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11. Januar 2018 -
S. 5
Nach
richten
Hand in Hand in die Ungewissheit
Union und SPD: Ein „Weiter so kann es nicht geben“
CSU-Chef Horst Seehofer: „Was wir jetzt brauchen, ist Diszi-
plin, Mut und auch eine Portion Kreativität.“
Foto: Jörg Carstensen
Berlin – Die Spitzen von CDU, CSU und SPD haben am ersten Tag ihrer offi-
ziellen Sondierungen die Notwendigkeit umfassender Reformen in Deutschland
und Europa unterstrichen. „Wir alle sind uns der Verantwortung für die Zukunft
Deutschlands und Europas bewusst“, sagte SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil in
Berlin. Allen sei klar: „Ein „Weiter so“ kann es nicht geben.“ Es sei der feste Wille,
dass es demnächst ein Sondierungsergebnis gebe, „auf dessen Grundlage wir dann
entscheiden, ob sich weitere Gespräche lohnen“. Deutschland befinde sich „in ei-
ner neuen Zeit. Und diese neue Zeit braucht eine neue Politik“, sagte Klingbeil und
fügte hinzu: „Wir sehen, dass sich Politik in diesem Land verändern muss.“ Man
habe bereits am ersten Tag in den 15 Arbeitsgruppen beraten. Die Beratungen sei-
en sehr ernsthaft und konzentriert, aber offen gewesen. Obwohl man sich bereits
kenne, sei es eine „besondere Situation“.
dpa/red
Keine Änderung beim Vaterunser
Papst Franziskus kritisiert Übersetzung
Papst Franziskus: „Es ist nicht Gott, sondern Satan, der den
Menschen in Versuchung führe.“
Foto: Giuseppe Ciccia
München – Die katholische Kirche in Deutschland will an der vom Papst kritisierten
Übersetzung des Vaterunser-Gebets festhalten. Dies machte der Vorsitzende der
Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, im Presseclub München
deutlich. „Ich sehe keine Notwendigkeit, das zu verändern“, sagte Marx. „Ich habe
den Eindruck, dass die meisten Bischöfe das so sehen wie ich und keinen Hand-
lungsbedarf sehen.“
Der Papst habe aber mit Recht darauf hingewiesen, dass die Gebetsbitte „Führe
uns nicht in Versuchung“ von manchen missverstanden werde. „Gemeint ist, dass
Gott uns in die Bewährung führt“, erklärte der Münchner Erzbischof. Papst Franzis-
kus hatte Anfang Dezember in einem Interview gesagt, es sei nicht Gott, sondern
Satan, der den Menschen in Versuchung führe. Die Übersetzung „Lass mich nicht
in Versuchung geraten“ träfe es daher besser.
dpa/red
11 saudische Prinzen festgenommen
Demo gegen Sparmaßnahmen endet hinter Gittern
Der saudische Kronzprinz Mohammed bin Salman stößt zurzeit
zahlreiche Neuerungen an.
Foto: Rainer Jensen
Riad – Wegen eines Protests gegen Sparmaßnahmen haben Sicherheitskräfte in
Saudi-Arabien elf Prinzen festgenommen. Sie hätten vor dem historischen Regie
rungspalast in der Hauptstadt Riad dagegen demonstriert, dass die Regierung die
Strom- und Wasserrechnungen von Angehörigen der Königsfamilie nicht meh
bezahle, meldete die staatliche Nachrichtenagentur SPA. Die Festgenommenen
würden vor Gericht gestellt werden, hieß es weiter. Demonstrationen, zumal von
Mitgliedern der Königsfamilie, sind in dem autoritär regierten Land eine Seltenheit.
Saudi-Arabien hatte zum Jahresanfang im Zuge von Wirtschaftsreformen unter an
derem eine Mehrwertsteuer eingeführt. Auch die Benzinpreise erhöhte die Regie
rung massiv ummehr als 80 Prozent. Dem islamisch-konservativen Königreich, das
viel Geld in die Rüstung steckt, machte in den vergangenen Jahren der Ölpreisver
fall schwer zu schaffen.
dpa/red
Messerattacke: Kritik zu Äußerungen
Kandeler Bürgermeister beklagt pauschale Forderungen
Trauer um die 15-jährige Mia in Kandel.
Foto: Andreas Arnold
Kandel – Nach der tödlichen Messerattacke auf eine 15-Jährige in Kandel/Rheinland-
Pfalz hat der Bürgermeister der Verbandsgemeinde, Volker Poß (SPD), pauschale
Forderungen nach einem härteren Umgang mit Flüchtlingen beklagt. Das Mädchen
war am Mittwoch in einem Drogeriemarkt der südpfälzischen Stadt mit einem Mes-
ser erstochen worden, als dringend tatverdächtig gilt ihr Ex-Freund. Der mutmaßliche
Täter ist ein nach Behördenangaben ebenfalls 15 Jahre alter Flüchtling aus Afghanistan,
der in eine Jugendstrafanstalt gebracht wurde. Ihm seien dazu vereinzelte Mails und
Wortmeldungen „in einer für mich beschämenden Art und Weise“ zugegangen, sagte
Poß am Freitag. „Da ist von Politikerversagen die Rede, da werden Abschiebungen
gefordert, da werden Konsequenzen in Bezug auf den Umgang mit unseren Flüchtlin-
gen eingefordert“, sagte der Verwaltungschef. Er rief zu Zurückhaltung und Sachlich-
keit auf. „Ich denke, was imMoment zählt, ist wirklich die Anteilnahme, ist wirklich das
tiefe Mitgefühl.“
dpa/red
Atomkraftwerk schaltet ab
Block B in Gundremmingen endgültig vom Netz
Block C soll noch bis zum Jahr 2021 weiterlaufen.
Foto: Sven Hoppe
Gundremmingen – ImRahmen des deutschen Atomausstiegs ist Block B im schwä-
bischen Gundremmingen abgeschaltet worden. Die Schichtmannschaft habe den
Generator vom Stromnetz getrennt und kurz darauf den Reaktor endgültig abge-
schaltet, teilte ein Sprecher mit. Der Block C des Atomkraftwerks im Landkreis
Günzburg darf jedoch noch bis Ende 2021 weiterlaufen, obwohl dieser Meiler
ebenfalls 1984 nur wenige Monate nach dem benachbarten Reaktor B in Betrieb
gegangen war. Gundremmingen war bislang der letzte Standort in Deutschland mit
noch zwei aktiven Reaktoren. Atomkritiker betrachten die Siedewasserreaktoren in
Gundremmingen als technisch mangelhaft und daher besonders riskant. Es sei der
gleiche Reaktortyp wie in Fukushima und die verwendeten Mox-Brennelemen-
te enthielten besonders viel gefährliches Plutonium, sagt der Bund Naturschutz in
Bayern.
dpa/red
Marihuana-Markt öffnen
Kriminalbeamte fordern regulierte Legalisierung
Ihnen würde die Forderung der deutschen Kriminalbeamten si-
cher gefallen: Teilnehmer der 20. Hanfparade im August 2016 in
Berlin.
Foto: Britta Pedersen
Hamburg – Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) hat sich für eine re-
gulierte Legalisierung von Cannabis in Deutschland ausgesprochen. „Es ist an
der Zeit, auch hier das Kiffen für Konsumenten vollständig zu entkriminalisieren
und einen regulierten Markt für Marihuana zu schaffen“, schrieb der Bundesvor-
sitzende André Schulz in einem Gastbeitrag für die „Hamburger Morgenpost“.
Deutschland solle sich ein Beispiel an den USA oder an Portugal nehmen, wo
zum Teil eine deutlich liberalere Drogenpolitik umgesetzt werde. So darf seit
dem 1. Januar im US-Bundesstaat Kalifornien Cannabis in lizenzierten Läden an
Personen verkauft werden, die älter als 21 Jahre sind. Auch in Portugal werde
der Cannabiskonsum nicht mehr strafrechtlich verfolgt. Dies seien „mutige Feld-
versuche“, die trotz fehlender Langzeitstudien durchaus „positiv zu bewerten“
seien.
dpa/red
Cem Özdemir kandidiert nicht mehr
Keine Kampfkandidatur mit Anton Hofreiter
Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der Grünen, will nicht für
den Vorsitz der Grünen-Bundestagsfraktion kandidieren.
Foto: Sebastian Gollnow
Frankfurt – Der Grünen-Vorsitzende CemÖzdemir wird sich keine Kampfkandida-
tur mit Anton Hofreiter um den Vorsitz der Grünen-Bundestagsfraktion liefern. „Ich
habe erkennbar keine Mehrheit. Das muss ich akzeptieren“, sagte er der „Frankfur-
ter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Özdemirs Amtszeit läuft noch bis Ende Januar.
Er hatte angekündigt, nicht wieder für den Parteivorsitz zu kandidieren. Özdemir
räumte ein: „Ich verheimliche keineswegs, dass ich gerne Fraktionsvorsitzender ge-
worden wäre.“ Hofreiter führt die Fraktion zusammen mit Katrin Göring-Eckardt
seit 2013. Özdemir, der zum „Realo“-Flügel der Partei gehört, schloss eine erneute
Bewerbung für den Parteivorsitz aus. Künftig will er sich als einfacher Abgeordneter
Gehör verschaffen. Sollten die Sondierungen für eine große Koalition scheitern,
geht Özdemir für den Fall einer Neuwahl davon aus, dass er wieder als Spitzenkan-
didat ins Rennen gehen wird: Das gilt unverändert.»
dpa/red
Hoffnung auf Entspannung
Erste innerkoreanische Gespräche seit zwei Jahren
Nordkorea will hohe Delegation zu den Winterspielen schicken.
Foto: Lee Jin-Man
Seoul/ Panmunjom – Nordkorea will eine hochrangige Delegation und Athleten zu
den OlympischenWinterspielen im südkoreanischen Pyeongchang im Februar schic-
ken. Das hätten nordkoreanische Unterhändler bei den ersten Gesprächen mit Süd-
korea seit zwei Jahren vorgeschlagen, teilte ein Sprecher des Vereinigungsministeri-
ums in Seoul mit. Die südkoreanische Delegation schlug im Gegenzug Gespräche
über humanitäre Fragen vor. Südkoreas Vereinigungsminister Cho Myoung Gyon
hatte kurz vor Beginn des Treffens seine Hoffnung geäußert, dass das Treffen auch
zu besseren Beziehungen führen könne. US-Präsident Donald Trump hatte zuletzt
erklärt, er unterstütze vollständig die innerkoreanischen Gespräche. Trump und die
Führung in Pjöngjang, die den USA eine feindselige Politik unterstellt, hatten sich in
den vergangenen Monaten gegenseitig mit scharfen Drohungen überzogen. Der
Schlagabtausch hatte weltweit die schlimmsten Befürchtungen ausgelöst.
dpa/red
Stickstoffdioxidwerte überschritten
Grenzwerte für Feinstaub in 2017 eingehalten
Auch Landshuter Allee und der Stachus in München sind betrof-
fen.
Foto: Marcus Führer
Augsburg – In Bayern sind die Grenzwerte für Feinstaub im vergangenen Jahr ein
gehalten worden. Anders sieht es beim Stickstoffdioxid aus: An fünf von 45Messsta
tionen sei der Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten
worden, teilte das Bayerische Landesamt für Umwelt am Dienstag mit.
Erhöhte Werte von Stickstoffdioxid wurden demnach an Stellen mit viel Verkehr
gemessen: am Münchner Stachus, an der Von-der-Tann-Straße in Nürnberg, der
Augsburger Karlstraße sowie am Regensburger Rathaus. Den höchsten Wert ver
zeichnete die Landshuter Allee in München mit 78 Mikrogramm. Erlaubt sind pro
Jahr 35 Überschreitungen des Grenzwerts von im Tagesmittel 50 Mikrogramm
pro Kubikmeter Luft. Aktueller Anlass war auch das Silvester-Feuerwerk. Laut Um
weltbundesamt entstehen zum Jahreswechsel deutschlandweit 4000 Tonnen Fein
staub.
dpa/red
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