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30. November 2017 -
pRESSE
sPIEGEL
„Mladic nimmt das Urteil
zu lebenslanger Freiheits-
strafe ohne Reue entge-
gen:“
„Am Mittwoch haben
die Richter des Internationalen
Strafgerichtshofs für das ehema-
lige Jugoslawien den 74-jährigen
ehemaligen Armeegeneral Rat-
ko Mladic zu lebenslänglicher
Haft verurteilt. Sie sehen es als
erwiesen an, dass Ratko Mladic
direkt verantwortlich ist für den
Völkermord von Srebrenica,
den Terror gegen das belagerte
Sarajevo, die „ethnische Säube-
rung“ serbisch besiedelter Teile
Bosniens sowie die Geiselnah-
me von Uno-Friedenssoldaten,
um ein Ende der Nato-Luftan-
griffe zu erzwingen. Es sei klar,
dass Mladic die muslimischen
Bosnier in verschiedenen Teilen
des Landes auslöschen wollte.“
„Es
überwiegt
der
Schmerz“:
Nedim Salahare-
vic hat erleben müssen, wel-
che Grausamkeiten Menschen
anderen Menschen antun kön-
nen, selbst wenn es die eige-
nen Nachbarn sind. Der heute
38 Jahre alte Mann lebte 1992
mit seiner Familie in Vlasenica,
einem multiethnischen Städt-
chen imOsten Bosniens, als der
Krieg über sie hereinbrach. „Die
Serben, mit denen wir jahrelang
friedlich zusammen gelebt ha-
ben, haben Jagd auf uns und an-
dere Muslime im Ort gemacht“,
erinnert sich der großgewach-
sene Mann und blickt über die
Dächer der Stadt Tuzla, wo er
heute lebt.
„Mladic wegen Völkermor-
des zu lebenslanger Haft
verurteilt“:
„Der Bosnien-Un-
terhändler Richard Holbrooke
sah in Mladić die Idealbesetzung
eines Kriegsverbrechers für einen
Hollywood-Film, er beschrieb ihn
als „charismatischen Mörder“. Pri-
vat gab sich der General dagegen
gern als Biedermann, der Blumen
liebt und Bienen züchtet. Im Kreis
der Familie entspannte er beim
Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel.“
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Ein Leben ohne Bargeld: Für
die Befürworter ist das der lo-
gische nächste Schritt in einer
modernen Welt, für die Gegner
ein kaum vorstellbares Szena-
rio. Nicht nur in Deutschland
wird darüber gestritten: Soll
man Bargeld einschränken?
Ganz darauf verzichten? Oder
an Münzen, Scheinen und Co.
festhalten? Ein Überblick über
aktuelle Trends und Erfahrun-
gen.
Neu Delhi:
Zahlreiche Analysten haben Indien
wegen seiner radikalen Bargeld-Re-
form kurzfristige Wachstumseinbußen
vorhergesagt. Am 9. November hatte
die indische Regierung ohne Vorwar-
nung alle Geldscheine im Wert von
mehr als 100 Rupien (1,38 Euro) für
ungültig erklärt. Neues Bargeld erhält
nur, wer die alten Scheine vorher auf
ein Konto einzahlt. Ziel der Aktion ist
es, die bei Fiskus und Behörden nicht
gemeldete Schattenwirtschaft einzu-
dämmen. Auch wenn viele Analysten
damit rechnen, dass die Reform auf
lange Sicht der indischen Wirtschaft
helfen wird, sind die Prognosen für
die kurzfristigen Auswirkungen haupt-
sächlich negativ.
Größter Kritikpunkt ist, dass die arme
Landbevölkerung keine Gelegenheit
zum Umtausch des alten Geldes
habe. Die Mehrheit der ländlich le-
benden Inder hat kein Bankkonto.
Auch in den Städten herrscht immer
noch Bargeld-Knappheit. Die meisten
Bankfilialen sind überlaufen, die mei-
sten Geldautomaten leer.
Rom:
Italien wird ab dem 1. Januar keine 1-
und 2-Cent-Münzen mehr prägen.
Die kleinsten Euro-Cent-Geldstücke
sollen abgeschafft werden, entschied
die zuständige Bilanzkommission der
Abgeordnetenkammer in Rom.
Die Demokratische Partei von Ex-
Ministerpräsident Matteo Renzi hat-
te einen entsprechenden Vorschlag
eingebracht. Zur Begründung hieß
es, die kleinen Münzen seien sehr
kostspielig für den Handel. Kritiker
bemängeln schon lange die hohen
Herstellungskosten im Vergleich zum
Materialwert sowie die Unhandlich-
keit der winzigen Geldstücke.
Brüssel:
Im Kampf gegen Terrorfinanzierung
und Geldwäsche loten Finanzmini-
ster Wolfgang Schäuble (CDU) und
andere EU-Finanzminister seit län-
gerem abgestimmte Bargeld-Ober-
grenzen in Europa aus. In mehreren
EU-Staaten gelten bereits Grenzen
für Bargeld-Zahlungen. Die Europä-
ische Zentralbank (EZB) will ab Ende
2018 keine 500-Euro-Scheine mehr
ausgeben, um den Kampf gegen Ter-
rorfinanzierung und Geldwäsche zu
stärken. Es geht in der Debatte um
Obergrenzen nicht darum, Bargeld
abzuschaffen. Das Bundesfinanzmi-
nisterium argumentierte bisher, dass
sich der weit überwiegende Anteil
an Bargeldgeschäften unterhalb der
diskutierten Schwellen abspiele. Im
Alltag wäre eine solche Begrenzung
kaum zu spüren. Eine Zahlungsgren-
ze ziele auf eine sehr kleine Zahl von
Transaktionen. Die diskutierten Rege-
lungen beträfen auch keine alltäglichen
Transaktionen zwischen Privatleuten.
Berlin:
Deutschland gilt als eine Hochburg für
Geldwäsche. Der Umfang wird auf
mehr als 100 Milliarden Euro im Jahr
geschätzt. Es geht um Erlöse aus ille-
galen Quellen, die bevorzugt als Bar-
geld in die legale Wirtschaft fließen: in
Haus- und Wohnungskäufe, Kunst,
Möbel, Restaurants oder Schmuck.
Kritiker bezweifeln, dass mit Bargeld-
Obergrenzen Kriminalität bekämpft
werden kann. „Es ist zu befürchten,
dass solche Obergrenzen vor allem
normale Bürger und normale Aktivi-
täten betreffen, da Schattenwirtschaft
und Kriminalität sich der Überwa-
chung leichter entziehen beziehungs-
weise alternative Zahlungsmethoden
aufbauen können“, heißt es einem
in Berlin vorgelegten Gutachten des
Wissenschaftlichen Beirates beim
Bundeswirtschaftsministerium.
Kleve:
Knapp eineinhalb Jahre nach dem
Start einer Initiative zur Abschaffung
des Kleingelds steht das Projekt in
Kleve am Niederrhein möglicherwei-
se bereits wieder vor dem Aus. Mit
dem Slogan „Geehrte Kunden, wir
RUNDEN“, waren in Kleve zunächst
rund 80 Kaufleute an den Start ge-
gangen. Krumme Rechnungsbeträge
sollten dabei mit dem Einverständnis
der Kunden auf 5 Cent auf- oder ab-
gerundet werden.
Angesichts des immer wiederkehren-
den Erklärungsbedarfs bei den Kun-
den hätten einige Händler nun jedoch
eine negative Bilanz gezogen. Betrof-
fen davon seien etwa Geschäftsleute,
in deren Läden viele krumme Sum-
men kassiert werden müssten, wie
etwa Bäcker.
Generell gibt es in Deutschland nach
Angaben der Bundesfinanzministeri-
ums derzeit keine Überlegungen, na-
tionale Rundungsregeln einzuführen.
Der Umlauf des Kleingeldes steigt,
obwohl Belgien, Finnland, Irland und
die Niederlande bereits Rundungsre-
geln für den nationalen Bargeldver-
kehr eingeführt haben.
Frankfurt/Main:
Führende Notenbanker haben davor
gewarnt, dass Europa bei der Einfüh-
rung neuer digitaler Bezahlsysteme
ins Hintertreffen gerät.
Bezahlen in Echtzeit, zum Beispiel
per Smartphone an der Ladenkasse,
dürfte für die kommende Generation
das Zahlungsmittel erster Wahl sein,
sagte EZB-Direktoriumsmitglied Yves
Mersch voraus.
Der Handel verspreche sich gerin-
gere Kosten im Vergleich mit heuti-
gen Kartenzahlungen. Beliebtestes
Zahlungsmittel der Verbraucher in
Deutschland ist an der Ladenkas- se allerdings nach wie vor Bargeld
In Dänemark sei dagegen auf neu
von zehn Smartphones bereits eine
Instant Payment App installiert. Dort
könne inzwischen auch auf dem Wo
chenmarkt mobil und in Echtzeit be
zahlt werden.
dpa/red
Berlin – Trotz hoher Kosten für Herstellung und Verteilung wollen die
deutschen Banken Bargeld im täglichen Zahlungsverkehr nicht zurück-
drängen. „Wenn der Kunde mit Bargeld zahlen möchte, sehen wir es
nicht als unsere Aufgabe an, ihn davon abzubringen“, sagte der Haupt-
geschäftsführer des Bankenverbandes, Michael Kemmer. So gebe es
auch keinen Rückgang bei der Zahl der Geldautomaten. „Das ist bei
uns anders als in den skandinavischen Ländern: Die Leute lieben das
Bargeld, sie zahlen gerne noch mit Scheinen und Münzen – das hat in
Deutschland eine kulturelle Tradition“, stellte Kemmer fest. An Kassen
und Automaten werde noch überwiegend bar bezahlt. „Das sind nach
aktuellen Zahlen 78 Prozent der Transaktionen, die noch bar abgewic-
kelt werden und über 50 Prozent des Umsatzes.“
Im Jahr 2008 seien noch 82 Prozent Barzahlungen gewesen, mit denen
58 Prozent des Umsatzes gemacht worden seien „Das Bargeld hat also
schon noch einen signifikanten Anteil, aber er ist rückläufig. Die Zahl der
Kartenzahlungen geht entsprechend nach oben.“
„Klar ist auch, dass die Bargeldhaltung für die Banken sehr teuer ist“,
stellte der Verbandsgeschäftsführer fest. „Es fallen Kosten für Mitarbeiter,
Anschaffungskosten für Geldautomaten, Zählmaschinen und Kosten für
die Echtheitsprüfung, Versicherung et cetera an.“ Letzlich sei es aber die
Entscheidung des Kunden, ob er bargeldlose Zahlungsmittel nutze oder
lieber bar zahle. „Wir wollen da niemanden bevormunden.“
Kemmer nannte die Sorge älterer Menschen, künftig Bankgeschäfte nur
noch online machen zu können, unbegründet. „Das wird sich allerdings
auch auswachsen“, argumentierte der Bankenlobbyist. „Schon heute ist
die Generation der 60-jährigen mit Online-Banking vertraut. In 20 Jah-
ren wird keiner mehr kommen und sagen ‚Oje, jetzt kann ich nur noch
Online-Banking machen‘, dann ist die digitale Welt für jeden selbstver-
ständlich.“
„Die Leute lieben das Bargeld“
Bankenverband setzt weiter auf Scheine und Münzen
In Deutschland wird noch relativ häufig mit Bargeld bezahlt. Trotzdem steigt die Zahl der Kartenzahlungen.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand
Kritiker bemängeln die hohen Herstellungskosten im Vergleich
zum Materialwert der winzigen Geldstücke.
Foto: Patrick Pleul
Cash contra Karte
In der Diskussion rund um Abschaffung oder Begrenzung des Bargeldes scheiden sich die Geister
Italien schafft 1- und
2-Cent-Münzen ab
EZB gibt bald keine
500-Euro-Scheine mehr
heraus
Deutschland gilt als Hoch-
burg für Geldwäsche
Initiative zur Abschaf-
fung des Kleingelds vor
dem Aus
In Dänemark haben
neun von zehn Smart-
phones eine Payment
App installiert
1 3,4,5,6,7,8,9,10,11,12,...18
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