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06. September 2018 -

info@pressewoche.de

S. 5

Nach

richten

Das Feld „Verwendungs-

zweck“ auf Überweisungs-

trägern ist normalerweise

dafür vorgesehen, eine

Rechnungs-, Artikel- oder

Kunden r e f e r en z num-

mer einzutragen. Man-

che Bankkunden, denen

das nicht prosaisch und

kreativ genug ist, ma-

chen sich einen Spaß da-

raus und geben scherz-

haft gemeinte, absurde

Verwendungszwecke an,

die oft rein gar nichts mit

dem zugrunde liegenden

Geschäft zu tun haben.

Im Internet kursieren zahlreiche

Hitlisten mit lustig gemeinten

Verwendungszwecken,

wie

zum Beispiel: „Damit du nicht

hungern musst“, „Danke für

die Niere“, „Schutzgeld“, „Die

großen Scheine gibt´s später“,

„Doktortitel“, „Du bist über

Los gegangen“, „Bitte lassen Sie

unser Kind wieder frei“, “Aus-

landsdirektinvestition“, „Waf-

fenfähiges Plutonium“ oder

„Koks und leichte Mädchen“.

Hierbei ist jedoch

Vorsicht geboten.

Geschmacklich

grenzwertig und

makaber ausfal-

lende Angaben,

die sich – wenn

auch vom Aus-

füllenden natürlich nicht ernst

gemeint – auf Drogen- oder

Waffenhandel oder andere

kriminelle Akte beziehen, kön-

nen sehr schnell missverstan-

den werden. Nicht selten ist

deswegen schon

die Polizei einge-

schaltet worden.

Das Vergnügen

von

Bankan-

gestellten,

die

sich mit solchen

Pseudo-Verwendungszwecken

auseinandersetzen

müssen,

hält sich dabei sehr in Gren-

zen. Überweisungen werden

nämlich auf Geldwäsche- oder

Betrugsverdacht geprüft. Die

ausgefüllten Überweisungsträ-

ger werden also auch tatsäch-

lich in Augenschein genommen

und nicht unkritisch gelesen.

Scherzhaft formulierte Verwen-

dungszwecke aber erhöhen

den Arbeitsaufwand. Kunden,

die gerne solche launigen An-

gaben machen, mag vielleicht

nicht bewusst sein, dass sie

einen gehörigen Anteil daran

haben, wenn es in ihrem Kre

ditinstitut und somit in ihre

eigenen Bankgeschäften zu

Verzögerungen kommen sollte.

Vor dem Gesetz stehen Ban

ken in der Pflicht, verdächtig

Auffälligkeiten in den Geschäf

ten ihrer Kunden weiterzu

leiten. Solch ein Verdachtsfall

könnte ohne Weiteres einem

missverstandenen Spaß-Ver

wendungszweck

geschul

det sein. Staatsanwaltschaft

und Polizei werden dann da

rüber in Kenntnis gesetzt.

Wie ein Fachanwalt für Bank-

und Kapitalrecht der dpa mit

teilte, kommen solche Scherz

bei deutschlandweit täglich rund

17 Millionen Überweisungs

vorgängen nur sehr selten vor

Sollte sich aber ein unverbes

serlicher Witzbold wiederholt

dazu hinreißen lassen und zum

erhöhten Arbeitsaufwand in

seiner Bank beitragen, kann ihm

als Kunden gekündigt werden.

Abschließend bemerkt: Ver

wendungszwecke

müssen

gar nicht angegeben werden.

Für den Bankkunden besteht

hierzu keinerlei Verpflichtung.

pw

Beim Verwendungszweck hört der Spaß auf

Wann sich Humorlosigkeit auszahlt

Einige Scherzkekse toben sich auf Überweisungsformularen aus und geben irrwitzige Verwendungszwecke an.

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Projekt „Leichte Sprache“

Anspielungen auf

Straftaten können

leicht missverstanden

werden

Banken sind verpflich-

tet, verdächtige Anga-

ben weiterzuleiten

Barrierefreier Informationszugang für Benachteiligte

Hildesheim – „Leichte

Sprache“ im wissenschaft-

lich-theoretischen Sinne

bedeutet weit mehr als

einen Sachverhalt ledig-

lich mit einfachen Worten

auszudrücken. Eine For-

schungsstelle an der Uni-

versitätHildesheimwidmet

sich exklusiv diesem The-

ma. Das Team um die Me-

dienlinguistin Christiane

Maaß arbeitet an Grund-

lagen für eine „Leichte

Sprache“, die Menschen

mit eingeschränkter Lese-

fähigkeit das Erfassen und

Verstehen von Texten er-

leichtern soll.

Leichte Sprache unterscheidet

sich merklich vom Standard-

deutschen. In ihr sind Satzbau

undWortschatz in puncto Kom-

plexität und Umfang verringert.

Anders als bei vielen Fachtex-

ten, macht das Verfassen von

Texten in Leichter Sprache nur

Sinn, wenn vom Zielleser kein

nennenswertes Hintergrund-

wissen zum Textthema voraus-

gesetzt wird.

Auch hinsichtlich der äußeren

Form besteht ein merklicher

Unterschied zu konventionel-

len Texten. Die Zeilen sind

linksbündig ausgerichtet. Bei

Texten in Leichter Sprache han-

delt es sich um kurze Sätze in

möglichst großen Buchstaben.

Jeder Satz beginnt mit einer

vollständigen neuen Zeile, was

dem Leser die Orientierung auf

dem Textfeld und das Verste-

hen erleichtert. Diese Wirkung

wird auch durch den vermehr-

ten Einsatz von Zeichen und

Bildern verstärkt.

Besonders Menschen mit Be-

hinderung sollen aus Texten

in Leichter Sprache Nutzen

ziehen. Dieses Ansinnen ver-

dankt sich einer länderüber-

greifenden Initiative. 2008 hat

sich Deutschland mit seiner

Unterschrift unter der UN-

Behindertenrechtskonvention

dazu verpflichtet, Menschen

mit Behinderung eine Teilhabe

an der Gesellschaft zu ermögli-

chen. Dazu zählt auch, Vorkeh-

rungen für einen barrierefreien

Informationszugang zu schaffen.

Dabei zieht ein weit umfassen-

derer Personenkreis Nutzen

aus Texten in Leichter Sprache.

Das sind mitunter funktionale

Alphabeten, die nur allzu lang-

sam lesen können und von

daher Schwierigkeiten haben,

das gerade mühsam Entziffer-

te im Sinn zu behalten. Aber

auch Einwanderer, Touristen

und viele betagte können Vor-

teile daraus ziehen. „Bei richtig

schwierigen Texten, etwa aus

dem Bereich Recht oder Me-

dizin, profitieren eigentlich fast

alle“, sagt Maaß auf NDR.de.

Gerade aber vor dem Hinter-

grund solcher komplexer The-

menfelder ist es wichtig, dass

Menschen mit Benachteiligun-

gen dienliche Informationen in

einer für sie erfassbaren und

verständlichen Form zur Verfü-

gung stehen. Medizinische und

juristische Themenkomplexe

jedoch mit Leichter Sprache

auszudrücken, stellt eine enor-

me Herausforderung dar. Wie

diese

„Übersetzungsarbeit“

vonstattengehen kann, ist zu

dem eine Fragestellung, der an

der Forschungsstelle Leicht

Sprache an der Universität Hil

desheim nachgegangen wird.

pw