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17. Mai 2018 -
wirtschaft
NEWS
Altötting/Mühldorf/Feldkirchen We-
sterham – Die Bayerische Staats-
regierung und der Bayerische In-
dustrie- und Handelskammertag
(BIHK) verlängern das Projekt der
IHK-Ausbildungs-Scouts. Die von
der IHK geschulten Azubis sind
bayernweit in den Schulen vor Ort
und stellen dort den Schülern ihre
Ausbildungsberufe vor. In den Land-
kreisen Altötting und Mühldorf wa-
ren bisher 35 Scouts unterwegs und
konnten dabei rund 300 Schüler
erreichen.
Auf einer Festveranstaltung mit
Ausbildungsscouts aus dem ganzen
Freistaat übergab Wirtschaftsmini-
ster Franz Josef Pschierer (CSU) in
Feldkirchen-Westerham den Pro-
jektförderbescheid
für weitere drei Jahre
in Höhe von knapp
über 900 000 Euro an
den BIHK-Präsiden-
ten Eberhard Sasse.
Die verbleibenden 60
Prozent der Projekt-
kosten übernehmen
die bayerischen IHKs.
Ingrid Obermeier-Osl, IHK-Vizeprä-
sidentin und Vorsitzende des Regio-
nalausschusses Altötting-Mühldorf,
freute sich über die Fortsetzung des
Projekts: „Wir brauchen die Scouts
als Botschafter für die duale Ausbil-
dung. Sie sprechen mit den Schü-
lern auf Augenhöhe und vermitteln
ein ehrliches Bild über ihren Alltag
im Unternehmen und in der Berufs-
schule – eine bessere Werbung für
die Ausbildung in den Klassenzim-
mern gibt es nicht. Dieses Projekt
ist eine notwendige und erfolgrei
che Ergänzung der Berufsorientie
rung an den Schulen“, so die Un
ternehmerin aus
Schwindegg.
Im Jahr 2017 sin
im Landkreis Al
tötting 510 und im
Landkreis Mühl
dorf 425 Ausbil
d u n g s v e r t r ä g
neu abgeschlos
sen worden. Die
IHK steht für 60 Prozent aller Aus
bildungsverhältnisse.
Kontakt für an der Initiative interes
sierte Schüler, Schulen und Ausbil
dungsbetriebe ist Martina Rudolf in
der IHK-Geschäftsstelle in Rosen
heim, Telefon 08031-2308-230
Mehr Infos im Internet unter https:/
.
red
Vertreter der Scouts aus den Landkreisen Mühldorf und Traunstein bei der Feier in Feldkirchen-Westerham: Angelina Pastötter, Thomas Stefani,
Verena Lechner, Sabrina Zeitvogel, Fabian Hunklinger (von links).
Foto: Goran Gajanin/BIHK
Ausbildungs-Scouts helfen bei der Beraufswahl
Projekt von Bayerischer Staatsregierung und BIHK verlängert
Die Scouts stellen
an Schulen den
Alltag in ihren
Ausbildungsberufen
vor.
Creditreform Seminar
Wer merkt, dass ein Geschäfts-
partner Zahlungsprobleme hat,
sollte den Kontakt möglichst
schnell einstellen. Im Fall ei-
ner Insolvenz könnte es sonst
teuer werden. Zwar wurde das
Gesetz zur Insolvenzanfech-
tung 2017 reformiert, dennoch
blieben viele offene Fragen und
für Gläubiger nicht unerheb-
liche Risiken. Worauf zu ach-
ten ist und wohin der Trend in
der aktuellen Rechtsprechung
geht, wird Dr. Martin Gogger,
Richter am Verwaltungsgericht
Würzburg, in einem Creditre-
form Seminar in Rosenheim am
13.06.2018 klären.
Else Müller hat ein kleines Beratungs-
unternehmen. Kürzlich flatterte ihr
unangenehme Post ins Haus. Der In-
solvenzverwalter einer ihrer Kunden
forderte eine hohe vierstellige Sum-
me für eine Leistung, die ihre Firma
drei Jahre zuvor ordnungsgemäß
erbracht und abgerechnet hatte. Ihr
Kunde hatte damals nur nach meh-
reren Mahnungen bezahlt. Genau
das wurde ihr nun zum Verhängnis.
Denn der Insolvenzverwalter ihres
inzwischen pleitegegangenen Kun-
den sah in den Zahlungserinnerun-
gen einen Hinweis, dass Müller von
dessen finanziellen Schwierigkeiten
wusste. Müller nahm sich anwalt-
liche Hilfe, klagt und verlor. „Kein
Einzelfall“, warnt Jörg Karl, Prokurist
und Kommanditist der Creditreform
Rosenheim Karl & Kollegen KG. Um
Problemen vorzubeugen, rate er
den Unternehmern sich frühzeitig zu
informieren und sich mit der Thema-
tik auseinanderzusetzen.
Im Zweifel kann es schnell eng
werden
Eines ist klar: Der Geschäftsverkehr mit
Unternehmen, die sich in finanziellen
Schwierigkeiten befinden, birgt viele
wirtschaftliche Risiken für Lieferanten
und Dienstleister aus allen Branchen.
Denn: Nach Paragraph 133 Insolvenz-
ordnung sind Zahlungen an Gläubiger
bis zu zehn Jahre vor dem Insolvenz-
antrag rückwirkend anfechtbar, sofern
dadurch andere Gläubiger eines insol-
venten Schuldners vorsätzlich benach-
teiligt wurden. Dabei geht es häufig um
Summen, die so manchen Mittelständ-
ler schnell in Bedrängnis bringen könn-
ten. Nach Branchenerhebungen liegen
die Anfechtungssummen in 40 Prozent
der Fälle über 100.000 Euro.
Neues Gesetz, dennoch ist wei-
terhin Vorsicht geboten
2017 kam die Reform des Insolvenz-
anfechtungsgesetzes. Viele Gläubiger
wiegen sich nun in Sicherheit. „Doch
das ist gefährlich“, warnt Karl, denn die
Änderungen würden durch die kom-
plexen Bestimmungen zu viel Interpre-
tationsspielraum für Insolvenzverwalter
führen. Das zeigen inzwischen auch
zahlreiche Entscheidungen des Bundes-
gerichtshofs (BGH).
Gläubiger, die aufgrund der Gesetzes-
novelle meinen, keine Vorsorge mehr
treffen zu müssen, unterliegen einer
gefährlichen Fehleinschätzung, warnen
viele Juristen, wie Dr. Martin Gogger,
Richter am Verwaltungsgericht Würz-
burg. Er gilt in der Branche als Experte
für dieses Thema.
Was können Unternehmen tun?
Trotz oder gerade wegen des neuen
Gesetzes muss jeder Unternehmer
weiterhin umsichtig handeln, sich über
die Bonität der Kunden informieren und
verstärkt die aktuelle Rechtsprechung
beobachten, um so bereits im Vorfeld
die Weichen richtig zu stellen, wenn
er die spätere Rückzahlung an den
Insolvenzverwalter vermeiden möch-
te. Zahlt ein Kunde dann bei Fälligkeit
nicht, muss er sofort handeln. „Sind
beim Kunden erste Anzeichen einer
Krise zu erkennen, ist ein straffes For-
derungsmanagement unabdinglich und
der beste Schutz vor Insolvenzanfech-
tung“, betont auch Karl. Die schlichte
Nichtzahlung einer offenen Rechnung
über mehrere Monate führt juristisch im
Regelfall dazu, dass davon ausgegangen
wird, dass der Gläubiger die Zahlungs-
unfähigkeit des Schuldners kenne. Der
für das Insolvenzrecht zuständige IX.
Senat des Bundesgerichtshofs (BGH
hat mit demUrteil vom 18. Januar 2018
– IX ZR 144/16 seine Rechtsprechung
dazu noch weiter präzisiert.
Welche neuen Urteile gibt es?
Was muss ich beachten?
Experten, wie Jörg Karl und seine
Kollegen sind sich daher einig, dass
sich Insolvenzanfechtungen durch das
neue Gesetz nicht wirksam verhin
dern lassen. Zwar sind die finanziellen
Risiken im besten Fall geringer und be
rechenbarer geworden, doch auf der
sicheren Seite ist der Gläubiger nicht
zwingend. Es ist daher wichtig, sich
frühzeitig mit dem Thema zu beschäf
tigen, die neueste Rechtsprechung
und Möglichkeiten der Prävention und
Risikominimierung zu kennen. Dahe
bietet die Creditreform Rosenheim
wieder ein gewohnt kompaktes Se
minar zu diesem Thema an.
bb
Insolvenzanfechtung: Neues BGH-Urteil zwingt Gläubiger zum schnellen Handeln
Insolvenzanfechtung: Risiken für Lieferanten und Dienstleister
13.06.2018 – 9.30 - 17 Uhr
Reform 2017: Dennoch bleibt Insolvenzanfechtung ein Risiko
Es war ein umstrittener Entwurf, bei dem es im Vorfeld viele Diskussionen gab. Doch auch wenn nach
mehr als zwei Jahren Vorbereitungszeit Bundestag und Bundesrat Anfang 2017 die Reform der Insol-
venzanfechtung beschlossen haben und das Gesetz mit Wirkung zum 05.04.2017 in Kraft trat, bleibt
trotz zahlreicher Änderungen das Anfechtungsrisiko für Gläubiger hoch. Dabei sollte die lange erwar-
tete Reform der Insolvenzanfechtung Gläubigern mehr Rechtssicherheit geben und die ausufernden
Rückzahlungsforderungen der Insolvenzverwalter stoppen.
Jörg Karl und sein Team wollen das Bewusstsein für die Risken der Insolvenzanfechtung schärfen.
Neues Insolvenzan-
fechtungsrecht: Trüge-
rische Sicherheit
Nur straffes Forde-
rungsmanagement hilft
Vor Eingehen einer
Geschäftsbeziehung:
Bonität des Kunden
prüfen!
Der Geschäftsverkehr mit Unternehmen in wirtschaftlichen Schwierigkeiten birgt viele wirtschaftliche
Risiken für Lieferanten und Dienstleister aus allen Branchen. Insolvenzverwalter können unter be-
stimmten Umständen Zahlungen an Lieferanten und Dienstleister aus Geschäften zurückfordern, die
bis zu zehn Jahre vor dem Insolvenzantrag getätigt wurden. Im Extremfall kann das für betroffene Un-
ternehmen existenzbedrohend sein.
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