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15. November 2018 -

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Wiesbaden – Trotz boomender Wirt-

schaft in Deutschland leben viele

Millionen Menschen an oder unter

der Armutsgrenze. Das Geld reicht

bei vielen nach einer EU-weiten Er-

hebung oft nicht aus, um alltägliche

Rechnungen, Miete oder Heizkosten

zu bezahlen.

Knapp ein Fünftel der deutschen

Bevölkerung war im Jahr 2017 von

Armut oder sozialer Ausgrenzung be-

droht, wie das Statistische Bundesamt

Ende Oktober in Wiesbaden berich-

tete. Die Statistikbehörde beruft sich

dabei auf Daten der Erhebung „Leben

in Europa“ (EU-SILC).

Insgesamt waren demnach 15,5 Mil-

lionen Menschen betroffen, das ent-

spricht einem Bevölkerungsanteil von

19 Prozent. Damit ist der Wert binnen

einen Jahres leicht gesunken, im Jahr

2016 waren hierzulande noch 16 Mil-

lionen Menschen oder 19,7 Prozent

von Armut oder sozialer Ausgrenzung

bedroht. In der gesamten EU lag der

Anteil dieser Gruppe im Jahr 2017 bei

22,5 Prozent (2016: 23,5 Prozent).

Nach der EU-Definition für die Erhe-

bung gilt jemand als armutsgefährdet,

wenn er über weniger als 60 Pro-

zent des mittleren Einkommens der

Bevölkerung verfügt. 2017 lag dieser

Schwellenwert für eine alleinleben-

de Person in Deutschland bei 1096

Euro im Monat, für zwei Erwachse-

ne mit zwei Kindern unter 14 Jahren

bei 2302 Euro im Monat. Das traf im

vergangenen Jahr auf 13,1 Millionen

Menschen oder 16,1 Prozent der Be-

völkerung zu. Insgesamt lag der Anteil

der Frauen etwas höher als der der

Männer. Im EU-Durchschnitt waren

16,9 Prozent der Bevölkerung von

Armut bedroht.

Die Definition für eine Bedrohung

durch soziale Ausgrenzung ist etwas

weiter gefasst: Sie meint etwa auch,

dass in einem Haushalt das Geld

nicht reicht für Miete, Fernsehgerät,

Heizung oder auch mal einen ein-

wöchigen Urlaub. Das betraf 2017 in

Deutschland 3,4 Prozent der Bevöl-

kerung. Etwa 8,7 Prozent der Men-

schen unter 60 Jahren lebten zudem

in einem Haushalt mit sehr niedriger

Erwerbsbeteiligung. Für manche tref-

fen auch mehrere dieser drei Lebens-

situationen (geringes Einkommen,

erhebliche materielle Entbehrungen

und sehr geringe Erwerbsbeteiligung)

zu.

Die Präsidentin des Sozialverbands

VdK Deutschland, Verena Bentele,

sprach von weiterhin erschreckend

hohen Zahlen. „Es ist skandalös,

dass trotz des Wirtschaftsbooms in

Deutschland 15,5 Millionen Men-

schen von Armut oder Ausgren-

zung bedroht sind.“ Sie forderte ein

Gesamtkonzept bei der Armutsbe-

kämpfung. „Dazu gehören faire Bil-

dungschancen genauso wie eine neu

ausgerichtete Arbeitsmarktpolitik.“

Einkommensarme Familien sind einer

Studie zufolge auch bei Kita-Beiträ-

gen überproportional stark belastet.

Das geht aus der im Mai von der

Güthersloher Bertelsmann-Stiftung

veröffentlichten Erhebung „Eltern-

Zoom 2018“ hervor.

Zwar sind die Gebühren vielerorts

nach Einkommen gestaffelt – Haus-

halte unterhalb der Armutsrisikogren-

ze müssen aber einen nahezu doppelt

so hohen Anteil ihres Einkommens für

die Kita aufwenden wie finanziell bes-

ser gestellte Familien.

Zudem fallen die Gebühren für die

Kindertageseinrichtungen je nach

Bundesland stark unterschiedlich aus.

Die finanzielle Belastung der Familien

variiere nach Wohnort, kritisierte Stif-

tungsvorstand Jörg Dräger.

Armutsgefährdete Eltern geben mo-

natlich knapp zehn Prozent ihres ge-

samten Haushaltsnettoeinkommens

– im Mittelwert 118 Euro – für die

Kita aus. Bei Familien oberhalb der Ar-

mutsgrenze sind es 178 Euro – rund

fünf Prozent ihres Einkommens. Bun-

desfamilienministerin Franziska Giffey

bekräftigte das Ziel, schrittweise zu

beitragsfreien Kitas zu kommen.

Unterscheidet man nicht nach „Arm

und Reich“, ergibt sich aus der Studie

folgendes Bild: Bundesweit wenden

Eltern 5,6 Prozent ihres Nettoein-

kommens – 173 Euro – monatlich

für die Kita auf. Hinzu kommen Zu-

satzgebühren etwa für Mittagessen,

Hygieneartikel oder Ausflüge von 45

Euro im Schnitt.

Die finanzielle Belastung sei unge-

recht verteilt, bilanzierte die Bertels-

mann-Stiftung. Es solle Beitragsfreiheit

für alle armutsgefährdeten Familien

eingeführt werden. Die vielerorts

geltende Staffelung der Elternbeiträge

nach Einkommen reiche nicht. Unter

einkommensarmen Eltern gaben 68

Prozent an, Kita-Beiträge zu entrich-

ten. Oberhalb der Armutsrisikogren-

ze sollten künftig die Beiträge bundes-

weit einheitlich nach Einkommenshö-

he berechnet werden, empfahl die

Stiftung.

Ministerin Giffey betonte, frühkindli-

che Bildung sei ein Zukunftsthema für

ganz Deutschland. Hohe Elternbei-

träge könnten eine Hürde sein. Das

Einkommen dürfe aber nicht darüber

entscheiden, ob und wann Kinder in

eine Kita gehen. „Eine zentrale Säule

unseres Gute-Kita-Gesetzes ist des-

halb der Einstieg in die Beitragsfrei-

heit.“

Der Paritätische Wohlfahrtsverband

forderte Beitragsfreiheit für einkom-

mensschwache Familien. Eine Reform

der Kita-Finanzierung sei notwendig,

um regionale Ungleichheiten zu be-

enden. Die Arbeiterwohlfahrt (AWO)

mahnte: „Gebührenfreiheit, zumin-

dest aber Gebührengerechtigkeit,

sind das Gebot der Stunde.“ Die 3,5

Milliarden Euro bis 2021 reichten bei

weitem nicht aus, kritisierten AWO

und Arbeiter-Samariter-Bund.

Der Deutsche Städtetag wertete die

Mittel als positiven Schritt, befand sie

aber für viel zu knapp. Die Städte

rechneten mit einer Mehrbelastung

von über zehn Milliarden Euro jähr

lich, wenn man Empfehlungen einer

Bund-Länder-Kommission zu Quali

tätsverbesserungen umsetzen wolle.

Laut Studie schlagen die Gebühre

regional deutlich unterschiedlich zu

Buche: Am meisten geben Eltern in

Schleswig-Holstein mit 8,9 Prozent

ihres Nettoeinkommens für die Kita

aus, gefolgt von Mecklenburg-Vor

pommern (7,8), Niedersachsen (7,3

und dem Saarland (7,2). Eher wenig

zahlen Familien in Berlin (2,0), Rhein

land-Pfalz (4,0) und Hamburg (4,3).

Das bevölkerungsreichste Bundes

land NRW liegt – wie Bremen – mit

6,6 Prozent leicht über dem Bundes

schnitt. Ähnlich sieht es in Hessen

(6,7), Baden-Württemberg (6,5),

Brandenburg (6,2), Thüringen (6,1

und Bayern (5,9) aus. Und innerhalb

der Länder gibt es dann oft noch mal

große Unterschiede.

Qualität ist Eltern wichtig: Eine Mehr

heit von 53 Prozent der einkommens

schwachen und 59 der finanzkräftige

ren Eltern würde für mehr Personal

und bessere Ausstattung auch höher

Beiträge akzeptieren.

dpa

Niemandsland entlang der Armutsgrenze

Armes Deutschland: Über 15 Millionen Menschen vom Mangel bedroht

Im EU-Durchschnitt waren 16,9 Prozent der Bevölkerung von Armut bedroht.

Foto: dpa

Kita-Gebühren: für einkommensschwache Familien oft eine finanziell herausfordernde Belastung.

Foto: dpa

Kindergartenbetreuung

als Luxus

Gebührengerechtigkeit

bei Kita gefordert

Arm ist, wer über

weniger als 60 Prozent

des mittleren

Einkommens der

Bevölkerung verfügt