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ünchen – Claus Hipp ist
ernsthaft, wenn er malt.
Seine exakte Beobach-
tungsgabe, die genaue Kenntnis der
unterschiedlichen Maltechniken und
seine langjährige Erfahrung geben ihm
Sicherheit und auch die Freiheit, mit
den malerischen Mitteln scheinbar
spielerisch umzugehen. Seine meist
großflächigen, abstrakten Ölbilder
hängen bei der DIHK in Berlin, im
Kunstmuseum Sofia, in der Deutschen
Botschaft in Kiew, im Münchner Dom
und im Senatssaal der Technischen
Uni München. Ausgestellt hat Niko-
laus Hipp – so lautet sein Tauf- und
auch sein Künstlername – schon auf
der ganzen Welt.
Während andereKünstler sich umeine
einheitliche Tonskala bemühen, sind
Hipps Gemälde farbstark und leuch-
ten von innen heraus. Diese Wirkung
resultiert aus dem feinen Zusammen-
spiel von Farbe, Form und Bewegung.
Erst auf den zweiten Blick erkennt der
Betrachter Hipps sensiblen Umgang
mit der Farbe. So mischt er beispiels-
weise grau nicht – wie meist üblich
– aus schwarz und weiß, sondern
nimmt zum Weißton grün und violett
hinzu und erreicht so besonders zar-
te Nuancen. Grautöne verwendet er
ganz bewusst immer wieder, um die
anderen Farben leuchtender erschei-
nen zu lassen. Buntheit allerdings sei
ein unkultivierter Umgang mit Farbe,
erklärt der akademisch ausgebildete
Kunstmaler seinen Studenten. Seit
2001 unterrichtet Hipp Malerei an
der Kunstakademie in Tiflis.
Mit Georgien ist Hipp eng verbunden.
Er ist Honorarkonsul der ehemaligen
Sowjet-Republik an der Schnittstelle
zwischen Asien und Europa. Einst war
es eines der reichsten Gebiete der
Sowjetunion. Heute ist Georgien arm,
dabei gedeihen Wein, Tee und Oran-
gen wunderbar. Inzwischen herrsche
wieder Aufbruchstimmung im Land,
so Hipp. Die jungen Menschen seien
zunehmend gut ausgebildet und hoch
motiviert. Traditionsbewusstsein und
der tiefverwurzelte Glaube bleiben
dabei aber Teil ihres Alltags. Das gefällt
Claus Hipp, ist er doch selbst prakti-
zierender Katholik.
Das Unternehmen HiPP leitet inzwi-
schen Sohn Stefan, das älteste seiner
fünf Kinder. Auch er steht in Deutsch-
land vor allem für gesunde Babynah-
rung. HiPP ist mittlerweile eine der
bekanntesten Marken des Landes –
und eine der nachhaltigsten. Das soll
auch so bleiben. Für Vater und Sohn
ist das gemeinsame Werteverständnis
und der stets offene Austausch vor
allem zu strategischen Themen des
Unternehmens wesentlicher Kern ei-
nes engen Miteinanders.
Was sonst noch für den Unterneh-
mer und Maler wichtig ist, beantwor-
tet Claus Hipp im Interview mit der
pressewoche
.
Eine Frage vorab zu Ihrer Malerei. Sie
liefern keine Deutungen bei Ihren Ge-
mälden. Warum?
Professor Dr. Claus Hipp: So lasse
ich dem Betrachter das Maximum an
Freiheiten, seinen eigenen Gedanken
nachzugehen, enge ihn nicht ein, bie-
te ihm freie Assoziationen. Er soll mit
seinen Augen in meinen Bildern einen
Spaziergang machen.
Ein schöner Gedanke. Lehren Sie das
auch Ihre Studenten in Tiflis? Wie kam
es eigentlich zu der engen Bindung
nach Georgien?
Hipp: Ja, das lehre ich auch meinen
Studenten. Eigentlich kam der Kontakt
über die Musik zustande. Ich spiele im
Münchner Behördenorchester die
zweite Oboe und der erste Oboist ist
ein Georgier. Er fragte mich irgend-
wann einmal um eine Spende für ein
Kinderheim, die ich ihm dann gege-
ben habe. Daraufhin organisierten sie
dort eine Ausstellung meiner Bilder.
Der Präsident der Kunstakademie sah
sie und sprach mich an, ob ich nicht
an seiner Hochschule unterrichten
wolle. So hat alles angefangen.
Gehen wir nun zu Ihrer Studentenzeit
zurück. Sie studierten in München
gleich drei Fächer: Jura, Musik (Oboe)
und Malerei und waren sogar Meister-
schüler bei Heinrich Kropp. Fiel da die
Entscheidung, ins Familienunterneh-
men einzusteigen, nicht schwer, wenn
man noch so viele andere Talente hat?
Hipp: Nein. Mein Vater riet mir früh
zur Sicherheit. Das habe ich akzep-
tiert. Ich habe nie mit dieser Entschei-
dung gehadert. Und ich habe die an-
deren Bereiche ja nicht aufgegeben.
1967 starb Ihr Vater, Georg Hipp, sehr
überraschend. Sie mussten mit erst 29
Jahren in seine Fußstapfen treten. Hat-
ten Sie keine Angst?
Hipp: Nein, nicht wirklich. Mein Vater
hat mir ja schon früh Verantwortung
übertragen. Er war so klug, mich früh-
zeitig auch Disziplin zu lehren. Gleich-
zeitig hatte er mich aber auch für das
Unternehmen begeistert. Mit meinen
Kindern habe ich es genauso gemacht
und das ist auch gut gelungen.
Welchen Rat gaben Ihnen Ihre Eltern
mit auf den Weg?
Hipp: Der Rat meines Vaters lautete:
„Handle immer anständig und ehrbar.
Und stehe früher auf als die anderen.“
Das habe ich immer beherzigt. Meine
Mutter war sehr naturbezogen und
fromm, sie vermittelte mir eine ge-
sunde Beziehung zur Schöpfung und
zum Schöpfer. Sie lehrte mich, nicht
unbedacht mit den Menschen oder
der Natur umzugehen. Auch das
habe ich verinnerlicht.
Welche Empfehlung haben Sie für junge
Unternehmer?
Hipp: Wer sich selbstständig macht,
geht immer ein Risiko ein. Er hat aber
als Unternehmer auch mehr Freihei-
ten. Wichtig dabei ist vor allem, dass
der Chef seinen Mitarbeitern ein Vor-
bild ist. Er muss also mehr arbeiten als
seine Angestellten.
Was macht für Sie gute Führung aus?
Hipp: Gute Führung bedeutet, sich
in andere Menschen hineinverset
zen können und sie so behandeln,
wie man selbst behandelt werden
möchte. Manchmal muss man al
Unternehmer aber auch schwieri
ge Entscheidungen treffen, wie bei
spielsweise Kündigungen, wenn die
Wettbewerbsfähigkeit des Unter
nehmens auf dem Spiel steht. Wenn
es sein muss, muss man handeln.
Wichtig ist daher von Anfang an, auf
ein gesundes Wachstum im Unter
nehmen zu achten.
Wo haben Sie Fehler gemacht?
Hipp: Rückblickend habe ich viele
Fehler in meinem Unternehmerle-
ben gemacht. Doch als ich sie traf,
tat ich das aus meinem damaligen
Wissen heraus. Später hätte ich eini-
ge Entscheidungen anders gefällt.
An welchen Fehlern scheitern Unter
nehmen heute häufig?
Hipp: Viele investieren in branchen-
fremde Bereiche und Betriebe. Das
Risiko, das man dabei eingeht, darf
man nicht unterschätzen. Es ist im-
mer besser, in seinem Kernkompe-
tenzbereich zu bleiben.
Worauf sind Sie stolz?
Hipp: Auf meine Kinder.
Gibt es einen roten Faden in Ihrem
Leben?
Hipp (schmunzelt): Den mag es
schon geben, aber ich habe ihn noc
nicht gefunden. Es wäre auch lang-
weilig, wenn ich alles schon wissen
würde.
Sind Sie ein glücklicher Mensch?
Hipp: Ich bin schon zufrieden. Es
hängt ja immer auch davon ab, wie
Sie Glück definieren. Entscheidend
ist, im richtigen Zeitpunkt das Rich-
tige zu tun.
Text und Interview: Beatrix Boutonne
S. 2
3. Mai 2018 -
Nach
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pressewoche
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Ein Feingeist mit viel Farbgefühl
Claus Hipp bei der Arbeit an der Leinwand.
Foto: Alexandra Gerrard
Die Schöpfung bewahren: Wie der Vater, so der Sohn – Claus und Nachfolger Stefan Hipp.
Foto: HIPP
Fakten zu Hipp
• Erste Säuglingsnahrung aus
dem Hause HiPP: 1899
• Firmengründung: 1932
durch Georg Hipp
• Philosophie: Herstellung
von Produkten in Spitzen-
qualität und im Einklang mit
der Natur
• Produktionsstandorte
weltweit:
Deutschland, Österreich,
Schweiz, Kroatien, Ungarn,
Russland und Ukraine
• Umsatz: Rund 1 Milliarde
Euro pro Jahr, knapp 50
Prozent davon im Ausland
Ausstellungen
2018
• Stadtgalerie, Altötting
13. April bis 3. Juni 2018
• Pelikan-Museum, Hannover
6. Sept. bis 14. Okt. 2018
• Maria Stein, Schweiz
10. Nov. bis 31. Jan. 2019
Weitere Infos:
Maler, Professor und Unternehmer: Prof. Dr. Claus Hipp im Gespräch mit der Wirtschaftsjournali-
stin Beatrix Boutonnet.
Professor Dr. Claus Hipp ist ein Mann mit vielen Talenten und gleich mehreren Karrieren. Er ist Jurist, Senior-Chef des gleichnamigen internationalen Lebensmittelkonzerns, Honorarkonsu
von Georgien, Maler und Kunst-Professor. Vom oberbayerischen Pfaffenhofen über Tiflis bis nach Asien hat er nicht nur mit Babynahrung seinen Namen zu einer Marke gemacht, sonder
auch als Künstler seine Spuren hinterlassen. Die Wirtschaftsjournalistin Beatrix Boutonnet sprach im georgischen Honorarkonsulat in München mit Dr. Claus Hipp über sein Leben als Maler
die Familie und die Frage, was einen guten Unternehmer ausmacht.
Hipps Gemälde
leuchten von innen
heraus.
„Der Chef ist seinen
Mitarbeitern ein
Vorbild. Er muss also
mehr arbeiten als
seine Angestellten.“
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