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28. Juni 2018
-
S. 5
Nach
richten
Ebersberg – Unter dem Motto „Or-
chideen und Warzenbeißer“ kün-
digte der Landschaftspflegeverband
Ebersberg eV in der Anzeigenzeitung
Hallo Ebersberg eine naturkundliche
Führung in der Sempt-Streuwiese
bei Forstinning an. Ein Mitarbeiter
der
pressewoche
war dabei, um die
Stimmung vor Ort nebst Informatio-
nen einzufangen.
Die Sempt-Streuwiese im Schwabener
Moos genießt den Status eines Naturdenk-
mals. Sie ist schon für längere Zeit im Ge-
meindebesitz und wird von ortsansässigen
Landwirten im Auftrag und nach Vorgabe
des Landespflegeverbands (LPV) gepflegt.
Die Streuwiese hat eine bewegte Geschich-
te hinter sich. Vor etwa hundert Jahren hatte
man begonnen, die ursprüngliche Sauergras-
wiese landwirtschaftstauglich umzugestalten.
Durch gemeinsame Bemühungen des LPV,
der Gemeinde und der Landwirte aber
konnte die Wiese wieder in ihren früheren
Zustand „renaturiert“ werden (Näheres
dazu in den untenstehenden Interviews).
Am Nachmittag des 15. Juni trafen sich
zwanzig Naturinteressierte in Sempt, um
sich von Tina Feuerbacher, einer Land-
schaftsarchitektin und Mitarbeiterin des
LPV, durch die Streuwiese mit ihrem darin
beheimateten Artenreichtum führen zu las-
sen. Gleich zu Beginn wies Feuerbacher die
Teilnehmer an, ihr im Gänsemarsch durch
das geschützte Grünland zu folgen. Mit die-
ser Maßnahme sollte verhindert werden,
dass Pflanzen, darunter unauffällige, aber
selten gewordene Orchideen-Arten wie die
Sumpfständelwurz oder das abgeblühte und
von daher leicht zu übersehende Knaben-
kraut unversehens niedergetreten werden.
Beim ersten gemeinsamen Stopp erklärte
Feuerbach den Begriff Streuwiese. Dabei
handelt es sich um einen feuchten Wiesen-
typus, auf dem viele Sauergräser wachsen.
Diese werden aufgrund ihrer sperrigen und
faserigen Struktur vom Vieh nicht gefressen.
Das Heu von Sauergräsern eignet sich allen-
falls zur Stall-Einstreu. Auf genau diese Ver-
wendung führt die Bezeichnung Streuwiese
zurück.
Auch wurden die Teilnehmer darüber aufge-
klärt, dass es sich bei de
hn-
tenWarzenbeißer (siehe Abbildung) umeine
Heuschreckenart handelt. Als Vertreter der
sogenannten Beißschrecken verfügt er über
kräftig ausgebildete Fresswerkzeuge und ist
in der Lage, auch für Menschen durchaus
schmerzhaft zuzubeißen. Früher wurde das
knabberfreudige Insekt mit seinen aggressi-
ven Speichelenzymen zur Entfernung von
Warzen angesetzt. Leider – oder besser
zum Glück für den Warzenbeißer – mochte
es nicht gelingen, einen solchen einzufangen
und kurzzeitig in ein durchsichtiges Gefäß zu
sperren, durch das er von allen Seiten hätte
beschaut werden können. So blieb Feuer-
bacher nichts anderes übrig, als auf Abbil-
dungen des namengebenden Protagonisten
zurückzugreifen.
Die Kinder hatten sichtlich Spaß daran, Aus-
schau nach weiteren Heuschreckenarten zu
halten und zu Anschauungszwecken vor-
übergehend einzufangen. So konnten unter
anderem die Zwitscherschrecke, der ein
schöner Zirp-Gesang nachgesagt wird, und
der Weißrandige Grashüpfer ausgiebig be-
trachtet werden. Wie Feuerbacher erklärte,
sind in Deutschland rund neunzig Grashüp
fer-Arten beheimatet. Zirka siebzig davon
findet man in Bayern, wobei zwei Drittel in
ihrem Bestand gefährdet sind.
Mit ihrem geschulten Blick konnte die Na
turführerin auch seltene Gewächse aus
machen. Neben farbenprächtigen Pflanze
wie der nach Vanille duftenden Prachtnelke,
der Orchideen-Art Mückenhändelwurz und
dem Heilziest mit seinen essbaren Wurzel
knollen konnte Feuerbacher auch die un
scheinbarere Simsenlilie erspähen. Weitere
Pflanzen wie das fleischfressende Fettkraut
oder der Dornige Hauhechel faszinierten
die Teilnehmer. Letztgenannte Art verfügt
neben „fiesen Dornen“ auch über ein ausge
sprochen starkes Wurzelwerk, das sogar in
der Lage ist, einen von einemOchsen gezo
genen Pflug zu stoppen. Diese Pflanze wird
im Volksmund deswegen „Ochsenbrech“
genannt und erhielt darüber hinaus den ner
vös machenden Namen „Weiberzorn“. Die
filigranen Flugkörper des Wollgrases können
bis zu zehn Kilometer weit fliegen, erklärte
Feuerbacher beim abschließenden Zwi
schenstopp. In Lappland, wo diese Pflanze
besonders häufig vorkommt, dienen die
Flugkörper als Kissenfüllung.
Insgesamt war die etwa zweistündige natur
kundliche Führung informativ und kurzwei
lig. Das schöne Wetter, das weitgehende
Ausbleiben von Bremsen-Attacken aber
auch die konsequent eingehaltene Nähe
zum Naturthema trugen zum Gelingen bei.
Über die amtlichen Hintergründe der Arbeit
des Landschaftspflegeverbands hielten sich
Feuerbacher und der ebenfalls anwesende
1. Vorstand Arnold Schmidt bei der Führung
zurück. In den nachfolgenden Interviews sol
len sie Gelegenheit dazu haben.
pw
Im Gänsemarsch durch die Streuwiese
Seltene Orchideen und schüchterne Heuschrecken: Naturführung des Landschaftspflegeverbands Ebersberg
Herr Schmidt, wann genau tritt der
Landschaftspflegeverband in Aktion?
Unser vorrangiges satzungsgemäßes
Ziel ist es, ökologisch wertvolle Flächen
im Landkreis Ebersberg zu erhalten,
neu zu schaffen und zu pflegen. Des
Weiteren kommen Flächen zustande,
wenn beispielsweise eine Gemeinde
eine Grünfläche als Baugebiet aus-
weist. Dafür muss dann in Absprache
mit der Unteren Naturschutzbehörde
eine Ausgleichsfläche geschaffen wer-
den. Hierzu muss die Gemeinde ein
entsprechendes Grundstück zur Ver-
fügung stellen und kann sich, wenn sie
will, an den Landschaftspflegeverband
wenden. Gemeinsam erarbeiten wir
dann ein naturnahes Konzept zur Pfle-
ge des Grundstücks.
Wieviel Pflegefläche wird derzeit vom
LPV betreut?
Derzeit betreuen wir eine Gesamtflä-
che von insgesamt etwa 50 Hektar Pfle-
geflächen und 35 Hektar Ausgleichsflä-
chen. Was mir dabei besonders zusagt,
ist die erfolgreiche Zusammenarbeit
zwischen Naturschutz, Landwirtschaft
und den Kommunen. Dass insbeson-
dere die Landwirte mit ins Boot geholt
worden sind, halte ich für sehr geglückt.
Ich bin seit dem Gründungsjahr 1992
aktiv mit dabei und kann rückblickend
und vor allem gegenwärtig sagen, dass
unsere Verbandstätigkeit, aber auch das
Dreierbündnis Naturschutz, Landwirt-
schaft und Kommunalpolitik bestens
funktioniert.
Was beinhaltet ein vom LPV vorge-
schlagenes Landschaftspflegekonzept?
Die Hauptaufgabe des LPV ist die Um-
setzung von Landschaftspflegemaßnah-
men. Ökologisch wertvolle Flächen
bedürfen einer speziellen Pflege, damit
sie erhalten bleiben. Dafür entwickelt
der LPV entsprechende Pflegekon-
zepte, auf deren Grundlage er Förder-
gelder für die Pflege beantragen kann.
Der Freistaat Bayern fördert die Pflege
solcher Flächen mit 70 bis 90 Prozent.
Die restlichen Kosten übernimmt der
LPV, der dies im Wesentlichen aus den
Mitgliedsbeiträgen der Kommunen
(alle Gemeinden und der Landkreis)
im Landkreis Ebersberg finanziert.
Was genau bedeutet Renaturierung?
Das bedeutet, dass eine Grundstücks-
fläche in einen naturnäheren Zustand
zurückversetzt wird. Einige Flächen
des Niedermoorgebietes Schwa-
bener Moos zum Beispiel wurden in
der Vergangenheit trockengelegt und
gedüngt. Auf diese Weise entstanden
nutzbare Landwirtschaftsflächen, auf
denen Pflanzen wuchsen, die sich zur
Fütterung eignen. Solch einen Grund
wieder in den ursprünglich natur-
nahen Zustand zurückzuversetzen,
bedeutet, dass ihm erst einmal die
Nährstoffe entzogen werden müssen.
Dies geschieht durch ein systematisch
und mehrmalig durchgeführtes Mäh-
programm, das zum „Aushagern“ des
Bodens führt. Auf diese ausgehagerte
Wiese wird über Jahre hinweg perio-
disch das Mähgut von intakten Streu-
wiesen verbreitet. So wird die Pfle-
gefläche schließlich wieder zu einer
Streuwiese.
Freitag 3. August von 14 bis 17 Uhr
„Obstbaumschnitt im Sommer“ bei
Vorderegglburg
Sonntag 23. September von 10 bis 12
Uhr „Naturspaziergang“ für Geist und
Seele bei Straußdorf
Freitag 5. Oktober um 19.30 Uhr
Vortrag „Wildkatzensprung“ in Ho-
henlinden
Sonntag 14. Oktober um 11 Uhr
„Schatztruhe Natur“ Naturspazier-
gang für Kinder in Ebersberg
Für die Teilnahme ist eine verbindliche
Anmeldung bis spätestens einer Wo-
che vor der jeweiligen Veranstaltung
unter Angabe der Telefonnummer er-
forderlich. Der Treffpunkt wird bei der
Anmeldung bekannt gegeben. Anmel-
dung per Post, telefonisch oder per
Email beim Landschaftspflegeverband
Ebersberg eV, Eichthalstraße 5, 85560
Ebersberg.
Kontakt:
Josef Rüegg, Tel.: 08092/823-216,
Fax: -9216,
Email:
, oder
Tina Feuerbacher, Tel.: 08092/823-
206, Fax: -9206,
Email:
In wiesenschonender Formation bewegte sich die Teilnehmergruppe vorwärts.
Foto: pw
Für die Veranstaltungen ist eine
verbindliche
Anmeldung
erforderlich!
Bitte bis spätestens 1 Woche vor der jeweiligen
Veranstaltung und unter Angabe Ihrer Telefonnummer
anmelden beim
Landschaftspflegeverband Ebersberg e.V.
Eichthalstraße 5
85560 Ebersberg
Josef Rüegg
, Tel.: 08092/ 823-216, Fax: -9216,
Email:
oder
Tina Feuerbacher
, Tel.: 08092/ 823-206, Fax: -9206,
Email:
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Fotowettbewerb
„Natur ist
Rot
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Beteiligen können sich alle, die Interesse an der Natur im
Landkreis Ebersberg haben. Die Motive zum Thema „Natur
ist Rot“ müssen aus unserem Landkreis stammen.
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Die besten Bilder sind dann von
Januar bis März 2019 in einer Ausstellung am
Museum Wald und Umwelt zu bestaunen. Ferner wird ein
Fotokalender mit den schönsten Motiven entstehen.
Zur Teilnahme senden Sie Ihre Bilder bitte sowohl digital
(max. 10 MB) und als Fotoausdruck (in A4-Format) an den
LPV Ebersberg e.V., Eichthalstraße 5, 85560 Ebersberg.
Email:
Die Bilder müssen mit Motiv-Titel, Ort der Aufnahme, Aufnah-
medatum, Namen des Fotografen und Adresse versehen sein.
Alle Teilnehmer erklären sich mit den Teilnahmebedingungen
einverstanden, die auf der homepage
eingesehen werden können.
ĊėĆēĘęĆđęĚēČĘĕėĔČėĆĒĒ
für das Festjahr 2017 / 2018
zum 25-jährigen Bestehen
25 Jahre
ƒ†•…Šƒˆ–•’ƪ‡‰‡
25 Jahre
Engagement
für unsere Heimat
Die Mückenhändelwurz (Gymnadenia conopsea), eine heimische Orchi-
deen-Art.
Foto: pw
Der Warzenbeißer (Decitius verrucivorus) kann überaus kraftvoll zu-
beißen.
Foto: fotolia
Veranstaltungen des Landschaftspflegeverbandes
Arnold Schmidt, 1. Vorsitzender des Landschaftspflegeverbands Ebersberg
Tina Feuerbacher, Mitarbeiterin des LPV, Landschaftsarchitektin
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