leinstellungsmerkmal im alpinen Raum,

daher werden wir unsere Almbauern

mit dem Problem nicht alleine lassen.

Respekt und Vorsicht gegenüber dem

Almvieh sollte fürWanderer das oberste

Gebot sein“, betont CAT-Geschäftsfüh

rerin Christina Pfaffinger. „Gerade hier

vor Ort merken wir, dass das Them

nicht nur unsere Almbauern, sonder

auch Gäste und Einheimische beschäf

tigt“, berichtet Ute Preibisch, Leiterin

des Fachbereichs Kur- und Tourismus in

Bad Feilnbach. „Mit unserer Broschüre

Auf der Alm Dahoam

informieren wir

gezielt Wanderer zum richtigen Verhal

ten am Berg“, so CAT-Aktivmanagerin

Sarah Müllinger. Neben Pressearbeit

und Informationsschriften sollen ver

mehrt Informationen am Berg Aufklä

rungsarbeit leisten. Von Miesbach bis

Berchtesgaden wollen die Anwesen

den bei der einheitlichen Beschaffung

von entsprechenden Warninformatio

nen schnell und unbürokratisch helfen

damit einer unfallfreien Almsaison nichts

im Wege steht. Auch die Regionen bis

Garmisch und der Tourismusverband

Oberbayern-München haben bereits

Interesse an dem einheitlichen Vorge

hen angemeldet.

red

Respekt gegenüber dem Almvieh

Tourismus und Almwirtschaft ziehen an einem Strang

Um ein vernünftiges, einfühlsames und friedevolles Miteinander geht es auch in der Beziehung zwischen Mensch und Tier.

Foto: CAT