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19. Dezember 2009 -
Region S. 2
stil
D i e S e r v i c e - S E i t en de r
p r e s s e wo c h e
S. 14
28. Juni 2018 -
Im Mai jährte sich der Ausbruch des
Dreißigjährigen Krieges zum vierhun-
dertsten Mal. Kaum ein Ereignis der
Geschichte hat sich so stark in das
kollektive Gedächtnis der Deutschen
eingeprägt, wie diese grauenhaften
Jahrzehnte in der ersten Hälfte des
17. Jahrhunderts. Und tatsächlich ist
dies – abgesehen von den zwei Welt-
kriegen des letzten Jahrhunderts – die
verhängnisvollste kriegerische Aus-
einandersetzung, die Deutschland je
erlebt hat und, was die Zahl der Op-
fer betrifft, relativ noch schlimmer, als
diese.
Angekündigt hat sich dieser Konflikt
schon Jahre früher. Die konfessionel-
len Spannungen zwischen Katholiken
und Protestanten sind in den zehn
Jahren vor 1618 beständig gestiegen,
und hinzu kamen politische Rivalitä-
ten zwischen den großen Mächten
Europas, so dass sich von Anfang an
religiöse und politische Motive ver-
banden. Gewöhnlich wird der soge-
nannte „Prager Fenstersturz“ vom 23.
Mai 1618 als Beginn des Krieges be-
zeichnet. Worum ging es dabei? Der
katholische, habsburgische Erzherzog
Ferdinand (seit 1619 auch römisch-
deutscher Kaiser) sollte König von
Böhmen werden, das mehrheitlich
protestantisch war. Rebellierende
Adelige wählten den protestantischen
Kurfürsten Friedrich von der Pfalz und
warfen an diesem Tag zwei kaiserliche
Räte aus einem Fenster der Prager
Burg. Glücklicherweise blieben sie
nahezu unverletzt.
Die beiderseitigen Rüstungen began-
nen. Zuvor schon hatten sich einige
protestantische Fürsten in der „Uni-
on“ zusammengefunden, um ihre
Religion gegen die Bestrebungen der
katholischen Gegenreformation zu
schützen. Unter Führung des bayeri-
schen Herzogs Maximilian I. wurde
als Gegenpart die „Liga“ gegründet.
Beide Bündnisse traten auf verschie-
dene Seiten in den Krieg ein, wobei
Maximilian und sein Feldherr Graf Til-
ly (begraben in Altötting) deutlich stär-
ker waren. Im November 1620 kam
es am Weißen Berg bei Prag zur er-
sten großen Schlacht dieses Krieges.
Der von der protestantischen Seite
gestützte König Friedrich, der soge-
nannte „Winterkönig“, unterlag und
musste fliehen. Die Rekatholisierung
Böhmens begann unverzüglich und
gewaltsam. Tilly besetzte die Pfalz,
Maximilian erhielt wenig später die
Kurwürde des geächteten Friedrich.
Bald wuchs sich die zunächst inner-
deutsche Auseinandersetzung zum
europäischen Krieg aus, der viele ins
Verderben riss. Auf katholischer Seite
griff Spanien ein, die nördlichen pro-
testantischen Staaten, unter anderem
Schweden, wurden mit einbezogen,
und schließlich griff auch noch Frank-
reich, politisch geleitet von Kardinal
Richelieu, zugunsten der protestanti-
schen Seite ein – ein Zeichen, dass
nicht mehr religiöse Überzeugungen,
sondern handfeste machtpolitische
Interessen den Krieg bestimmten.
Es ist müßig, das jahrzehntelange Hin
und Her des wechselnden Kriegs-
glückes im Einzelnen zu beschreiben.
Aber Figuren wie der im kaiserlichen
Dienst kometenhaft aufgestiegene
Generalissimus Wallenstein, der spä-
ter im kaiserlichen Auftrag ermordet
wurde, und sein Widersacher, der
schwedische König Gustav Adolf,
gefallen in der Schlacht von Lützen,
müssen doch erwähnt werden.
Nachdem sich der Krieg jahrelang
hinzog, verbunden mit unvorstellba
ren Gräuel, was vor allem auch die
Zivilbevölkerung betraf, als Seuchen
und Hungersnöte die Einwohner
zahlen in manchen Landstrichen um
zwei Drittel verringert hatte, sehnte
sich ganz Deutschland nur noch nach
Frieden.
Die Verhandlungen, 1645 begonnen
schleppten sich lange hin, aber end
lich konnte am 24. Oktober 1648 de
„Westfälische Friede“ unterzeichnet
werden (Verhandlungssorte waren
Münster und Osnabrück).
Dieser Friedensvertrag hatte für weit
über hundert Jahre eine bestimmen
de Wirkung auf Deutschland. Die
deutschen Fürsten hatten ihre Liber
tät gegen die Machtansprüche des
habsburgischen Kaisers durchgesetzt
und ihre Länder waren jetzt praktisch
unabhängige Staaten. Gleichzeitig ge
wannen aber ausländische Mächte
großen Einfluss im Reich. Schweden
besetzte die Mündungsgebiete von
Weser, Elbe und Oder sowie andere
kleinere Territorien. Frankreich hat
te sich mit dem südlichen Elsass ein
Eingangstor nach Deutschland gesi
chert und die Niederland sowie die
Schweiz schieden definitiv aus dem
Verband des Heiligen Römischen
Reiches aus.
Deutschland brauchte ein halbes Jahr
hundert um sich von der Katastroph
dieses Krieges zu erholen, das Reich
selbst war aber als politscher Körper
eine Hülle fast ohne Inhalt. In diesem
Zustand schleppte es sich noch bis zu
seinem Ende im Jahr 1806 dahin.
Gerald Huber
Wie ein Fenstersturz Krieg auslöste
Ein historischer Abriss des Dreißigjährigen Krieges
Zum vierhundertsten Jahrestags des
Ausbruchs des Dreißigjährigen Krieges
führt das Theater Rosenheim unter
der Schirmherrschaft von Oberbür-
germeisterin Gabriele Bauer das histo-
rische Schauspiel „Die Schwedenplag“
auf, dem eine wahre Begebenheit aus
der Geschichte Rosenheims zugrunde
liegt. Die Premiere findet am Freitag,
29. Juni, um 20 Uhr auf der Tribüne am
Ludwigsplatz in Rosenheim statt. Bei
schlechter Witterung wird die Premie-
re auf Samstag, 30. Juni, oder Sonntag,
01. Juli, verschoben.
Weitere Aufführungen am:
Mittwoch, 04. Juli um 20 Uhr
(Ausweichtermin: 05. Juli)
Sonntag, 08. Juli um 20 Uhr
(Ausweichtermin: 09. Juli)
Donnerstag, 12. Juli um 20 Uhr
(Ausweichtermin: 13. Juli)
Sonntag, 22. Juli um 20 Uhr
(Ausweichtermin: 23. Juli)
Mittwoch, 25. Juli um 20 Uhr
(Ausweichtermin: 26. Juli)
Freitag, 27. Juli um 20 Uhr
(Ausweichtermin: 29. Juli)
Samstag, 28. Juli um 20 Uhr
(Ausweichtermin: 30. Juli)
Mittwoch, 01. August um 20 Uhr
(Ausweichtermin: 02. August)
Freitag, 03. August um 20 Uhr
(Ausweichtermin: 05. August)
Samstag, 04. August um 20 Uhr
(Ausweichtermin: 06. August)
Karten gibt es im Städtischen Museum
im Mittertor, Ludwigsplatz 26, Telefon
08031-365-8751.
Der Leiter des Denkmalschutzamtes des Hradschins vor dem wohl be-
rühmtesten Fenster der Welt.
Foto: dpa
Der Hradschin – die Prager Burg, in der alles begann.
Foto: dpa
Der Landsknecht – ein imposanter Mitstreiter imDreißigjährigen Krieg.
Foto: dpa
Historisches Stadtspiel Rosenheim nach einer
wahren Begebenheit im Dreißigjährigen Krieg
Die
Schwedenplag
THEATER ROSENHEIM
seit1855
Rosenheim im Dreißigjährigen Krieg
Historisches Stadtspiel vom Theater Rosenheim
1...,4,5,6,7,8,9,10,11,12,13 15,16
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