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8. Februar 2018 -
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Ein kurzer Stromausfall kann
ganz heimelig sein. Daheim ein
paar Kerzen angezündet und
statt in die Glotze zu starren, mit
den Lieben ein Brettspiel spielen.
Wenn der Saft nach ein oder zwei
Stunden wieder da ist – prima!
Blöder ist es da schon, wenn man in ein
Verkehrschaos gerät, weil die Ampeln
ausgefallen sind, oder in einem Aufzug
feststeckt. Richtig problematisch wird
es, wenn der Stromausfall länger dau-
ert. Dann taut der Kühlschrank ab und
die Lebensmittel verderben. Elektrische
Geräte versagen ihren Dienst späte-
stens dann, wenn die Akkus leer sind. Es
gibt keinen Netzempfang mehr, daher
ist Kommunikation über Handy, Inter-
net und Telefon nicht mehr möglich.
Der Ausfall von elektrischen Pumpen
ist fatal: an den Tankstellen gibt es kein
Benzin mehr, die Trinkwasser- und Ab-
wasserversorgung bricht zusammen.
Natürlich bleibt es auch kalt in der Woh-
nung – die Heizung funktioniert nicht.
Wer noch genug Sprit im Tank hat, um
sich am Supermarkt mit Wasser einzu-
decken, scheitert vielleicht schon an der
elektrischen Supermarkttür. Zwischen
den Regalen prügeln sich die Menschen
um Konserven, Babynahrung und Was-
ser. Bezahlen geht nicht mehr – Geld
am Automaten abheben übrigens auch
nicht...
Jetzt wird die Bedrohung existentiell.
In großen landwirtschaftlichen Betrie-
ben können nicht alle Kühe per Hand
gemolken werden. Die Melkanlage
funktioniert nur, wo es ein Notstrom-
aggregat gibt. Wenn hierfür der Diesel
ausgeht, sterben die Tiere qualvoll. In
den Städten entsteht durch die hygie-
nischen Probleme Seuchengefahr, die
Medikamente in den Krankenhäusern
werden knapp. Nach rund einer Wo-
che – wenn die Notstromversorgung
für die Kühlung der Brennstäbe ausfällt
– kommt es in den Atomkraftwerken
zur Kernschmelze.
Zugegeben, das Szenario hört sich dra-
matisch an. Der Autor Marc Elsberg be-
schreibt es in seinem Roman „Blackout“
anschaulich. Darin ist ein Hackerangriff
für den Zusammenbruch verantwort-
lich – fiktiv, natürlich. Völlig aus der Luft
gegriffen ist die Geschichte aber nicht.
Aktuelle Stromausfälle wurden meist
von extremen Naturereignissen ausge-
löst.
Als Orkan „Frederike“ im Januar über
Deutschland fegte, fiel für 300.000
Menschen der Strom aus. Ein stun-
denlanger Stromausfall sorgte erst im
Dezember für Chaos am Flughafen
in Atlanta. Der Hurrican „Maria“ legte
im September die Stromversorgung
auf der gesamten Karibikinsel Puerto
Rico lahm. Im Mai waren in Hamburg
mehr als 20.000 Haushalte von einem
Stromausfall betroffen.
Wenn man genau hinsieht, ist man in
Deutschland nicht optimal gerüstet.
Das geht schon bei den Stromnetzen
los. Wie der Netzbetreiber Tennet mit-
teilt, setzt zum Beispiel der Ausbau der
erneuerbaren Energie das Stromnetz
immer stärker unter Druck. Der gro-
ße Netzbetreiber musste 2017 wegen
unzureichender Leitungskapazitäten fast
eine Milliarde Euro für sogenannte Not-
eingriffe ins Netz zahlen. Noteingriffe
werden nötig, wenn Stromleitungen
fehlen, um vor allem Windstrom von
Norden nach Süden zu bringen.
Besonders deutlich wird dieses Pro-
blem im Winter. In windreichen Zei-
ten ist der Druck auf die Stromnetze
enorm: Dann erzeugen die Windparks
im Norden überdurchschnittlich viel
Strom, während die Photovoltaikanla-
gen im Süden, an manchen Tagen kaum
noch liefern – der Transportbedarf von
Nord nach Süd wächst und die Leitun-
gen kommen oft nicht mit. Deswegen
braucht Deutschlands Stromnetz zur
Absicherung gegen „Blackouts“ in die-
sem Winter deutlich mehr Reserve-
kraftwerke als im vergangenen, wie die
Bundesnetzagentur mitteilt.
Das Netz wackelt also. Kommt es dann
noch zu einem Ereignis wie einem
Sturm, bricht das System schnell zusam-
men. Darauf sind auch die Behörden
nicht gut vorbereitet.
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz
und Katastrophenhilfe teilt mit, dass im
Fall einer Katastrophe in Deutschland
Engpässe bei der Versorgung der Bevöl-
kerung drohen. Dessen Präsident Chri-
stoph Unger sagte: „Die Nato empfiehlt
Betreuungsplätze für zwei Prozent der
Bevölkerung. Das wären bei uns 1,6
Millionen. So weit sind wir noch nicht.“
Seine Behörde befasst sich auch mit
theoretisch denkbaren Ereignissen, wie
einem Erdbeben im Oberrheingraben,
in der Kölner Bucht oder im Vogtland.
„Wir bereiten uns nicht speziell auf sol-
che Ereignisse vor“, erklärte Unger. „Wir
gehen vielmehr von einem All-Gefah-
ren-Ansatz aus.“ Bei rascher Hilfe für
Opfer von Katastrophen sei die Ursa-
che dafür zunächst zweitrangig.
Zugleich müssten die Alarm-Möglich-
keiten verbessert werden. Die von
dem Bundesamt entwickelte Warn-
App Nina („Notfall-Informations- und
Nachrichten-App“) haben bereits 2,3
Millionen Nutzer. Es gibt noch andere
Warn-Apps wie Katwarn und Biwapp.
Neben elektronischen Medien seien
auch Sirenen auf Dächern wieder aktu-
ell. „Wir hatten früher 86.000 in West-
deutschland. Jetzt sind es bundesweit
noch 30.000 bis 40.000.“
Es gelte aber auch, neue Wege zu ge-
hen, sagte Unger: „Wir verhandeln
gerade mit den zwei großen Städte-
reklame-Anbietern über Warnungen
auf digitalen Schautafeln.“ Zudem fasse
das Bundesamt Bildschirme in Bussen
und Straßenbahnen zu dem Zweck ins
Auge.
Schlecht gerüstet sind die meisten Bür-
ger. Dabei gäbe es konkrete Vorschlä-
ge von Seiten der Bundesregierung. In
deren Zivilschutzkonzept zu finden sind
auch Informationen über die Selbstver-
sorgung in den ersten Tagen. Es wird
empfohlen, einen Grundvorrat an Le-
bensmitteln anzulegen. Doch Hand
aufs Herz: Wer hat schon pro Person
28 Liter Trinkwasser für zwei Wochen
oder 5,6 Kilogramm eingewecktes Ge-
müse und Hülsenfrüchte imKeller? Wer
hat ein batteriebetriebenes Radio und
einen Campingkocher griffbereit? Doch
ob man die Maßnahmen nun sinnvoll
findet, oder die „Hamsterkäufe“ als Pa-
nikmache kritisiert – ein paar Gedanken
sollte sich jeder schon machen, ob er
für den Erstfall gut gerüstet ist...
red/dpa
Vorrats-Tipps bei „Blackout“
• Halten Sie pro Person ca. 14 Liter Flüssigkeit je Woche vorrätig.
Geeignete Getränke sind Mineralwasser, Fruchtsäfte, länger lagerfähige Ge-
tränke.
• Füllen Sie alle verfügbaren Behälter und die Badewanne mit Frischwasser.
• Keine Experimente. Halten Sie vor allem Lebensmittel und Getränke vorrä-
tig, die Sie und Ihre Familie auch normalerweise nutzen.
• Strom weg? Achten Sie darauf, dass ihre Vorräte auch ohne Kühlung länger
gelagert werden können und ein Großteil auch kalt gegessen werden kann.
• Achten Sie auf das Mindesthaltbarkeitsdatum. Beschriften Sie Lebensmittel
ohne Kennzeichnung mit dem Einkaufsdatum.
• Sie sollten Lebensmittel kühl, trocken und dunkel aufbewahren. Achten Sie
auf luftdichte Verpackung.
• Neu gekaufte Vorräte gehören nach „hinten“ ins Regal. Brauchen Sie die
älteren Lebensmittel zuerst auf.
• Tiefgekühlte Lebensmittel zählen auch zum Notvorrat. Sie lassen sich bei
einem Stromausfall problemlos verbrauchen. Frieren Sie einmal aufgetaute
Lebensmittel nicht wieder ein.
• Kochen ohne Strom und Gas? Im Handel gibt es viele Alternativen wie Cam-
ping- und Spirituskocher.
• Denken Sie bei der Vorratshaltung auch an Spezialkost – zum Beispiel für
Diabetiker, Allergiker oder Babys.
• Haben Sie Haustiere? Decken Sie auch deren Bedarf ab!
red/Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
Checkliste für
den Notfall
• Lebensmittel
pro Person/14 Tage:
28 Liter Getränke
4,9 Kilo Getreide, Getreidepro-
dukte, Brot, Kartoffeln, Nudeln,
Reis
5,6 Kilo Gemüse, Hülsenfrüchte:
3,6 Kilo Obst, Nüsse
3,7 Kilo Milch, Milchprodukte
2,1 Kilo Fisch, Fleisch, Eier/Vollei-
pulver
Fette, Öle
• Kommunikation
Rundfunkgerät mit Batteriebetrieb
oder Kurbelradio, Reservebatteri-
en
• Hausapotheke
DIN-Verbandskasten, verord-
nete Medikamente, Schmerz-
mittel, Hautdesinfektionsmittel,
Wunddesinfektionsmittel, Mittel
gegen Erkältungskrankheiten,
Fieberthermometer, Mittel ge-
gen Durchfall, Insektenstich-
und Sonnenbrandsalbe, Splitter-
pinzette
• Hygiene
Seife, Waschmittel, Zahnbürste,
Zahnpasta, Einweggeschirr und
Besteck, Haushaltspapier, Toilet-
tenpapier, Müllbeutel, Camping-
toilette, Ersatzbeutel, Haushalts-
handschuhe, Desinfektionsmittel,
Schmierseife
• Energie
Kerzen, Teelichter, Streichhölzer,
Feuerzeug, Taschenlampe, Reser-
vebatterien, Camping-, Spiritus-
kocher mit Brennmaterial, Heiz-
gelegenheit, Brennstoffe
• Dokumente
Haben Sie festgelegt, welche Do-
kumente unbedingt erforderlich
sind?
Sind Ihre Unterlagen zweckmäßig
geordnet?
Sind von wichtigen Dokumenten
Kopien vorhanden und diese ggf.
beglaubigt?
Haben Sie eine Dokumenten-
mappe angelegt?
Sind Dokumentenmappe oder
wichtige Dokumente griffbereit?
• Brandschutz
Keller und Dachboden entrüm-
peln, Feuerlöscher, Rauchmelder,
Löschdecke (notfalls Wolldecke),
Behälter für Löschwasser, Was-
sereimer, Kübelspritze oder Ein-
stellspritze, Garten- oder Auto-
waschschlauch
• Notgepäck
persönliche Medikamente, be-
helfsmäßige
Schutzkleidung,
Wolldecke, Schlafsack, Unter-
wäsche, Strümpfe, Gummistie-
fel, derbes Schuhwerk, Essge-
schirr, -besteck, Thermoskanne,
Becher, Material zur Wundver-
sorgung, Dosenöffner und Ta-
schenmesser, warme Kleidung,
Taschenlampe, Kopfbedeckung,
Schutzhelm, Schutzmaske, be-
helfsmäßiger Atemschutz, Ar-
beitshandschuhe, Fotoapparat
oder Fotohandy
• Broschüre anfordern:
Die Ratgeberbroschüre „Ka-
tastrophen-Alarm“ mit vielen
Tipps und persönlicher Checkli-
ste können Sie unter
.
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red/Bundesamt für Bevölkerungsschutz
und Katastrophenhilfe
Überleben im „Blackout“
Stromausfälle werden immer häufiger. Gleichzeitig sind die Menschen im Alltag so abhängig vom Strom wie nie. Ein
totaler Blackout wäre eine Katastrophe. Doch man kann sich schützen...
Eine kluge Vorratshaltung schützt im Ernstfall.
Foto: fotolia
Ein Stromausfall sorgt für Chaos im Alltag. Ein Blackout dagegen kann lebensbedrohend sein.
Foto: fotolia
„Nach rund einer
Woche kommt es in
Atomkraftwerken zur
Kernschmelze“
„Es wird empfohlen,
einen Grundvorrat an
Lebensmitteln
anzulegen“
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