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S. 5

28. Februar 2019

Nach

richten

(Fortsetzung von Seite 2)

Beim Einbrechen in einen Bibertun-

nel kann Weidevieh schwerwiegende

Verletzungen erleiden. Der untermi-

nierte Boden hat auch schon Land-

maschinen zum Absacken gebracht.

Zur Kompensation von Biberschäden

stellt die Bayerische Staatsregierung

seit 2008 einen freiwilligen Aus-

gleichsfonds zur Verfügung. Dessen

Einlage beläuft sich nach Angaben des

Bund Naturschutz aktuell auf 450 000

Euro. Da die Summe der gemeldeten

Schadensfälle nicht jedes Jahr dieselbe

ist, werden die Entschädigungszah-

lungen anteilig geleistet. 2015, als die

gemeldeten Schäden rund 557 000

Euro ausmachten, belief sich die Aus-

gleichsquote auf etwa 80 Prozent. Bei

einer Aufstockung des Fonds auf 900

000 Euro könnten – nach Berech-

nungen des Bund Naturschutz – die

Biberschäden zu 100 Prozent kom-

pensiert werden.

Gemäß einer Analyse des Bund Na-

turschutz ergeben sich nur im Um-

feld von 30 Prozent der Biberrevie-

re Konflikte mit dem Menschen. Die

allermeisten Schadensfälle aber spie-

len sich weniger als zehn Meter vom

jeweiligen Gewässer entfernt ab. In

lediglich 10 Prozent der beanstande-

ten Fälle haben einzelne Biber diese

Zone überschritten.

In allen Bundesländern – außer in

Bayern – ist inzwischen ein gesetz-

lich verbindlicher Schutzstreifen ent-

lang von Fluss-, Bach- oder Seeufern

vorgesehen. Unter anderem forderte

das unlängst durchgeführte Volksbe-

gehren „Rettet die Bienen!“ nun auch

für bayerische Gewässer eine fünf

Meter breite Schutzzone, die weder

landwirtschaftlich noch gartenbaulich

genutzt werden darf. Nach Meinung

des Bund Naturschutz und im Sinne

des Trink- und Hochwasserschutzes

hingegen wäre eine Breite von 20

Metern optimal. Damit würden sich

auch die Überschneidungen von Bi-

berrevieren und landwirtschaftlichen

Nutzflächen fast gänzlich erübrigen.

Kommunen und Städte sind gesetz-

lich verpflichtet, ihre für Bauvorhaben

veräußerten Grünflächen durch den

Ankauf entsprechend großer Natur-

flächen wieder auszugleichen. Mit

dem bevorzugten Erwerb solcher

Gewässerschutzzonen wäre dabei

viel gewonnen. Während Binnenflä-

chen erst einmal mühevoll in einen

naturnahen Zustand zurückversetzt

werden müssen, passierte die Rena-

turierung der gewässersäumenden

Schutzzonen quasi von selbst.

Hier nun wird der Wert des Bibers

und seiner emsigen Bautätigkeit deut-

lich. Keine andere Art wirkt derart

heilsam auf die durch menschliche

Eingriffe kränklich gewordenen Ge-

wässerlandschaften. Man darf auch

nicht vergessen, dass der Biber bei-

leibe kein standortfremder Einwan-

derer, sondern ein zurückgekehrter

Ureinwohner ist, der in der heimi-

schen Fauna seinen naturgewollten

Platz hat.

Wie bereits erwähnt, kommt es

durch den Dammbau des Nagers

zu Veränderungen des Wasserpegels

und damit zum Grundwasseranstieg.

Die Pfützen, die sich dabei auf dem

angrenzenden Gelände bilden, sind

nicht nur Brutstätten für Organismen,

die dem Weidevieh gefährlich wer-

den könnten. Bei diesen zeitweiligen

Wasseransammlungen handelt es sich

auch um wertvolle Fortpflanzungs-

tümpel für Amphibien. Fische und

auch andere Fressfeinde können ih-

nen dort nichts anhaben.

Die durch Biberdämme verlang-

samten Bachabschnitte stauen sich

zu Teichen von mehreren Metern

Durchmesser an, in denen die Was-

sertemperatur ansteigt. Abgesehen

davon, dass sich viele Pflanzenarten

an solchen Gewässerufern wohlfüh-

len und in großer Fülle sprießen, stellt

der wärmere Biberteich eine ideale

Brutstätte für die Larven zahlreicher

Wasserinsekten dar. Dies aber zieht

Enten und Rallen – wie das Blässhuhn

– an, die sich an den Insektenlarven

gütlich tun.

Biberteiche gehen auch mit einem

häufigeren Vorkommen von Molchen

und Fröschen einher. Das wiederum

zieht die Ansiedelung von Amphibi-

enfressern wie Storch, Reiher oder

Ringelnatter nach sich. Besonders

beeindruckend ist dabei die Zunahme

von Libellenarten. Das zeigt ein Bei-

spiel aus einem Waldareal in der Eifel:

Während zur biberfreien Zeit allen-

falls vier Libellenarten gezählt werden

konnten, gibt es dort nun sage und

schreibe 28 Arten.

Dass infolge des erhöhten Wasser-

pegels der eine oder andere hoch-

gewachsene Baum abstirbt und zu

Totholz wird, mag zunächst einmal

problematisch klingen. Diese für den

Menschen oft unheimlich anzuschau-

enden Baumruinen jedoch beher-

bergen Insektenlarven, die eine Nah-

rungsquelle für Spechte und Meisen

sind. Aber auch Fledermäuse profi-

tieren davon. Die nachtaktiven Tiere

finden in Specht- und Fäulnishöhlen

einen idealen Unterschlupf, in denen

sie den Tag verschlafen können.

Auch mit seinen Fällungsarbeiten lei-

stet der Biber der Natur einen wert-

vollen Dienst. Zu Fall gebrachte Bäu-

me werden von ihm nur an manchen

Stellen angeknabbert. Die waagrecht

liegenden Stämme bilden oft wieder

neue Wurzeln und eine Vielzahl von

Trieben aus. Auf diese Weise kann

aus einer einzigen gefällten Weide ein

ganzes Weidengestrüpp entstehen.

Über das Wasser geraten abgenagte

Weidenäste vielfach an andere Stand

orte. Wie man es von Stecklingen

kennt, treiben sie dort Wurzeln und

wachsen schließlich zu neuen Bäu

men heran.

Manchmal fällen Biber ganze Baum

gruppen. Aber auch hierbei verrich

ten sie eine höchst sinnreiche Arbeit.

Sie schaffen dadurch Waldlichtungen,

die infolge des Sonneneinfalls schließ

lich zu trockenen, warmen Zonen

werden. Als Wärmeliebhaber neh

men Reptilien gerne darin Zuflucht.

Bevorzugt aber lassen sich Wildbie

nenvölker in solchen Lichtungen nie

der. Der Biber wirkt damit auch dem

vielfach befürchteten Insektensterben

entgegen.

Als genialer Renaturierer und Arten

multiplikator ist der Biber unser aller

Freund. Politiker, die von ihm als einen

Feind sprechen und seine großflächige

Bejagung fordern, sehen allenfalls die

ersten Schäden, aber nicht die langfri

stigen Auswirkungen der Biberbesied

lung.

pw

Dass sein Engagement vielfach verkannt wird, bereitet dem Biber sichtlich Kopfschmerzen.

Foto: shutterstock

Durch den Biber werden Lücken in der Nahrungskette ge-

schlossen.

Foto: stock

Keiner heilt die kranke

Natur so effektiv wie

der Biber

München – „Wie viel Bio

braucht der Markt?“ – un-

ter diesem Motto stand die-

ses Jahr der von Genossen-

schaftsverband Bayern (GVB)

und BayWa AG ausgerichtete

Branchentreff „Agrarimpul-

se“ in Augsburg. An der Ver-

anstaltung nahmen rund 1000

Landwirte sowie Vertreter der

bayerischen Volksbanken und

Raiffeisenbanken teil.

„Keine Frage, Bio ist auf Wachs-

tumskurs“, sagte GVB-Vorstand

Alexander Büchel in seiner Eröff-

nungsrede. In Bayern sei der Öko-

landbau eine Erfolgsgeschichte, an

der die bayerischen Genossenschaf-

ten ihren Anteil hätten. Büchel be-

gründete das unter anderem damit,

dass gut ein Viertel der deutschen

Bio-Milch von Molkereigenossen-

schaften aus dem Freistaat verarbei-

tet und vermarktet werden.

Nach Angaben der Bayerischen Lan-

desanstalt für Landwirtschaft ist Bay-

ern heute das Bundesland mit der

größten ökologisch bewirtschafteten

landwirtschaftlichen Fläche. Dabei

sei laut Büchel die Bereitschaft der

Erzeuger, auf ökologischen Landbau

umzusteigen, ungebrochen. Sorgen

bereite jedoch, dass gerade in den

letzten beiden Jahren der Zuwachs

auf der Verbraucherseite mit dem

Wachstum auf der Erzeugerseite

nicht Schritt halten konnte. Erfor-

derlich sei die Bereitschaft der Ver-

braucher, für Bio-Ware „vernünftige

Preise zu bezahlen“.

Der BayWa-Vorstandsvorsitzende

Klaus Josef Lutz sagte in seinem

Impulsvortrag: „Wenn wir den Her-

ausforderungen, vor denen die

Landwirtschaft weltweit steht, er-

folgreich begegnen wollen, müssen

wir den Graben zwischen konven-

tioneller und ökologischer Land-

wirtschaft überwinden.“ Eine Be-

wirtschaftung nach guter fachlicher

Praxis, das Ergreifen der Chancen,

die die Digitalisierung bietet, sowie

mehr Offenheit gegenüber neuen

Züchtungsmethoden seien die Stell-

schrauben, um den vermeintlichen

Gegensatz zwischen Ökologie und

Ökonomie in der Landwirtschaft

zu versöhnen. Dies gelte unabhän-

gig von der Bewirtschaftungsform.

Lutz: „Alte Feindbilder helfen uns

hingegen nicht weiter.“

Die „Agrarimpulse“ werden seit

zehn Jahren vom GVB und von der

BayWa AG ausgerichtet. Die bayeri-

sche Genossenschaftsorganisation

bietet ihren Mitgliedern und deren

Kunden mit der Veranstaltung eine

Plattform für den fachlichen Aus

tausch.

Der Genossenschaftsverband Bay

ern e.V. (GVB) vertritt seit mehr al

125 Jahren die Interessen bayeri

scher Genossenschaften. Zu seinen

1242 Mitgliedern zählen 236 Volks

banken und Raiffeisenbanken sowi

1006 Unternehmen aus Branchen

wie Landwirtschaft, Energie, Han

del, Handwerk und Dienstleistun

gen. Sie bilden mit rund 50 00

Beschäftigten und 2,9 Millione

Anteilseignern eine der größten mit

telständischen Wirtschaftsorganisa

tionen im Freistaat.

Wie viel Bio braucht der Markt?

Landwirte und Genossenschaften diskutieren über Bio

„Bio ist auf

Wachstumskurs“

Sorgen bereitet die

Verbraucherseite

Der vermeintliche Widerspruch zwischen Ökologie und Ökonomie ist ein Spagat, den es in der fortschrittlichen Landwirtschaft zu meistern gilt.

Foto: stock