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5. April 2018 -
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„Gott hat für jede Krankheit
eine Pflanze wachsen lassen“,
lehrte einst Paracelsus, ein Arzt
und Denker des 16. Jahrhun-
derts. Zu seiner Zeit zeigten die
Menschen ein ausgeprägtes In-
teresse an Kräutern, Früchten
und Wurzeln zur Behandlung
von Krankheiten und Linderung
von Beschwerden und Leiden.
Da es das Arzneimittelhandels-
wesen noch nicht gab, war es
notwendig, auf die „Apotheke
Gottes“ zurückzugreifen.
Heute erfreut sich das Sammeln und
Trocknen von wild wachsenden Kräu-
tern zunehmender Beliebtheit. Viele
altbewährte Heilkräuter werden wie-
der im hauseigenen Garten oder im
Blumenkasten angepflanzt.
Bestimmten Pflanzen, denen man oft
beim Spazierengehen begegnet, sieht
man die innewohnenden Heilkräfte
nicht an. Lediglich ihre Namen erin-
nern daran, zu welchem Zweck sie
bereits in der Vergangenheit sehr ge-
schätzt wurden.
Als einer der ersten Frühjahrsboten
leuchten dem aufmerksamen Auto-
fahrer derzeit die grellgelben Blüten
des Huflattichs (siehe Abbildung) vom
Straßenrand entgegen. Der bota-
nische Name Tussilago farfara deu-
tet auf seine heute noch geschätzte
Verwendung als Hustentee hin. Der
Namensbestandteil tussis bezeichnet
dabei nicht etwa bornierte und allzu
eitle Exemplare aus der Damenwelt.
Vielmehr handelt es sich hier um das
lateinische Wort für Husten.
Imposant, aber nicht unbedingt
schön anzuschauen ist die Pestwurz.
Ihr Ruf als erfolgreiches Heilmittel
gegen die Pest wird gemeinhin der
Sagenwelt zugeordnet. Einen kul-
turhistorischen Beleg für ihre spe-
zielle Verwendung aber liefert eine
Inschrift in der in Westenhofen,
einem Ortsteil von Schliersee, ge-
legenen Pestkapelle. Diese lautet:
„An dieser Stelle wurden heilsame
Wurzeln gegen den Schwarzen Tod
(1634) gefunden“.
Wie einem auf mancher Kräuterwan-
derung beigebracht wird, schenken
viele auch heute noch der „Signatu-
ren-Lehre“ Glauben. Man ist davon
überzeugt, dass manche Pflanzen
allein durch ihre äußeren Merkmale
Aufschluss darüber geben, für welche
Heilzwecke sie eingesetzt werden
können.
So vermutet man in der Wiesenpflan-
ze Frauenmantel eine Heilwirkung
bei Menstruationsbeschwerden nur
da ihre Blätter Ähnlichkeit mit einem
ausgebreiteten Damenmantel oder
einem mit Rüschen gesäumten Rock
haben.
Das schön anzuschauende und zu
dieser Jahreszeit bereits an manchen
Waldrändern blühende Lungenkraut
(siehe Abbildung) verfügt über ver-
schiedenfarbige Blüten, oft an ein
und derselben Pflanze. Da die ei-
nen farblich der roten Lungenarterie
gleichen, die anderen aber der eher
bläulichen Lungenvene, wird ange-
nommen, dass die Pflanze bei Lun-
genleiden eine heilsame Wirkkraft
innehat.
Interessanterweise liegt man in die-
sen beiden Fällen von jeher ganz rich-
tig. Frauenmantel wie auch Lungen-
kraut leisten als Heilpflanzen genau zu
den ihnen zugeschriebenen Zwecken
wertvolle Dienste. Auch heute noch
sind sie, neben einer Vielzahl anderer
nützlicher Gewächse, in manch bäu-
erlichen Kräutergärten vertreten.
Im Verlauf der Industrialisierung im 19.
Jahrhundert fiel das alte Kräuterwissen
allmählich dem Vergessen anheim. Mit
der zunehmenden Spezialisierung in
der Arbeitswelt wurde die Frage nach
dem richtigen Heilmittel nach und nach
den Arzneiwissenschaftlern überlassen.
Doch auch zu dieser Zeit wurde noch
viel mit Heilpflanzen gearbeitet.
Bei vielen allbekannten Wirkstoffen
lässt sich nicht sofort erahnen, dass sie
anfänglich aus Pflanzen gewonnen wur-
den. So zum Beispiel aus dem Mäde-
süß, einer häufig an feuchten und selten
gemähten Stellen abseits des Wegrands
anzutreffenden Pflanze. Der ihr enthal-
tene Wirkstoff konnte 1897 erstmals
synthetisch hergestellt werden und
wurde von da an Aspirin genannt. Die-
ser Produktname bezieht sich auf den
alten botanischen Namen des Mädesüß
Spiraea ulmaria. Ebenso verhält es sich
mit der Salicylsäure. Das demWirkstoff-
namen enthaltene lateinische Wort salix
bedeutet Weide und erinnert daran,
dass Salicylsäure vor ihrer synthetischen
Herstellung 1874 aus verschiedenen
Weidenarten gewonnen wurde.
Bei der erwähnten Synthese geht es
darum, die altbewährten pflanzlichen
Wirkstoffe im Labor aus preisgünstige-
ren Stoffen „aus dem Chemiekasten“
nachzubauen. Das bringt vor allem
wirtschaftliche Vorteile mit sich. Würde
man zum Beispiel den Aspirin-Wirk-
stoff Acetylsalicylsäure nach wie vor aus
dem Mädesüß gewinnen, triebe das die
Herstellungskosten in die Höhe. Da
der Wirkstoff von Natur aus aber nur
in geringer Menge in diesem Gewächs
enthalten ist, müsste man zur Herstel-
lung von Aspirin eine enorme Menge
Mädesüß verarbeiten. Eine aus dem Ex-
trakt dieser Pflanze hergestellte Tablette
würde das Vielfache einer synthetisch
hergestellten kosten. Aspirin wäre in
diesem Fall ein Luxus-Produkt, das sich
nur wenige leisten könnten.
Auch wenn es sich bei der Substanz
Penicillin um ein Schimmelpilztoxin han-
delt, haben Antibiotika generell nicht
viel mit Pflanzenheilkunde zu tun. Mit
der Entdeckung dieser bakterientöten-
den Stoffe wurden ganz neue Heran-
gehensweisen und Heilungsmöglichkei-
ten eröffnet und viele Leben gerettet.
Die moderne Pharmakologie hat der
Menschheit damit einen unverzichtba-
ren Dienst geleistet.
Die Geschichte der Antibiotika ist auch
mit gravierenden Nachteilen behaftet.
Durch die allzu leichtfertige Handha-
bung haben viele Krankheitserreger
eine Widerstandsfähigkeit gegen die-
se Medikamentengruppe erworben.
Wie gerade in letzter Zeit vermehrt
festgestellt wurde, sind Antibiotika
über Klärwasser in viele Flüsse und
Badeseen gelangt. Im Wasser leben-
de Krankheitserreger sind dadurch
resistent gegen antibiotische Sub-
stanzen geworden und sorgen nun
für eine gefährliche Verseuchung der
Gewässer. Dieses Beispiel zeigt, dass
die Arzneiwissenschaft eine Mitschuld
an schwerwiegenden Störungen der
Umwelt trägt.
Wenn sich auch die moderne Phar
makologie nach wie vor mit pflanzli
chen Inhaltsstoffen auseinandersetzt,
wird damit noch lange nicht das ge
samte Spektrum menschlicher Er
krankung abgedeckt. Impfstoffe und
Hormonmedizin haben zum Beispiel
nur ganz wenige Berührungspunkte
mit der Pflanzenheilkunde.
Wenn man sich angesichts der Gegen
überstellung uraltes Kräuterwissen ver
sus moderne Arzneiwissenschaft fragt,
welche Seite die bessere ist: Wie in
vielen Lebensbereichen empfiehlt sich
auch hier ein vernünftiger Mittelweg.
Industriell hergestellte Medikamen
te zieht man in der Regel im akuten
Bedarfsfall heran. Dann ist man froh,
ein schnell wirkendes Schutzmittel zur
Hand zu haben.
Heilkräuter hingegen können schon i
Vorfeld wertvolle Dienste leisten. So
zum Beispiel wirkt eine gelegentliche
Trinkkur mit Brennnesseltee entgiftend
und fördert die Gesundheit. Darüber
hinaus sollte man auch auf eine gesun
de Ernährung und auf eine ausgewoge
ne Lebensweise achten. Aber auch de
Humor und eine gelassene Wesensart
tun das ihre „als Heiler“, wie man es
schon seit etwa 3000 Jahren in den
Sprüchen Salomos in der Bibel lesen
kann.
pw
Naturapotheke oder Industrie?
Kamille, Johanniskraut, Salbei & Co, aber auch industriell hergestellte Medikamente werden für Heilzwecke eingesetzt.
Fotos: fotolia
Die Heilkraft einer
Pflanze kann man an
ihren äußeren Merk-
malen erkennen
Die Pharmakologie
trägt Mitschuld an der
Schädigung der
Umwelt
Das Lungenkraut, im Volksmund auch „Brüderchen und Schwesterchen“ oder
„Mama-Papa-Blume“ genannt.
Huflattich – in Deutschland zur Heilpflanze des Jahres 1994 gewählt.
Die Arzneiwissen-
schaft baut pflanzliche
Wirkstoffe aus preis-
werteren Stoffen nach
Früher heilte man alle Wehwehchen mit Mitteln aus der Natur – heute fertigt die Pharmain-
ustrie Arzneimittel chemisch. Doch die Kräuterheilkunde ist wieder auf dem Vormarsch ...
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