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30. November 2017 -
S. 3
Nach
richten
Mehr Wölfe in Deutschland
60 Rudel nachgewiesen, 13 mehr als letztes Jahr
Im Natur- und Umweltpark in Güstrow ist ein Rudel Wölfe un-
terwegs.
Foto: Bernd Wüstneck/Archiv
Berlin – Die Wölfe in Deutschland haben sich weiter vermehrt. 60 Rudel sind wis-
senschaftlich nachgewiesen, 13 mehr als vor einem Jahr. Das geht aus Daten des
Bundesamts für Naturschutz (BfN) und der Dokumentations- und Beratungsstelle
des Bundes zum Wolf (DBBW) hervor. Insgesamt gehe man von 150 bis 160 er-
wachsenen Wölfen aus, sagte BfN-Präsidentin Beate Jessel. Durchziehende Tiere
zählen die Experten nicht mit. Insgesamt habe sich die Population damit vor allem in
einem Band von der Lausitz im Osten bis in den Nordwesten verdichtet, aber nicht
in dem Maß ausgedehnt, wie es die Zahl der Rudel vermuten lasse, sagte Jessel. Die
meistenWölfe leben in Brandenburg und Sachsen. Zum Verbreitungsgebiet – sieben
Bundesländer – zählt auch Bayern. In der BRD gibt es wieder Wölfe, seit im Jahr
2000 ein Paar aus Polen zuwanderte. Heute sind die Tiere geschützt. Gleichzeitig
gibt es Ängste in der Bevölkerung und Schäden bei Weidetierhaltern.
dpa/red
Gepanschte Medikamente
Apotheken-Skandal vor Gericht
Knapp 62 000 Mal soll ein Apotheker Krebsmedikamente ge-
panscht haben.
Foto: Friso Gentsch
Essen – Er soll mit gepanschten Medikamente Millionen erbeutet haben – ohne
Rücksicht auf das Leben seiner Patienten: In einem der spektakulärsten Medizin-
Skandale der vergangenen Jahre steht ein Apotheker in Essen vor Gericht, weil
er massenhaft Krebsmedikamente gepanscht haben soll. Mindestens 1000 Krebs-
kranke sollen betroffen sein, allein den gesetzlichen Krankenkassen soll ein Schaden
von 56 Millionen Euro entstanden sein.
Zwischen 2012 und 2016 soll der Apotheker fast 62 000 Mal Krebsmedikamente
mit zu wenig Wirkstoff versehen haben. Es sei ihm darum gegangen, „sich eine
erhebliche Einnahmequelle zu verschaffen“, so die Staatsanwaltschaft. In der An-
klageschrift sind 35 Wirkstoffe aufgeführt, von denen der Apotheker höchstens 70
Prozent der eigentlich benötigten Menge eingekauft haben soll. Die Anklage lautet
auf Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz, Betrug und versuchte Körperverletzung.
Dem 47-Jährigen drohen bis zu zehn Jahre Haft sowie ein Berufsverbot.
dpa/red
Elstern fressen Kühe an
Kuh musste notgeschlachtet werden
Elster im Landeanflug.
Foto: fotolia
Schellbach/Nordhessen – Es sind Bilder wie aus Hitchcocks berühmtem Horror
film „Die Vögel“: Über Wochen hinweg wurde eine Kuhherde von den Rabenvö
geln tyrannisiert. Diese krallten sich in Euter und Anus der Muttertiere und pickten
sich das rohe Fleisch heraus. Eine Kuh wurde dabei so schwer verletzt, dass sie nur
noch geschlachtet werden konnte, um sie von ihren Qualen zu erlösen. Nun soll
den Todes-Elstern Einhalt geboten werden: Die Kreisverwaltung hat den Abschuss
der Tiere angeordnet. „Ein solcher Vorfall ist unserem Kreisveterinäramt bisher
noch nicht bekannt geworden. Auch überregional gibt es keine Hinweise auf s
aggressive Elstern. Das scheint ein neues Phänomen zu sein“, sagte ein Pressespre
cher. Ein Grund für den brutalen Angriff der Elstern auf die Kuhherde soll ihr ver
änderter Lebensraum sein. Sie fänden weniger Nahrung in der Natur und suchte
deshalb häufiger die Nähe zu Menschen und Siedlungen, so der Kreisjagdberater
Werner Wittich. „Das ist der erste Vorfall dieser Art in unserer Region“.
red/tag24.de
Unwort des Jahres 2017
„Geburten-Dschihad“ als Vorschlag eingereicht
Das „Unwort des Jahres 2017“ soll am 16. Januar in Darmstadt
bekanntgegeben werden.
Foto: Stephan Jansen
Darmstadt – Unter den Vorschlägen für das nächste „Unwort des Jahres“ sind
Begriffe wie „Geburten-Dschihad“ und „Krawall-Touristen“ im Rennen. Dies
teilte die sprachkritische Jury in Darmstadt mit. Die erste Bezeichnung stammt
aus der Diskussion über eine angebliche Islamisierung Deutschlands, die zweite
steht im Zusammenhang mit der Gewalt beim G-20 Gipfel in Hamburg. Beide
Begriffe waren bis etwa Mitte Oktober jeweils drei Mal eingegangen. Das Un-
wort des Jahres 2017 soll am 16. Januar 2018 in Darmstadt bekanntgegeben
werden. Für 2016 war der Begriff „Volksverräter“ gewählt worden. Bisher gin-
gen 381 Einsendungen ein, weniger als üblich. Vorschläge können bis zum 31.
Dezember 2017 an folgende Mail-Adresse geschickt werden: vorschlaege@
unwortdesjahres.net. Die Jury besteht im Kern aus vier Sprachwissenschaftlern
und einem Journalisten. Sie richtet sich nicht nach der Häufigkeit der Vorschlä-
ge, sondern entscheidet unabhängig.
dpa/red
Behinderte wollen wählen
Wahlrechtsausschlüsse verfassungswidrig?
Wahlhelfer sortieren Stimmzettel in einem Wahllokal.
Foto: Friso Gentsch
Berlin – Mehr als 80000 Menschen mit Behinderung durften bei der Bundestagswahl
am 24. September erneut nicht wählen. Dagegen haben jetzt sieben Menschen
mit Behinderung Einspruch beim Bundestag erhoben. „Wir halten die Wahlrechts-
ausschlüsse für verfassungswidrig“, sagt die Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, Ulla
Schmidt, MdB. Der Wahlrechtsausschluss gilt für Menschen, die eine Betreuung in
allen Angelegenheiten haben. Außerdem ist von der Wahl ausgeschlossen, wer sich
im psychiatrischen Maßregelvollzug befindet, weil er oder sie aufgrund einer Krank-
heit oder Behinderung schuldunfähig ist und krankheitsbedingt weitere Taten drohen.
Ulla Schmidt weist zudem darauf hin, dass Deutschland keine Wahlpflicht habe. „Wer
nicht wählen will oder kann, braucht es nicht zu tun. Aber wer eindeutig den Willen
bekundet, wählen zu wollen, der muss dafür die notwendige Unterstützung wie
Wahlassistenz oder Informationen in leichter Sprache erhalten.“, so Schmidt.
red
Kohle aus Geflügelkot
Israelische Forscher entwickeln neues Verfahren
Hühnerkot könnte die Treibhausgasemission verringern
.
Foto: fotolia
Tel Aviv – Forscher aus Israel verwandeln Exkremente von Geflügel in Hydro-Kohle
um und könnten damit in Zukunft etwa zehn Prozent der Kohle bei der Stromher-
stellung ersetzen, so Professor Amir Gross von der Universität Ben Gurion (BGU)
in Beerscheva. Geflügelkot ist eine Belastung für die Umwelt und enthält Krank-
heitserreger. Mit dem Verfahren, Hydro-Kohle zu produzieren, löse man dieses
Problem. Diese könne eine Alternative zu fossilen Brennstoffen sein. Die Forscher
verglichen die Herstellung von Bio-Kohle, die in der Regel aus Pflanzenresten her-
gestellt wird, mit der von Geflügelkot hergestellten Hydro-Kohle – die Schlussfol-
gerung daraus ist, dass Hydro-Kohle mit weniger Energie und Umweltbelastung
hergestellt werden könne. Außerdem produziere sie 24 Prozent mehr Energie als
Bio-Kohle.
Bei der Verbrennung von Hydro-Kohle entstehen grob gerechnet rund
ebenso viele Kohlendioxidmolekühle, wie die Pflanze zum Wachsen der Körner aus
der Luft gezogen hat.
dpa/red
Kampf gegen Menschenhandel
Sicherheit für „versklavte Frauen“ gefordert
Fünf-Punkte-Plan gegen Gewalt an Frauen vorgestellt.
Foto: epa Ulises Rodriguez
Berlin – Selbstverteidigungskurse für Mädchen und Aussteigerprogramme
für Zwangsprostituierte: Die Bundesregierung hat einen Fünf-Punkte-Plan
gegen Gewalt an Frauen vorgestellt. Der Fokus liegt dabei auf der Prä
vention in Afrika, aber auch auf dem Kampf gegen Menschenhandel un
Zwangsprostitution in Deutschland. Es sei nicht zu akzeptieren, dass es
auch in Deutschland „versklavte Frauen“ gebe, sagte der geschäftsführend
Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU). Die Gründerin der Hilfs
organisation Solidarität mit Frauen in Not (Solwodi), Ordensschwester Le
Ackermann, forderte Sprachkurse und sichere Aufenthaltstitel für frühere
Zwangsprostituierte, die als Zeuginnen vor Gericht gegen Menschenhänd
ler aussagen. Solwodi betreibt in Deutschland Beratungsstellen und neun
Schutzhäuser. Alleine im vergangenen Jahr hätten dort 2 300 Frauen aus
104 Ländern Hilfe gesucht.
dpa/red
Japan: Hochzeit für Prinzessin
Prinzessin Mako wird durch Heirat zur Privatperson
Die japanische Prinzessin Mako folgt ihrem Herzen und will bald
heiraten.
Foto: kyodo
Tokio – Die japanische Prinzessin Mako wird ihren Studienfreund Kei Komuro am
4. November kommenden Jahres heiraten. Diesen Termin gab das kaiserliche
Haushofamt bekannt. Die 26-jährige Tochter von Prinz Akishino, dem jüngeren
Sohn von Kaiser Akihito (83) und Zweiten in der Thronfolge, und seiner Frau Kik
wird durch die Heirat mit einem Bürgerlichen zur Privatperson. Das verlangt das
kaiserliche Gesetz von den Frauen so. Es wird erwartet, dass Kaiser Akihito der
Hochzeit seiner Enkelin in Tokios vornehmem Imperial Hotel beiwohnen wird
Das hat es im modernen Japan noch nie gegeben. Der Monarch wird im Frühjahr
2019 auf eigenen Wunsch abdanken. Damit ist er der erste Tenno seit rund 200
Jahren, der zu Lebzeiten abtritt. Über den genauen Termin wird der Haushofrat
am 1. Dezember beraten, danach entscheidet die Regierung. Demnach würde
Akihitos ältester Sohn, Kronprinz Naruhito, neuer Kaiser.
dpa/red
Glyphosat bleibt
Neuzulassung führt zu Streit in der Regierung
Der Streit über die Neuzulassung des Unkrautgiftes Glyphosat
zieht sich bereits seit Monaten hin.
Foto: Patrick Pleul
Brüssel – Das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat soll noch fünf Jahre
in Europa auf dem Markt bleiben. Die EU-Länder billigten diesen Vorschlag mehr-
heitlich. Die EU-Kommission will ihn nach eigenen Angaben rasch umsetzen. Dass
letztlich auch Deutschland zustimmte, führte aber sofort zu offenem Streit in der
noch amtierenden Bundesregierung. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks
(SPD) zeigte sich empört über Agrarminister Christian Schmidt (CSU). Der Zwist
könnte Gespräche von Union und SPD über eine Neuauflage der großen Koalition
belasten. Die Verlängerung ist nicht nur bedeutend für Landwirtschaft und Verbrau-
cher, sondern auch für den deutschen Chemieriesen Bayer, der den Glyphosat-Er-
finder Monsanto übernehmen will. Glyphosat ist ein sehr wirksames Unkrautgift und
wird weltweit in großen Mengen in der Landwirtschaft eingesetzt. Einige Wissen-
schaftler sehen jedoch ein Krebsrisiko. Mehr als eine Million Bürger in der EU haben
gegen eine weitere Zulassung des Mittels unterschrieben.
dpa/red
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