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NEWS
wirtschaft
S. 8
2. November 2017 -
Bonn/Aachen – Die StreetScoo-
ter GmbH baut ihr Engagement
in der E-Mobilität und der Ent-
wicklung alternativer Antriebs-
konzepte weiter aus.
Wie das Tochterunternehmen des
Logistikkonzerns Deutsche Post DHL
Group bestätigte, wird es in Düren
ein zweites Werk mit einer Produk-
tionskapazität von bis zu 10.000 E-
Fahrzeugen pro Jahr errichten. Die
Produktion auf dem rund 78.000
Quadratmeter großen Gelände des
Autozulieferers Neapco wird im
zweiten Quartal 2018 starten.
Der neue Standort bietet bis zu 250
Beschäftigten Arbeit. Mit den beiden
Werken in Aachen und Düren wird
StreetScooter dann die in diesem Jahr
angekündigten Produktionskapazitä-
ten von bis zu 20.000 E-Fahrzeugen
pro Jahr erreicht haben, ein weiterer
Ausbau wäre bei Umstieg auf einen
Zwei- oder sogar Drei- Schicht-Be-
trieb möglich.
Jürgen Gerdes, Konzernvorstand
Post – eCommerce – Parcel von
Deutsche Post DHL Group, erklärt:
„Wir zünden jetzt bei StreetScooter
die nächste Entwicklungsstufe und
zeigen, welch großes Innovationspo-
tenzial in Deutsche Post DHL steckt.
Unser Ziel ist und bleibt, Marktführer
in der grünen Logistik zu sein. Dabei
setzen wir weiter auf E-Mobilität,
aber auch auf andere alternative An-
triebskonzepte, um die Treibhausgas-
emissionen weiter zu senken.“
Deutsche Post testet Autos mit
Brennstoffzellen-Antrieb
Vor dem Hintergrund, dass sowohl
für die Deutsche Post DHL Group
als auch für einige Drittkunden die
wirtschaftliche Erreichung höherer
Reichweiten für ergänzende Anwen-
dungen wünschenswert wäre, wer-
den die aktuell verfügbaren Modelle
ab sofort auch mit höherer Leistung
produziert: Zusätzlich zu den weiter-
hin erhältlichen Fahrzeugen mit einer
Höchstgeschwindigkeit von rund 85
km/h und einer Reichweite von 80
Kilometern wird es künftig auch bis
zu 120 km/h schnelle Varianten mit
einer Reichweite von 200 Kilometern
geben. Außerdem wird die Deutsche
Post in den nächsten beiden Jahren
auch erstmals einige hundert Fahr-
zeuge des Typs StreetScooter WORK
L mit Brennstoffzellen-Antrieb testen.
Diese könnten Reichweiten über
500 Kilometer erreichen und damit
ganz neue Nutzungs- und Vertriebs-
möglichkeiten eröffnen.
Test mit Künstlicher Intelligenz
Im Jahr 2018 soll zudem eine au-
tonom fahrende Testflotte starten,
die mit Technik von Nvidia und ZF
ausgestattet ist. Die Steuerbox der
Testflotte verfügt über Künstliche In-
telligenz, der Zulieferer ZF hat sie
gemeinsam mit Nvidia entwickelt.
Kameras, Lidar- und Radarsensoren
liefern Daten und Bilder, mit denen
die Software ihrer Umgebung wahr-
nimmt und interpretiert. So sollen die
Fahrzeuge selbstständig umparken
und ihre Route planen. Einen Proto-
typ haben DHL und ZF während der
Nvidia-Entwicklerkonferenz GTC in
München vorgestellt.
Branchenspezifische Lösungen
Im Drittkundenvertrieb setzt StreetS-
cooter vermehrt auf branchenspezifi-
sche Lösungen. Bestes Beispiel ist das
sogenannte „Bakery Vehicle One“
(BV1), ein elektrischer 3,5-Tonner,
der gemeinsam mit Bäckerei-Unter-
nehmen für Bäckereien und andere
Gewerke entwickelt wurde. Auf-
grund erfolgloser Suche nach einem
elektrisch betriebenen, erschwingli-
chen E-Transporter für ihre Zwecke
hatten sich rund 200 Handwerksbe-
triebe in der „E-Transporter-Selbst-
hilfegruppe“ zusammengeschlossen
und eine entsprechende Ausschrei-
bung für ein passendes E-Fahrzeug
gestartet, an der sich auch das Un-
ternehmen StreetScooter beteiligte.
Das Ergebnis: Zehn Versionen mit
jeweils zwei Batteriegrößen des BV1
sind ab sofort bestellbar, alle Fahrge-
stell-Varianten baut StreetScooter in
Zusammenarbeit mit der Firma TBZ
Fahrzeugbau.
Mehr als hundert
Vorbestellungen
Die Preise starten bei 42.950 Euro
(also 38.950 Euro bei abgezogenen
4.000 Euro Umweltbonus). Mehr al
hundert Vorbestellungen sind bereits
bei StreetScooter eingegangen. Wei
tere Branchen, die ebenfalls Bedarf
an kundenindividuellen E-Transpor
tern haben und mit denen StreetS
cooter im Gespräch oder bereits
in Geschäftsbeziehungen ist, sind
Energieversorger,
Entsorgungsun
ternehmen, Kommunen, aber auch
Flughäfen, Facility Management- oder
Catering-Unternehmen.
Dabei kommen für jeden einzelnen
Nutzungszweck maßgeschneiderte
Varianten zum Einsatz, etwa mit va
riablen Laderäumen inklusive Strom
versorgung, Kühlaufbauten oder
Kipp-Ladeflächen. Achim Kampker,
CEO StreetScooter GmbH, erläutert:
„Mit der gesteigerten Produktionska
pazität können wir die große Nach
frage von Drittkunden nach unsere
E-Fahrzeugen nun noch besser und
schneller bedienen. Zudem versetzt
uns unsere Branchenorientierung und
Flexibilität in der Produktionsweise in
die Lage, für unsere Kunden aus der
Industrie, den Kommunen und dem
Handwerk ein für ihre Zwecke maß
geschneidertes Elektrofahrzeug zu
erschwinglichen Preisen produzieren
zu können. Das ist einmalig im Markt
der Nutzfahrzeuge.“
dhl/nvidia/red
DHL-Testflotte fährt bald autonom
Elektrotransporter „StreetScooter“ der Deutschen Post ab 2018 mit Brennstoffzelle und Künstlicher Intelligenz
Der StreetScooter wird bald auch mit Brennstoffzellen-Antrieb getestet.
Fotos: dhl
Bonn – Die hohe Transparenz
des Benzinmarktes hat den
Wettbewerb an den Tankstel-
len einer Studie zufolge ver-
schärft.
Seitdem die Autofahrer die aktuel-
len Preise aller Tankstellen auf dem
Smartphone vergleichen können,
tanken sie vermehrt in Preistälern,
heißt es in einem Beitrag des Düs-
seldorfer Wettbewerbsökonomen
Prof. Justus Haucap und weiterer
Autoren, der in der Fachzeitschrift
„Wirtschaftsdienst“
veröffentlicht
wurde. Die Studie wurde vom Mi-
neralölwirtschaftsverband (MWV)
finanziell unterstützt.
Kompletter Marktüberblick
Haucap gehörte in seiner früheren
Funktion als Vorsitzender der Mo-
nopolkommission zu den Wegbe-
reitern der Markttransparenzstelle
für Kraftstoffe (MTS-K), die im De-
zember 2013 ihren Betrieb beim
Bundeskartellamt aufnahm. Seitdem
sind die Tankstellen verpflichtet, ihre
Preise topaktuell zu melden. Die
MTS-K stellt diese offiziellen Daten
dann den Anbietern von Smart-
phone-Apps zur Verfügung und der
Verbraucher bekommt damit den
kompletten Marktüberblick über die
Preise.
Ware mit größter Transparenz
Eine solche Markttransparenz gibt
es in vergleichbarer Form für kei-
ne andere Ware. Die Einführung
der MTS-K ist deshalb nicht nur für
Verbraucher interessant, sondern
auch für Ökonomen. Im Vorfeld gab
es eine Diskussion, ob der Wett-
bewerb intensiver werden würde
oder im Gegenteil das Verhalten
der Anbieter gleichförmiger, weil sie
ebenfalls jederzeit über die Preise
der Konkurrenz informiert sind. Ein
solches unbewusstes Zusammen-
spiel nennen die Wissenschaftler
Kollusion.
Benzin zu Tiefstpreisen
Haucap und seine Mitautoren ha-
ben nun ermittelt, dass die Tank-
stellen in vier untersuchten Städten
(Hamburg, Köln, Leipzig, München)
nach der Einführung der Smartpho-
ne-Apps im Durchschnitt 6,5 Mal
am Tag ihre Preise änderten. Vorher
hatte es nur 3,9 Preisänderunge
pro Tag gegeben. Fast 60 Prozent
des verkauften Benzins wurde zu
günstigen Preisen abgegeben, davon
deutlich mehr als die Hälfte sogar zu
absoluten Tiefpreisen.
3,24 Cent je Liter gespart
Für die Autofahrer zahlte sich ih
marktgerechtes Verhalten aus: Sie
sparten durch das gezielte Ausnut
zen der Preistäler 3,24 Cent je Liter
gegenüber dem Durchschnittspreis
der Tankstellen. Auch zuvor hatten
schon viele Autofahrer versucht,
günstige Momente an den Zapfsäu
len abzupassen und sich billig mit
Sprit zu versorgen. Sie hatten aber
nur 1,47 Cent je Liter weniger als
den Durchschnittspreis gezahlt.
„Alle Anzeichen sprechen dafür,
dass der Wettbewerb intensiver
geworden ist und Verbraucher die
Preisunterschiede stärker ausnutzen
als in der Vergangenheit“, heißt es in
der Studie.
dpa/red
Die hohe Transparenz des Benzinmarktes verstärkt den Wettbewerb an den Tankstellen.
Foto: Christophe Gateau
Per App zur günstigsten Tankstelle
Autofahrer profitieren von Benzinpreis-Vergleich mit dem Smartphone
Mit den beiden Werken in Aachen und Düren wird StreetScooter die in diesem Jahr angekündigten Produkti-
onskapazitäten von bis zu 20.000 E-Fahrzeugen pro Jahr erreicht haben.
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