Background Image
Previous Page  2 / 16 Next Page
Basic version Information
Show Menu
Previous Page 2 / 16 Next Page
Page Background

Naturverbundene Menschen

empfinden es als Bereicherung,

wenn zum Teil schon vor langer

Zeit ausgerottete Tierarten

wieder in unserer heimischen

Fauna sesshaft werden. Dass

auch der Biber zurückgekehrt

ist und immer mehr Reviere,

oft ganz in Menschennähe, be-

zieht, freut sie ganz besonders.

Doch nicht jedermann kann

sich für die Wiedereinbürge-

rung des größten europäischen

Nagers begeistern.

Mit seinen umwälzenden gesell-

schaftlichen Entwicklungen und der

Industrialisierung war das 19. Jahr-

hundert zudem eine Zeit der syste-

matischen Ausrottung. 1846 wurde

im Bayerischen Wald bei Zwiesel

der letzte heimische Luchs niederge-

streckt. Der im Jahre 1865 in Ruh-

polding erlegte Braunbär galt als der

letzte Vertreter seiner Art auf deut-

schem Boden.

Einige Jahre zuvor, nämlich 1837,

hatte man bereits den Biber hierzu-

lande vollständig ausgemerzt. Sein

dichtes und zugleich weiches Fell

war in der Pelzverarbeitung von je-

her hoch begehrt. Doch auch wegen

seines Drüsensekrets, dem Bibergeil,

hatte man ihm immer schon nachge-

stellt. Dieses galt – wie der Name

schon vermuten lässt – als Liebeslust

steigerndes Naturprodukt. Auch Lei-

den wie Gicht, Epilepsie, Lähmun-

gen oder Sprachstörungen infolge

von Schlaganfällen glaubte man mit

Bibergeil behandeln zu können.

Und da der Biber mit seiner was-

seraffinen Lebensweise und seinem

schuppigen und flossenähnlichen

Schwanz einem Fisch ähnelt, wurde

sein Fleisch als Fastenspeise erlaubt.

Diese kirchliche Legitimierung führ-

te erst recht zu seiner Ausrottung.

Dasselbe Schicksal erlitten auch an-

dere im Wasser lebende Arten wie

der Fischotter und die Europäische

Sumpfschildkröte.

1966, nachdem er nahezu 100 Jah-

re aus der heimischen Tierwelt ver-

schwunden war, wurde der Biber

durch eine Maßnahme des Bund Na-

turschutz Bayern an den Donauge-

staden nahe Ingolstadt wiedereinge-

bürgert. Bis 1980 wurden insgesamt

etwa 120 weitere Exemplare nach

und nach angesiedelt. Da der Nager

keine natürlichen Feinde hat, konn-

te er sich ungestört vermehren und

verbreiten. Nach einer Einschätzung

des Bund Naturschutz umfasste der

bayerische Biberbestand 2017 etwa

20 000 Tiere in rund 5500 Revieren.

Das Heimisch-Machen des Bibers ist

zu Recht das bislang erfolgreichste

deutsche Wiedereinbürgerungspro-

jekt. Inzwischen wurden sogar eini-

ge Tiere wieder eingefangen und für

Einbürgerungsprogramme ins Aus-

land gebracht.

Mit jeder erfolgreichen Wiederein-

bürgerung wurden indes auch Ge-

genstimmen laut. Im Gegensatz zu

Umweltschützern sehen Fischer und

Fischzüchter die Rückkehr oder die

Zunahme von fischverzehrenden Ar-

ten wie Kormoran oder Graureiher

sehr kritisch. Dasselbe gilt auch für

Weideviehhalter, die von zurückge-

kehrten Arten wie Wolf oder Luchs

alles andere als begeistert sind, da

diese zuweilen ihre Tiere reißen.

Als reiner Pflanzenfresser stellt der

Biber für Fische keine primäre Ge-

fahr dar. Dennoch beklagen einige

Fischteichbesitzer durch das Nage-

tier zugefügte, empfindliche Schä-

den. Ihre Zuchtteiche befinden sich

meist in der Nähe natürlicher Ge-

wässer. So geschieht es manchmal,

dass ein Biber eine bis zur Aquakultur

reichende unterirdische Wohnröhre

gräbt und dadurch das Ablaufen des

Fischzuchtteiches bewirkt.

Vor allem aber sind es Landwirte, die

sich gegen die Wiedereinbürgerung

des baufreudigen Nagers ausspre-

chen. Auf einigen landwirtschaftli-

chen Nutzflächen in unmittelbarer

Gewässernähe hat sich seine Rück-

kehr bereits folgenschwer bemerk-

bar gemacht. Durch das Bauen vo

Dämmen werden fließende Gewäs

ser oft umgeleitet und Wiesen über

flutet. Manchmal kommt es dadurch

auch zu Veränderungen des Wasser

pegels, sodass sich auf den angren

zenden Weideflächen Pfützen bilden.

Diese aber stellen insbesondere für

Kälber eine Infektionsquelle dar.

Beim Kontakt mit diesen abgestan

denen Wasseransammlungen kön

nen sie sich Parasiten, darunter de

gefürchteten Leberegel, zuziehen.

Auch haben Biber in gewässerna

hen Obstgärten bereits so manchen

Baum zu Fall gebracht.

Unterirdische Gänge, welche die

Nager entlang von Bach- und Fluss-

läufen, manchmal aber auch vom

Gewässer hinweg in das angrenzen

de Gelände graben, stellen eine nicht

zu unterschätzende Gefahr dar.

(Fortsetzung Seite 5)

S. 2

28. Februar 2019

Nach

richten

IMPRESSUM

HERAUSGEBER/VERLAG

pressewoche

VerlagsGmbH

Wendelsteinstr. 19a

83098 Brannenburg

Ust-IdNr. DE251393271

HRB-Nr. 17266

Registergericht Traunstein

Telefon: 08031/23386-0

Fax : 08031/23386-26

Mail:

info@pressewoche.de

Geschäftsführung/Anzeigen/Redaktion/

V.i.S.d.P.

Fred Neumaier

Redaktion:

Peter Weikl – Tel. 08031/23386-22

Medienberatung:

Uta Lampe – Tel. 08031/23386-12

Vertrieb/Auflagestellen:

Beate Benesch – Tel. 08031/23386-13

Grafik-Konzept / Art Director:

Helmut Wegenkittl - idw.at

Vertrieb:Vertriebs-und

Abonnementanfragenbittean:

abo@pressewoche.de.

Redaktion: Redaktionsschluss

ist montags, 18 Uhr. Für unverlangt eingesandte Un-

terlagen übernimmt der Verlag keine Haftung. Die

Redaktion behält sich die Entscheidung zur Veröffent-

lichung vor. Pressetexte an:

info@pressewoche.de

Anzeigen: Es gilt die Preisliste 2019. Anzeigenschluss

ist acht Tage vor Erscheinen. Wenn kein Korrekturab-

zug erforderlich ist, können Anzeigen bis Dienstag, 10

Uhr, eingereicht werden. Bildnachweis: Redaktion,

freie Mitarbeiter in Bild und Text, Pressemitteilungen,

fotolia, sutterstock, adobe stock, djd, dpa.

Aus Gründen des Stils und der Lesbarkeit bleiben

wir bei Allgemeinbezeichnungen und Anreden

oft geschlechtlich einseitig, meinen dabei aber alle

Personen diversen, männlichen und weiblichen Ge-

schlechts dieser Gruppe.

www.pressewoche.de

Renaturierungs-Profi & Insekten-Hotelier

Der Biber und sein wertvoller Beitrag zur Artenvielfalt

Bibertunnel bringen

manchmal Zuchtteiche

zum Auslaufen

Die vermeintlichen Biberschäden sind in Wirklichkeit Reparaturmaßnahmen, die zu einer intakten Naturlandschaft führen.

Foto: red

Das zarte Fleisch des

Bibers war eine begehrte

Fastenspeise

Biber haben Bäume zum Anbeißen gern tragen damit zu deren

Vermehrung bei.

Foto: red

Kleine Dämme wachsen zu gewaltigen Biberburgen heran, die ohne Weiteres Tausende

Kubikmeter Wasser stauen.

Foto: shutterstock