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11. Januar 2018 -
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Mit einem
Roboter
ins Bett?
Die Sexpuppe der Zukunft soll ihrem Besitzer die Illusion eines gemeinsamen Alltags geben.
Foto: fotolia
Zurzeit entwickeln amerikani-
sche Firmen wie Realdoll und
True Company Sexroboter, die
ihrem Besitzer das Gefühl ge-
ben sollen: Da ist jemand in
meinem Leben. Sie sollen strei-
cheln, stöhnen, sprechen - und
an den nächsten Zahnarztter-
min erinnern.
Man drückt einen grünen Punkt auf
seinem Tablet und sagt in das Mikro-
fon: „Wach auf!“ Die Silikonfrau trägt
eine rotblonde Perücke und aus ihrem
sehr engen weißen Einteiler quellen
sehr große Brüste. Sie öffnet die Au-
gen, der Kopf beginnt zu zucken, ihre
Lippen bewegen sich: „Hallo Schatz,
ich habe Dich vermisst.“
Matt McMullen, Mitte Vierzig, Inhaber
einer Firma mit mehreren Millionen
Dollar Jahresumsatz, sieht sich eher als
Künstler denn als Geschäftsmann. In
den letzten Wochen hat er „Harmo-
ny“ mehr als fünfzig Mal vorgeführt.
Doch noch immer huscht ein stolzes
Lächeln über sein Gesicht, wenn sei-
ne Stimme die Sexpuppe weckt. Die
kalifornische Firma
Realdoll arbeitet für
die Ansprüche ihrer
zumeist männlichen
Kunden und kreiert
in Silikon gegossene
Fantasien, Stückpreis
ab 4.000 Dollar.
Noch sind sie ohne
eigene
Regung.
Noch. Denn die Sexpuppen sollen
durch Mikroprozessoren, Internet
cloud und Spracherkennungssoft-
ware eine „Illusion von Intelligenz“
bekommen, wie McMullen es aus-
drückt. Und so zu Sexrobotern wer-
den.
Dazu werden bis zu fünf unter-
schiedliche Charaktere entworfen:
Diese können Gespräche führen und
sich Vorlieben, Hobbys und Interes-
sen ihrer Besitzer merken. Ob Lieb-
lingsessen, Geburtsort oder Ausbil-
dung: Die Puppe speichert jede
Information und je häufiger mit ihr
gesprochen wird,
desto mehr Wissen
sammelt sie. So soll
sie so etwas wie
eine richtige Part-
nerin werden und
ihren Besitzer auch
darüber informie-
ren, dass zu Hause
der Kühlschrank leer
ist oder um zwei Uhr ein Zahnarzt-
termin ansteht.
In 2018 soll die Kreation auf den
Markt kommen, der voraussichtliche
Preis für den animierten Kopf liegt
bei 10.000 Dollar – wer bereits eine
Puppe hat, kann den neuen Kopf ge-
gen den alten austauschen. Wer eine
komplett neue Puppe erwerben will,
bezahlt etwa 15.500 Dollar.
Ähnlich wie bei Apple mit Siri und
Google mit Alexa wird mit Speziali-
sten eine eigene Spracherkennungs-
software für die Roboter verwen-
det, damit „Harmony“ Floskeln wie
„Liebling, ich bin so einsam ohne
dich“ oder auch „Schatz, du bist die
Liebe meines Lebens“ säuseln kann.
Die künstliche Intelligenz lernt ihren
Partner genauer kennen und kann in
den folgenden Gesprächen immer
passender antworten.
Vom reinen Sex
möchte man hin zu
emotionaler Nähe.
Viele
Menschen
sind auf irgendeine
Art vereinsamt oder
traumatisiert.
Der
Partner hat sie verlas-
sen oder ist gestor-
ben und sie können
einen neuen Menschen noch nicht
in ihr Leben lassen. Die intelligen-
ten Puppen können ihnen während
dieser schweren Zeit helfen. Statt
einem Mensch liegt dann eine Pla-
stikperson mit im Bett oder sitzt am
Esstisch. Jede davon ist handgemacht
in einer Arbeitszeit von etwa achtzig
Stunden. Es gibt Eins-zu-eins-Abgüs-
se von Pornostars, Männerpuppen,
Transsexuellenpuppen, aber auch
Anfertigungen mit Teufelshörnern
oder blauem Körper. Die Puppen
sind Luxusexemplare: Das Skelett
aus Aluminium, detailgenau nachge-
bildete Finger und
Zehen, volle Lippen
und extraweiche
Zähne. Man kann
wählen zwischen
14 verschiedenen
abwaschbaren Va-
ginalschläuchen und
individuell gestalte-
ten Schamfrisuren
aus Alpakahaar. Es liegen Kataloge mit
den Formen und Größen der Brust-
warzenvarianten auf, in Plastikbehäl-
tern lagern aber auch Penisse von
braun bis blau. Das Gehirn besteht
aus Chips und Prozessoren, die un
ter einer durchsichtigen Plastikschale
am Silikonhinterkopf sitzen.
Echte Prostituierte werden in Zu
kunft durch die legalen Sex-Roboter
starke Konkurrenz bekommen. Ob
sie als effektives Mittel gegen Sexskla
verei und Menschenschmuggel ein
gesetzt werden, ist noch offen. Al
sicher gilt jedoch, dass übertragbare
Krankheiten damit vermieden wer
den können. In London haben sic
im Dezember letzten Jahres Wissen
schaftler aus aller Welt getroffen, um
sich dem Thema „sex and love with
robots“ zu stellen. Einige von ihnen
hoffen, dass damit Pädophile ihren
Neigungen nachgehen können ohn
anderen Schaden zuzufügen. Ander
sehen im Umgang mit Sexpuppen
die Gefahr, dass der Mensch dadurch
permanent falsches Verhalten einübt
und so in der Gesellschaft durchau
für „neue Probleme“ sorgen kann.
sz,re
„Fünf unterschiedliche
Charaktere können
Gespräche führen und
sich Vorlieben und
Interessen merken“
„14 verschiedene
Vaginalschläuche
sowie individuell ge-
staltete Schamfrisuren
aus Alpakahaar“
Einer der besten Schachcomputer der
Welt, Stockfish, wurde von der selbst-
lernenden Software von Google in ei-
nem Londoner Turnier geradezu vor-
geführt – und das nach nur vier Stun-
den. Solange spielte AlphaZero im
stillen Kämmerlein gegen sich selbst
und probierte aus, was bei Schach gut
ist (Stonewall) und was nicht (Fran-
zösisch). Anders als herkömmliche
Computer wurde AlphaZero nicht
mit Regeln und Zugvarianten aus ei-
ner Datenbank gefüttert, sondern nur
die Grundregeln des Schachspielens
gezeigt und die Künstliche Intelligenz
(KI) musste sich den Rest selbst bei-
bringen. Dann ging es ans Match:
28 Siege und 72 Unentschieden bei
keiner einzigen Niederlage in 100
Partien. Die mit KI angetretene Soft-
ware stammt von der Google-Tocher
DeepMind und ist derzeit nicht nur
beim Schach, sondern auch bei den
komplexen japanischen Brettspielen
Shogi und Go ebenso unschlagbar.
Sowohl der russische Vizeweltmei-
ster Sergej Karjakin als auch dessen
Konkurrent Maxime Vacier-Lagrave
würden unbesehen „Siebenstelliges“
überweisen, um Zugriff auf Alpha
Zero zu bekommen.
Die selbstlernenden Programme
stammen von der Londoner Firma
DeepMind. Diese wurde vor drei
Jahren von Google für einen neun-
stelligen Betrag übernommen. Kopf
des Unternehmens ist das einstige
Schachwunderkind Demis Hassabis.
Der aus Griechenland stammende
Londoner war mit dreizehn Jahre
der beste Schachspieler seines Alters.
Durch die Verwendung neuer TPU-
Prozessoren können die für die Künst
liche Intelligenz nötigen Rechenschrit
te besonders schnell durchgeführt
werden. Dazu hat Google eine im
Internet frei zugängliche KI-Plattform
Tensorflow aufgebaut. Hassabis ist sich
sicher, dass seine Programme deshalb
so stark spielen, weil Sie durch diese
neue Technologie „nicht länger einge
schränkt sind durch die Grenzen des
menschlichen Wissens“.
red
„Was, wenn AlphaZero
mehr als vier Stunden
lernt?“
„Neue TPU-Prozes-
soren besonders
schnell“
Bester Schachcomputer durch
Künstliche Intelligenz geschlagen
Grenzen menschlichen Wissens durchbrochen
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