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pressewoche

S. 3

28. Februar 2019

Nach

richten

Krebskranke Kinder genarrt

Ehepaar veruntreut Spendengelder

Ein raffgieriges Ehepaar aus Adelsried steckte sich hohe Spen-

denbeträge in die eigene Tasche.

Foto: fotolia

Augsburg – Da sie Spendengelder für krebskranke Kinder unrechtmäßig einbehal-

ten haben, sind ein 39-jähriger Mann und seine 50-jährige Ehefrau zu Haftstrafen

von 20 beziehungsweise 22 Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Den ver-

untreuten Betrag müssen sie zurückerstatten und zudem 80 000 Euro an Hilfsor-

ganisationen für krebskranke Kinder entrichten. Laut Anklage haben die Beiden von

einem Spendenbetrag von insgesamt 167 000 Euro lediglich 15 000 Euro, also

rund neun Prozent, an die Spendenadressaten weitergeleitet und den Rest für sich

eingeheimst. Dass den Angeklagten das Gefängnis erspart bleibt, habe laut Staatsan-

wältin den Grund, dass mit der saftigen Geldstrafe krebskranken Kindern mehr ge-

holfen sei. Bedauerlich und moralisch unannehmbar sei, dass durch Vergehen die-

ser Art die allgemeine Spendierlaune deutlich abnehme, was für diejenigen, die auf

solche Spenden angewiesen sind, zum Nachteil ausfalle.

red

Der Superman-Effekt

Superheldentum ist ansteckend

Selbstlose Superhelden-Charaktere aus Kino, TV und Comic-

Heften haben eine Vorbildfunktion.

Foto: shutterstock

Richmond – Bei der psychologischen Methode des Primings werden Personen ge-

zielt einem bestimmten Reiz ausgesetzt. Dieser hat Einfluss darauf, wie sie auf einen

späteren zweiten Reiz reagieren. In einem Priming-Experiment der Virginia Com-

monwealth University konfrontierten Jeffrey D. Green und seine Mitarbeiter einige

Versuchspersonen unauffällig mit Plakaten, auf denen Superhelden wie Superman

abgebildet waren. Andere hingegen wurden durch Poster mit weniger aussage-

kräftigen Fahrrad-Motiven „geprimt“. Bei der anschließenden Befragung zeigte die

Superhelden-Gruppe eine stärkere Bereitschaft, sich für andere einzusetzen, als

die Fahrrad-Gruppe. Bei einem weiteren Versuch mit neuen, aber in der gleichen

Weise „geprimten“ Probanden zeigte wiederum die Superhelden-Gruppe eine

größere Hilfsbereitschaft, unerfreuliche, aber für das Experiment angeblich not-

wendige Arbeiten durchzuführen.

red

Gefährliche Bananenschalen

Besonderes Vergiftungsrisiko für Kinder

Vergiftungsgefahr – Nach dem Kontakt mit Bananenschalen

sollte man sich unbedingt die Hände waschen.

Foto: red

München – Bananen als Ausrutschgefahr sind ein verbreitetes Klischee in Slapstick

Filmen. Dabei kann von diesen Früchten eine ganz reale Gefahr ausgehen, näm

lich die Vergiftung durch Pestizide. „In Untersuchungen werden immer wieder

Rückstände von Pflanzenschutzmitteln auf und in der Schale nachgewiesen“, sag

Sabine Hülsmann, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Bayern. Nicht

nur in der Plantage, sondern auch im Anschluss an die Ernte kommen bei der Ba

nanenproduktion Giftstoffe zum Einsatz. Zur Vermeidung einer frühzeitigen Fäul

nis unterzieht man die gekrümmten Südfrüchte einer Behandlung mit Antischim

melmitteln, sogenannten Fungiziden. Besonders bei Bananen aus herkömmli

chem Anbau, aber auch bei Bio-Bananen, sei es laut Hülsmann ratsam, „nach

dem Schälen die Hände zu waschen. Kindern sollte man ausschließlich die ge

schälten Früchte in die Hand geben“.

red

Blinde ertasten Brustkrebs

Verbesserte Brustkrebsvorsorge

Mit ihrem geschärften Fingerspitzengefühl können Blinde sehr

gut Brustknoten aufspüren.

Foto: red

Erlangen – Einer Studie der Universität Erlangen zufolge zeitigt der Einsatz von blin-

den Frauen eine qualitative Verbesserung der Brustkrebsfrüherkennung. Allgemein

sind Medizinische Tastuntersucherinnen (MTU) gut ausgebildet und in der Lage,

mithilfe ihres Tastvermögens kleinste Auffälligkeiten im Brustgewebe auszumachen.

Blinde MTU, deren fehlendes Augenlicht durch einen überdurchschnittlich ge-

schärften Tastsinn ausgeglichen wird, eignen sich besonders. An den Brüsten der

zu untersuchenden Frauen werden selbstklebende Papierstreifen angebracht, die

den blinden MTU als Orientierungshilfe dienen. Sollte die Tastuntersucherin etwas

Verdächtiges finden, setzt sie den Arzt in Kenntnis, der daraufhin detailliertere Un-

tersuchungen mittels Ultraschall und Mammographie vornimmt. Mit einer Dauer

zwischen 30 und 50 Minuten empfinden Frauen die Untersuchungen durch MTU

angenehmer als die von Ärzten durchgeführten.

red

Fahrschul-Fiasko

Immer mehr Fahrschüler fallen durch

Etwa jede dritte Prüfung für den Autoführerschein wird in der

Bundesrepublik nicht bestanden.

Foto: red

Flensburg – Laut aktueller Information des Bundesamts für Kraftfahrt werden

immer mehr theoretische und praktische Prüfungen für den Führerschein nicht

bestanden. 2017 lag die Durchfallquote (ein eigenartiges Wort) im theoreti-

schen Teil bei 39 Prozent, in der praktischen Fahrprüfung bei 32 Prozent. Da-

mit wurde der höchste Wert seit dem Jahr 2008 erreicht. Experten vermuten,

dass die zunehmende Komplexität des Straßenverkehrs Ursache für diesen

Anstieg sei. Nach Meinung des Referatsleiters für junge Kraftfahrer beim Deut-

schen Verkehrssicherheitsrat (DVR), Hendrik Pistor, könne die Durchfallquote

auch den Herausforderungen eines zunehmend stressigeren Alltags und der

grassierenden Smartphone-Sucht geschuldet sein. „Das fängt schon damit an,

dass Jugendliche als Beifahrer lieber auf ihr Handy schauen, als sich für den Ver-

kehr und das Autofahren zu interessieren“, sagt Jochen Klima, Vorsitzender des

baden-württembergischen Fahrlehrerverbandes.

red

Raus aus dem Nischen-Dasein

Bio-Produkte werden zur Massenware

Dass immer mehr Deutsche Bio-Produkte kaufen, reizt Land-

wirte zur Umstellung auf Bio-Landbau an.

Foto: red

Nürnberg – Die Deutschen greifen immer mehr auf Bio-Produkte zurück. Das

zeigt eine Angabe des Bundesverbands Naturkost Naturwaren (BNN). Mit einem

Umsatz von nahezu 3,5 Milliarden Euro im Vorjahr verzeichnet die Bio-Branche

einen Zuwachs von mehr als fünf Prozent im Vergleich zu 2017. Ein ähnliches Plus

vermute man auch in den deutschen Ökolandbau-Betrieben. Nach Angaben des

Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) sprengten diese 2017 erst-

mals die 10-Milliarden-Euro-Marke, weshalb von einem weiteren Florieren der

Ökolandbau-Betriebe ausgegangen werden könne. Felix Prinz zu Löwenstein, Vor-

sitzender der BÖLW, begrüßt die „Vermassung“ von Bio-Produkten. „Wir müssen

in die Breite gehen, wenn wir das bewirken wollen, wofür wir eingetreten sind“,

sagt er. Aufgrund der wachsenden Nachfrage stellen mehr und mehr Landwirte auf

biodynamischen Landbau um. Bio-Produkte werden damit auch preiswerter.

red

Tödliche Hirschkrankheit

Mögliche Ansteckungsgefahr für Menschen

In nordamerikanischen und kanadischen Wäldern werden mehr

und mehr Hirsche von der CWD dahingerafft.

Foto: fotolia

Minnesota – In zwei kanadischen Provinzen und in mindestens 24 Bundesstaaten

der USA fallen immer mehr Hirsche, Elche und Rentiere der „Zombie-Krankheit“

anheim. Bei der Chronic Wasting Desease (CWD), wie diese Krankheit in Fach

kreisen genannt wird, reichern sich bestimmte Eiweißstoffe, nämlich Prionen, in

den Gehirnzellen an, die schließlich platzen und im Gehirn winzigste tote Bereich

hinterlassen. Infolge der Schädigung kommt es bei den Tieren zu auffälligen Sym

ptomen wie Gangunsicherheit, Speichelfluss, Hängeohren, reduzierter Scheu vor

dem Menschen und erhöhter Angriffslust. Die Krankheit endet dabei stets tödlich.

CWD wird vermutlich über den Speichel, Urin und Fäkalien verbreitet. Experten,

darunter Michael Osterholm, Forscher an der Universität von Minnesota, befürch

ten, dass auch Menschen über den Verzehr von kontaminiertem Hirsch- ode

Elchfleisch an CWD erkranken könnten.

red

Dunkelheit ins Licht gebracht

Stadt kämpft gegen Lichtverschmutzung

Für ihr Engagement gegen die Lichtverschmutzung erhielt die

Stadt Fulda eine internationale Auszeichnung.

Foto: shutterstock

Fulda – Lichtverschmutzung durch eine übermäßige und falsch ausgerichtete

Bestrahlung mit kalten Lichtfarben wirkt sich störend auf das Leben vieler

nachtaktiver Arten aus, verursacht den sinnlosen Tod lichtaffiner Insekten und

beeinträchtigt sowohl Pflanzen als auch die Gesundheit des Menschen. Dass

Licht ausschließlich Gehsteige und Straßen, nicht aber den Nachthimmel be-

leuchten soll, ist für Heiko Wingenfeld, Oberbürgermeister und Repräsen-

tant der osthessischen Stadt Fulda, nicht nur eine theoretische Forderung.

Mit ihren Bemühungen einer angemessenen und umweltfreundlichen Be-

leuchtungskultur bildet die Stadt die vorderste Front bei der Bekämpfung von

Lichtverschmutzung auf deutschem Terrain. Von der International Dark Sky

Association, einer amerikanischen Interessensgemeinschaft gegen Lichtver-

schmutzung, erhielt sie als erste deutsche Stadt unlängst den Ehrentitel Dark-

Sky-Kommune.

red

Nicht die feine Art

Staatsanwalt als „Obergschaftler“ bezeichnet

Hätte sich der Angeklagte in seiner Amtszeit ebenfalls straflos

als „Wichtigtuer“ bezeichnen lassen?

Foto: red

Regensburg – Im Verlauf des Korruptionsprozesses bezeichnete der Angeklag

te – der seines Amtes enthobene Regensburger Oberbürgermeister Joachim

Wolberg – den anwesenden Oberstaatsanwalt als einen „Obergschaftler“. Die

ser verlangte die Protokollierung des Vorfalls. Zur Prüfung, ob es sich bei dieser

Bezeichnung um eine Beleidigung handelte, nahm die Vorsitzende Richterin

Elke Escher eine Duden-Ausgabe zur Hand. Darin wird das Wort „Obergschaft

ler“ zwar nicht aufgeführt, dafür aber die gemäßigtere Form „Gschaftlhuber“,

mit der im süddeutschen und österreichischen Raum ein „wichtigtuerischer

Mensch“ bezeichnet wird. Wie Escher schließlich befand, habe der Angeklagte

damit zwar eine gehörige Respektlosigkeit begangen, aber keineswegs eine

protokollierungswürdige Beleidigung, die rechtliche Konsequenzen nach sich

ziehen würde. Im Rahmen der Meinungsfreiheit gehe diese Äußerung noch als

legitim durch.

red