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8. Februar 2018 -
wirtschaft
NEWS
München – Die Vereinigung der Bayeri-
schen Wirtschaft (vbw) lehnt Fahrver-
bote in München kategorisch ab. Anläs-
slich der Vollstreckung eines erneuten
Zwangsgelds gegen den Freistaat Bay-
ern bekräftigt die vbw ihr Nein zu Die-
sel-Fahrverboten. „Völlig zu Recht sieht
die Bayerische Staatsregierung Fahr-
verbote für Dieselautos nicht als Mittel
zur Luftreinhaltung vor. Innerstädtische
Fahrverbote könnten allein im Groß-
raum München bis zu 300.000 Die-
sel-Lenker treffen – Privatpersonen wie
Gewerbetreibende. Pauschale Verbote
hätten fatale Folgen“, warnt vbw Haupt-
geschäftsführer Bertram Brossardt.
Handwerk und Gewerbe seien auf
umfassende
Transportmöglichkeiten
existenziell angewiesen, argumentiert
die vbw. Durch Fahrverbote für zuge-
lassene Fahrzeuge würde der Handel
doppelt belastet: Der Liefer- und Kun-
denverkehr wären betroffen. „Eine Ent-
eignung durch Nutzungsverbote darf es
nicht geben. Und die Käufer von Die-
selfahrzeugen müssen sich auf Bestand-
schutz verlassen können, da ihre Fahr-
zeuge zum Zeitpunkt der Beschaffung
den geltenden Normen entsprachen“,
so Brossardt.
Durch die digitale Transformation, sich
wandelnde Mobilitätsbedürfnisse und
die Weiterentwicklung alternativer
Antriebe, ändern sich die Rahmenbe-
dingungen für die Automobilindustrie
grundlegend.
Für eine zukunftsorientierte Gestaltung
des Automobilsektors hat der Zukunfts-
rat der Bayerischen Wirtschaft Hand-
lungsempfehlungen vorgelegt: „Die
deutschen Hersteller
sollten ihre Stärken
stärken – und damit
klassische Antriebs-
technologien“, so Alf-
red Gaffal, Vorsitzen-
der des Zukunftsrats
der Bayerischen Wirt-
schaft und Präsident der vbw. Mittelfristig
werde ein Technologiemix mit einem
starken Anteil des Verbrennungsmotors
von zentraler Bedeutung bleiben. Des-
sen Effizienzpotenzial könne durch den
Einsatz synthetischer Kraftstoffe noch
besser ausgeschöpft werden.
Eine parallele Ent-
wicklung und Etablie-
rung alternativer An-
triebe– insbesondere
der E-Mobilität, aber
auch beispielsweise
der Brennstoffzelle
– und innovativer
Mobilitätskonzepte hätten doppelten
Wert: Durch die Diversifikation verrin-
gere sich das „Klumpenrisiko“, während
gleichzeitig das Potenzial eines weltwei-
ten Exports neuer Technologien steige.
Nach Ansicht des Zukunftsrats sind
Wirtschaft und Politik gleichermaßen
aufgefordert, das Auto neu zu denken.
Gaffal dazu: „Hersteller und Zulieferer
sollten den Mut zu eigener Entwick
lungsleistung auch auf bestehenden
Märkten haben. Aufgabe des Staates ist
es, den passenden technologischen un
rechtlichen Rahmen für Innovatione
zu bieten. Für das autonome Fahren
braucht es die entsprechende digitale
Infrastruktur und Gesetzgebung.“
Kerngedanke einer zukunftsorientier
ten Förderung des Automobilstandorts
Bayern ist die Technologieoffenheit.
„Das heißt: Regulative Belastungen
einzelner Technologien, etwa durch
Fahrverbote für Dieselfahrzeuge i
Innenstädten, sind unbedingt zu ver
meiden“, betont Gaffal. Bayern müsse
Leitregion für das Automobil bleiben
Um die Automobilindustrie zukunftssi
cher zu machen und Arbeitsplätze z
erhalten, brauche es eine gemeinsam
Strategie von Wirtschaft, Wissenschaft
und Politik.
Die vbw begrüßt, dass bei den Berliner
Diesel-Gipfeln auf anderen Maßnah
men als auf Fahrverbote gebaut wurde.
Beim jüngsten Spitzentreffen wurde
beschlossen, die Auszahlung der För
dergelder für kommunale Maßnahme
zur Luftreinhaltung zu beschleunigen
Aus dem Fonds für nachhaltige Mobili
tät wird die Erstellung des Masterplans
der Stadt München umfänglich geför
dert.
red
Fahrverbot in München keine Lösung
Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft: „Bis zu 300.000 Diesel-Nutzer wären betroffen.“
Dieselabgase gehören zu den Luftverschmutzern in deutschen Städ-
ten.
Foto: Hendrik Schmidt
„Handel würde
doppelt belastet“
Berlin – Bus- und Bahnfahren
dürfte nach Angaben der Be-
treiber auch in diesem Jahr in
vielen Gemeinden teurer wer-
den. Die Ticketpreise für den
öffentlichen Nahverkehr könn-
ten im Durchschnitt um 1,5
bis 2,0 Prozent steigen, sagte
Jürgen Fenske, Präsident des
Verbands Deutscher Verkehrs-
unternehmen.
Ein Grund seien die anstehenden Ta-
rifverhandlungen für den öffentlichen
Dienst. Personal- und auch Energie-
kosten spielten bei ihnen eine große
Rolle. „Wir werden entsprechend
eben auch die Fahrpreise anpassen
müssen, um die Kosten auszuglei-
chen.“ 2017 waren die Preise um
durchschnittlich knapp 1,9 Prozent
gestiegen.
Die Unternehmen verbuchten einen
Fahrgastrekord: Rund 10,32 Milliar-
den Mal wurden Busse, U-Bahnen
und Straßenbahnen im vergangenen
Jahr genutzt. Das war ein Plus von
1,4 Prozent im Vergleich zu 2016.
Weil die Fahrkarten teurer waren
und es mehr Gäste gab, stiegen die
Einnahmen der Betriebe um 3,3 Pro-
zent auf knapp 12,8 Milliarden Euro.
Vor allem auf der Schiene waren
mehr Fahrgäste unterwegs, bei Bus-
sen ging die Passagierzahl um 0,2
Prozent zurück. Das liege vor allem
an Busverbindungen im ländlichen
Raum, sagte Fenske. Der Staat müsse
mit dafür sorgen, dass auch dort Bus-
se noch ausreichend finanziert seien.
Der ÖPNV wird in Deutschland auch
aus Steuermitteln mitbezahlt. Laut
Verband zahlt der Fahrgast mit seinem
Ticket etwa die Hälfte der Fahrt. Der
Rest stamme von der öffentlichen
Hand (30 Prozent) und anderen Ein-
nahmen des Unternehmens, etwa aus
Werbung (18 Prozent). Die Ticket-
preise werden am Ende für jede Re-
gion ausgehandelt.
„Diese Einnahmen brauchen die Un-
ternehmen auch dringender denn
je“, sagte Fenske. Viele Unterneh-
men wollten wachsen, müssten ihre
Fahrzeuge instand halten und erneu-
ern. Das Geld könne auch der Ver-
besserung der Qualität zugute kom-
men, etwa mehr Wachpersonal.
Noch sind viele Menschen mit dem
Auto unterwegs. Wenn man mit
Blick auf Staus, Klimaschutz und
Luftverschmutzung den ÖPNV
ausbauen wolle, brauche es die
entsprechende Infrastruktur, sagte
Fenske, der Chef der Kölner Ver-
kehrsbetriebe. Die Unternehme
hätten dem Verband im Herbst ei
nen Ausbaubedarf von 15 Milliarden
Euro gemeldet.
Der Verband will dabei Unterstüt
zung von einer neuen Bundes
regierung. Fenske begrüßte da
Sondierungspapier von Union un
SPD. Die Mittel für das Gemeinde
verkehrsfinanzierungsgesetz sollten
demnach beispielsweise verdreifacht
werden auf 1 Milliarde Euro. Dami
könne man einen guten Beitrag z
einer Verkehrswende leisten, sagte
Fenske.
dpa
Bus- und Bahnfahren teurer
Preise für öffentlichen Nahverkehr steigen in diesem Jahr
Die Ticketpreise für Bus und Bahn werden den Verkehrsunternehmen zufolge weiter steigen.
Foto: Marijan Murat
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