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NEWS
wirtschaft
2. November 2017 -
S. 7
Für unsere Wintergetränke stellen
wir nach alten Hausrezepten die
Gewürzmischungen selbst her. Wie
Zuhause werden die Gewürze zuerst per
Hand zerkleinert und dann der Gewürzsud
mit Wein, Apfelwein oder Apfelsaft zu einem wohlschme-
ckenden Wintergetränk verarbeitet.
Tun Sie sich und Ihrer Familie etwas Gutes!
Wissen Sie wo
der Unterschied
herkommt?
Probieren Sie auch unsere anderen
Winter-Spezialitäten:
Schneeweißer, Punsch,
Glühwein
Die regionale Kelterei
Piding – Vorstand und Geschäfts-
führung der Molkerei Berchtes-
gadener Land verankern ein Gly-
phosat-Verbot.
Die Zulassung von Glyphosat läuft
Ende 2017 aus. Die wissenschaftliche
Bewertung hierzu ist kontrovers. Das
zuständige Expertengremium der EU-
Länder hat vergangene Woche nicht
– wie angekündigt – über eine weitere
Zulassung des Unkrautvernichters ab-
gestimmt, sondern seine Entscheidung
vertagt. Die Kommission will in den
nächsten Wochen „weiter mit den Mit-
gliedsstaaten an einer Lösung arbeiten,
die größtmögliche Unterstützung hat“,
hieß es.
Während der zuständige EU-Fach-
ausschuss eine Entscheidung über ein
Verbot bzw. die umstrittene Zulas-
sungsverlängerung von Glyphosat also
erneut vertagte, fällte der Aufsichtsrat
der Molkerei Berchtesgadener Land
eine klare, einstimmige Entscheidung:
Mit sofortiger Wirkung wird die An-
wendung jeglicher Totalherbizide in
der Grünland- und Ackerbaubehand-
lung verboten.
Das Glyphosat-Verbot gilt damit ab
sofort für alle 1800 Genossenschafts-
mitglieder, deren Milch in Piding verar-
beitet wird. Geschäftsführer Bernhard
Pointner, der gemeinsam mit dem
Vorstand diese Entscheidung vorbe-
reitet und empfohlen hat: „Es gibt in
unserem Milcheinzugsgebiet keine
Notwendigkeit, ein Totalherbizid ein-
zusetzen, dessen wissenschaftliche Be-
wertung hinsichtlich Auswirkungen auf
Mensch und Umwelt kontrovers ist.“
Mit dieser Entscheidung geht die mit-
telständische Molkereigenossenschaft
konsequent den Weg, ihr Wirtschaften
an den Leitplanken der Nachhaltigkeit
auszurichten. Bereits 2010 entschied
man sich für gentechnikfreie Fütterung.
Die Landwirte erhalten seit Jahren ei-
nen fairen Preis für ihre Milch, in der
viel Arbeit steckt. Die Kunden erhalten
ein Produkt bester Qualität.
Die beschlossenen Regelungen wer-
den in die Milchlieferbedingungen auf-
genommen und die Einhaltung über
das bestehendeQualitätsmanagement-
Tool QSSM extern überwacht. „Die
Wertschätzung, die Bürger und Bür
gerinnen mit dem Kauf unserer Milch
produkte den Landwirten gegenüber
zum Ausdruck bringen, ist für uns eine
Verpflichtung. So auch diese Entschei
dung, entgegen dem Gesetzgeber, der
den Einsatz der umstrittenen Totalher
bizide zulässt“, so Bernhard Pointner.
„Ich kann hinter dem Hinauszögern ei
ner Entscheidung der Politiker nur star
ke Lobbykräfte vermuten und fordere
deshalb die deutsche Politik auf, sich
endlich für ein schnelles Glyphosat-
Verbot stark zu machen.“
Die Molkerei Berchtesgadener Land
ist eine renommierte Molkereigenos
senschaft mit rund 1800 Landwirten
zwischen Watzmann und Zugspitze im
Grünlandgürtel der Alpen. Knapp 500
Landwirte wirtschaften heute scho
anerkannt ökologisch. Die Molkereiver
treter stellen sich ihrer Verantwortung
gegenüber Mensch, Tier und Umwelt
und verfolgen konsequent und trans
parent Nachhaltigkeitsziele. Für ihr au
ßerordentliches Nachhaltigkeitsengage
ment ist die Molkerei Berchtesgadener
Land als mittelgroßes Unternehmen für
den 10. Deutschen Nachhaltigkeitspreis
nominiert, der im Dezember verliehen
wird.
red
Molkerei verankert Glyphosat-Verbot
Unternehmen „Berchtesgadener Land“ untersagt Einsatz von Glyphosat in Milchlieferbedingungen mit sofortiger Wirkung
Bernhard Pointner, Geschäftsführer der Milchwerke Berchtesgadener Land Chiemgau eG: „Es gibt in unserem Milcheinzugsgebiet
keine Notwendigkeit, Glyphosat einzusetzen. Dieser Meinung sind auch unser Vorstand und Aufsichtsrat und haben sich heute ein-
stimmig für das sofortige Glyphosat-Verbot ausgesprochen.“
Foto: Molkerei BGL
„Auch die
Bundesregierung soll
sich gegen
Verlängerung der
Glyphosat-Zulassung
aussprechen.“
Riad – Für dem Umbau seiner
Wirtschaft investiert das Kö-
nigreich Saudi-Arabien 500
Milliarden Dollar (425 Milli-
arden Euro) in den Bau einer
futuristischen Megastadt am
Roten Meer.
„Neom“ soll mit 26 500 Quadrat-
kilometern Fläche größer werden
als Mecklenburg-Vorpommern. Der
saudi-arabische Kronprinz Moham-
med bin Salman stellte das Megapro-
jekt in Riad vor. Geschäftsführer wird
der frühere Siemens-Chef Klaus
Kleinfeld.
„Neom“ ziele durch die Förderung
von neun Wirtschaftsbereichen wie
Biotechnologie, Energie und Wasser
oder die mediale Entwicklung darauf
ab, die Ökonomie des Landes brei-
ter aufzustellen. „Wir wollen in 15
Jahren nicht herausfinden, dass wir
eine Chance verpasst haben“, sagte
der einflussreiche Kronprinz bei ei-
ner Podiumsdiskussion der „Future
Investment Initiative“ der Überset-
zung zufolge. Sein Land stehe unter
Druck, innovative Ideen in einer kur-
zen Zeit zu liefern.
Das Projekt ist Teil des groß angeleg-
ten saudi-arabischen Wirtschaftsum-
baus „Vision 2030“, mit dem neue
wirtschaftliche Felder angesichts der
knapper werdenden Rohstoffe und
dauerhaft niedrigen Ölpreisen er-
schlossen werden sollen.
Das Budget für das Projekt ist mit
425 Milliarden Euro in etwa so hoch
wie das Bruttoinlandsprodukt von
Polen. Die erste Bauphase soll 2025
abgeschlossen sein. „Neom“ werde
„neue Arbeitsstellen schaffen und zu
einem wachsenden Bruttoinlands-
produkt im Königreich beitragen“,
hieß es. Die Monarchie erhofft sich
mit dem Projekt vor allem, ausländi-
sche Investoren und Kapital an Land
zu ziehen. Die sehr guten Beziehun-
gen von Mohammed bin Salman in
die USA werden in dieser Beziehung
als Vorteil gesehen.
Der deutsche Top-Manager hatte
zuletzt den US-Metallkonzern Arco-
nic geführt und war dort über einen
Streit mit Investoren gestürzt. Auf der
Podiumsdiskussion sagte Kleinfeld, er
denke über das Projekt weniger als
Stadt, sondern als viele Dörfer und
Gemeinschaften, die zusammen „ei-
nen Haufen Geld verdienen“ könn-
ten. Nach dieser Äußerung lächelte
der Kronprinz ihn breit an.
Das „Neom“-Projekt soll im Nord-
westen des Landes in direkter Nähe
der Ägyptischen Sinai-Halbinsel und
dem Königreich Jordanien aufgebaut
werden. Teil des Vorhabens ist auch
eine riesige Brücke über das Rote
Meer nach Ägypten, die „Asien und
Afrika verbinden soll“.
Für Zorn im Nachbarland Ägypten
könnten die auf einem Satellitenbild
eingezeichneten Grenzen der neuen
Stadt führen. Diese beinhalten auch
die zwischen den beiden Ländern
umstrittenen Inseln Tiran und Sana-
fir. Die ägyptische Regierung hatte
im April 2016 ein Abkommen mit
Saudi-Arabien unterzeichnet, das die
beiden unbewohnten Inseln im Golf
von Akaba unter Kontrolle der Golf-
monarchie stellen sollte. Das löste
wütende Proteste in der Bevölke-
rung aus.
dpa/red
Megacity am Roten Meer
Wirtschaftliche Entwicklung: Saudi-Arabien plant Stadt „Neom“
Projekt „Neom“: Klaus-Christian Kleinfeld (links) und der saudi-arabische Kronprinz Mohammed
bin Salman.
Foto: dpa
425 Milliarden Euro
Budget: So viel
wie das
Bruttoinlandsprodukt
von Polen.
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