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S. 6
5. April 2018
-
wirtschaft
NEWS
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„Lesegut für alle Sinne“
Brüssel – Die EU-Wettbewerbs-
hüter haben unter strengen
Auflagen grünes Licht für die
milliardenschwere Übernahme
des
US-Saatgutproduzenten
Monsanto durch den Bayer-
Konzern gegeben.
Der Agrarchemiekonzern Bay-
er habe weitreichende Zusagen
gemacht und müsse noch Teile
seines Geschäfts abgeben, sagte
die zuständige EU-Kommissarin
Margrethe Vestager in Brüssel.
Die Bedenken der Wettbe-
werbshüter seien damit aus-
geräumt. Bayer kommt damit
der Branchenführerschaft einen
entscheidenden Schritt näher.
Der Leverkusener Konzern will den
US-Konkurrenten für etwa 62,5 Mil-
liarden US-Dollar (etwa 51 Milliarden
Euro) übernehmen. Bayer würde da-
mit zum größten Saatgut- und Pflan-
zenschutzkonzern der Welt aufstei-
gen. Staaten wie China, Südafrika und
Brasilien haben bereits zugestimmt,
das Okay der US-Behörden steht
aber noch aus.
Der Schwerpunkt von Bayers bishe-
rigem Agrargeschäft liegt auf Pflan-
zenschutzmitteln, Saatgut macht nur
einen kleinen Teil aus. Bei Monsanto
ist es anders herum: Im Saatgut-Ge-
schäft sind die US-Amerikaner stark
und im Pflanzenschutz eher schwach.
Es war früh klar, dass Bayer Abstriche
machen und Geschäftsteile verkaufen
muss.
Nun müssen die Leverkusener mehr
abgeben als ursprünglich geplant. Die
EU-Wettbewerbshüter verpflichten
Bayer dazu, Geschäfte mit einem
Jahresumsatz von etwa 1,7 Milliarden
Euro abzugeben.
Das spült dem Konzern mehrere Mil-
liarden Euro in die Kassen: Vertraglich
ist bereits vereinbart, dass BASF 5,9
Milliarden Euro für bestimmte Pflan-
zenschutzmittel und verschiedene
Saatgut-Arten zahlt, zum Beispiel für
Raps und Soja. Zudem soll das Ge-
müsesaatgut-Geschäft komplett an
die Ludwigshafener verkauft werden,
hier ist der Kaufpreis noch unklar. Au-
ßerdem will Bayer BASF eine Lizenz
für die Nutzung von digitalen Anwen-
dungen einräumen.
Überschneidungen zwischen Bayer
und Monsanto in den Bereichen Saat-
gut und Pflanzenschutzmittel müssten
beseitigt werden, hieß es aus Brüssel.
So muss das Leverkusener Unterneh-
men unter anderem seine weltweite
Entwicklung von Saatgut und seine
Forschungssparte zur Entwicklung
eines Konkurrenzprodukts für den
Monsanto-Unkrautvernichter
Gly-
phosat abgeben.
Bayer macht gut ein Viertel seines
Umsatzes in seiner Agrarsparte, in der
gut 20000 Mitarbeiter tätig sind. 2017
kam der Konzern hier auf Erlöse von
9,6 Milliarden Euro. Der US-Konzern
Monsanto aus Saint Louis brachte es
mit seinen ebenfalls rund 20000 Mit-
arbeitern zuletzt auf einen Jahresum-
satz von 14,6 Milliarden Dollar (11,8
Milliarden Euro).
Dem Verkauf an BASF müsste die
EU-Kommission noch zustimmen,
die Frist dafür laufe bis zum 16. April,
sagte Vestager. Erst dann könne es das
endgültige Okay für den Bayer-Mon-
santo-Deal geben.
Gegen die Übernahme habe es er-
hebliche Bedenken gegeben, sagte
Vestager weiter. „Viele Bürger haben
uns mit Sorgen angesprochen, die
über das Wettbewerbsrecht hinaus
gehen“, sagte sie. Die EU-Kommissi-
on habe eine Million Schreiben, Mails
und Twitter-Mitteilungen erhalten.
Dabei sei es etwa um genmanipu-
lierte Lebensmittel und Risiken für die
Gesundheit und die Umwelt gegan
gen. „Wir haben strikte regulatorische
Standards in Europa“, sagte Vestager
Diese würden auch nach der Bayer-
Monsanto-Fusion Bestand haben.
Bayer zeigte sich erleichtert über das
grüne Licht aus Brüssel. Dies sei „ei
großer Erfolg und ein bedeutender
Meilenstein“, sagte der Vorstands
vorsitzende Werner Baumann. Ge
meinsam mit Monsanto wolle man
Landwirten helfen, „mehr und bes
sere Nahrungsmittel nachhaltiger z
produzieren“. Davon profitierten die
Umwelt und die Verbraucher, so Bau
mann.
Umweltschützer und Grünen-Politi
ker sind ganz anderer Auffassung – sie
warnen vor zu großer Marktmacht
des Konzerns, die schlecht wäre für
die Umwelt. Dementsprechend ent
täuscht reagierten sie. „Die Fusion lässt
die Landwirte im Regen stehen, die
sich gegen die Marktmacht der Mo
nopole wehren“, sagte der Grünen
Europaabgeordnete Martin Häusling.
„Die Europäische Kommission gibt
Baysanto die Kontrolle über unsere
Lebensmittel, unsere Landwirtschaf
und unsere Biodiversität.“ Vom Na
turschutzbund Nabu hieß es, dies sei
„das falsche Signal aus Brüssel für die
dringend notwendige weltweite Um
setzung von Nachhaltigkeitszielen“.
In der Saatgut- und Pflanzenschutz-
Branche läuft ein Konzentrationspro
zess. So schluckte das chinesische
Staatsunternehmen Chemchina vor
einiger Zeit den Schweizer Kon
zern Syngenta, den bisher größte
Pflanzenschutz-Hersteller. Auch die
US-Konzerne Dow Chemical und
Dupont schlossen sich zusammen.
Das verschärft den Wettbewerb – als
künftige Nummer eins in der Saatgut-
und Pflanzenschutz-Branche erhofft
sich Bayer eine bessere Position im
Konkurrenzkampf.
dpa
Milliardenschwere Übernahme
Brüssel erlaubt Bayer Mega-Übernahme von Monsanto unter strengen Auflagen
Nach den Vorgaben aus Brüssel muss Bayer nun einen Teil seines Geschäfts verkaufen.
Foto: Oliver Berg
„Überschneidungen
zwischen Bayer und
Monsanto in den
Bereichen Saatgut und
Pflanzenschutzmittel
müssten beseitigt
werden.“
Umweltschützer und
Grünen-Politiker waren
vor zu großer Markt-
macht des Konzerns
Berlin – Im Skandal um den Miss-
brauch der Daten von rund 50 Mil-
lionen Facebook-Nutzern hat das
Unternehmen Besserung gelobt und
will alle Betroffenen informieren.
Bundesjustizministerin Katarina Barley
(SPD) hatte sich kürzlich mit europä-
ischen Facebook-Vertretern in Berlin
getroffen.
Der europäische Cheflobbyist des
Konzerns, Richard Allan, gab sich nach
dem Treffen mit der Ministerin aber
betont demütig. „Wir unternehmen
die notwendigen Schritte, um sicher-
zustellen, dass so etwas nicht noch
einmal passieren kann.“
Der Konzern ist seit Bekanntwerden
des Skandals mächtig ins Schlingern
geraten. Vor kurzem war bekannt
geworden, dass die Datenanalyse-
Firma Cambridge Analytica illegal an
Informationen von Millionen Face-
book-Usern gekommen war – ohne
das Wissen der Nutzer. Sie hatte die
Daten von einem britischen Professor
bekommen, der eine App mit einer
Psychologie-Umfrage auf die Face-
book-Plattform brachte. Nach der
damaligen Funktionsweise von Face-
book hatte die App des Professors
auch Zugang zu einigen Informatio-
nen der Freunde der rund 300 000
Umfrage-Teilnehmer
bekommen,
etwa deren Likes und Interessen. So
sammelten sich Daten von rund 50
Millionen Facebook-Nutzern an.
Cambridge Analytica, deren Londo-
ner Zentrale bereits von Behörden
untersucht worden war, ist darauf
spezialisiert, potenzielle Wähler mit
passgenauen Botschaften zu versor-
gen. Möglicherweise hat sie dadurch
Donald Trump zum Sieg bei der US-
Präsidentenwahl 2016 verholfen.
Allan erklärte, von den 300000 Men-
schen, die sich die App herunterge-
laden hätten, seien schätzungsweise
ein Prozent Europäer. Facebook hatte
sich mit seiner Kommunikation in dem
Datenskandal viel Kritik eingehandelt.
Konzernchef Mark Zuckerberg hatte
ganze fünf Tage für ein erstes demüti-
ges Statement gebraucht.
Inzwischen rief die #deletefacebook-
Kampagne Nutzer auf, ihr Konto
zu löschen. Tesla-Chef Elon Musk
ließ sämtliche Unternehmensseiten
entfernen. Mehrere Unternehmen
hatten angekündigt, vorerst keine
Werbung mehr bei Facebook zu plat-
zieren. Auch an der Börse geriet Fa-
cebook unter Druck: Die Facebook-
Aktie sank um 14 Prozent.
Facebook zieht indes Konsequenzen
aus demDatenskankal. DasUnterneh-
men verschiebt die Vorstellung seines
eigenen smarten Lautsprechers. Das
Online-Netzwerk habe die Geräte,
mit denen auch Videokonferenzen
möglich seien, ursprünglich auf einer
Entwicklerkonferenz Anfang Mai zei-
gen wollen, schrieb der Finanzdienst
Bloomberg. Facebook stelle jetzt den
Datenschutz bei den Lautsprechern
noch einmal auf den Prüfstand.
Außerdem macht es Facebook zwei
Monate vor dem Start der EU-Da-
tenschutzverordnung für Nutzer ein-
facher, ihre Daten einzusehen und zu
löschen. Das gehört zu den Anfor-
derungen der europäischen Grund
verordnung, die am 25. Mai in Kraft
tritt. Die Neuerungen greifen aber
weltweit.
dpa
Demut von der Datenkrake
Daten von 50 Millionen Nutzern abhanden gekommen: Facebook gelobt Besserung ...
Ein Werbeplakat von Facebook an einer Straße in Köln.
Foto: Rolf Vennenbernd
Konzern ist durch den
Skandal mächtig ins
Schlingern gekommen
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