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Hopperla. Da hat aber etwas hohe Wel-
len geschlagen. So ein kleiner Text und
so viel Resonanz. Emails, Anrufe, Zu-
schriften. Warme, dankbare und lobende
Worte. Jemand, der mir auf rührende Art
und Weise berichtet, dass er sich durch
meinen Text dazu ermutigt fühlt, nicht
mehr zu dulden, wenn Hetze, Neid
und Hass offen hinauspo-
saunt werden, sondern
ab jetzt sein Unwohlsein
diesbezüglich nicht mehr
hinunterzuschlucken, son-
dern dies offen aus- und
anzusprechen. Wenn ich
als Autorin solches Feed-
back bekomme, dann weiß
ich: Ich habe nicht nur die
richtigen Worte gefunden, sondern au-
ßerdem den richtigen Beruf. Allerdings:
Wenn das Meer der Emotionen aufge-
wühlt wird, dann gibt es auch tiefe Wel-
lentäler. Neben den Lobgesängen schall-
ten nämlich unüberhörbar auch wütende
und gekränkte Stimmen in die Redaktion.
Ich würde eine ganze Generation verun-
glimpfen, hieß es da. Ich würde die Rent-
ner per se und pauschal verurteilen. Und
da muss ich gleich ein zweites Mal sagen:
Hopperla. Also, das. Nein. Das! Das war
nicht der Sinn und Zweck meines Textes!
Ich kenne einen Haufen sehr netter, lie-
benswerter und großzügiger Rentner, die
sich engagieren, die klug sind, verständig
und die Welt um ein gutes Stück besser
machen. Alte Menschen sind oft wun-
derbar. Eine Bereicherung, dank ihrer
Geschichten und Lebenserfahrungen,
um die ich sie als junger Mensch oft be-
neide. Nur: Die neidige Schachtel, die
ich als Aufhänger für meinen Text über
Neid benutzt habe, gehört halt leider
nicht dazu. Zumindest in dem Moment
nicht, wo sie nach einem Leben in rela-
tivem Wohlstand gegen Ausländer geifert
und – selbst gar nicht von (Alters-)Armut
betroffen – das Bild vom Flaschenpfand
sammelnden Rentner bemüht, um ihren
Alltagsrassismus spektakulär zu unter-
mauern. Dass ich sie eine „neidige, alte
Schachtel“ genannt habe, ist
jetzt aber auch nicht gerade
nett und respektvoll, mö-
gen Sie jetzt denken. Und
da haben Sie recht. Da be-
mühe ich tatsächlich einen
Kraftausdruck. Ich bemühe
einen Kraftausdruck, als Zei-
chen für die Entrüstung, die
mir die Speiseröhre hinauf-
kraxelt, wenn ich bemerke, wozu Men-
schen fähig sind: Siehe die Sache mit dem
Kontoauszug (vgl. Seitenblick veröffent-
licht auf der Titelseite der Ausgabe 386).
Und dann erinnere ich mich daran, dass
Worte von Taten gefolgt werden. Und
ich denke mir, wenn man es schweigend
zulässt, dass Menschen – egal welchen
Alters, egal welchen Geschlechts, egal
mit welchem Teint, egal welcher Kon-
fession oder Konfektion und unabhängig
von den Vereinsfarben – wenn man es
also zulässt, dass egal wer, unreflektiert
Dinge laut ausspricht, die ganz offensicht-
lich verkehrt sind und gegen die Würde
von anderen gehen, dann nimmt man
in Kauf, dass irgendwann die verkehr-
ten Dinge auch getan werden. Dass aus
rassistischen Sprüchen, rassistische Taten
werden. Und das hat mich im Eifer des
Gefechts dazu verleitet, sie als das zu be-
zeichnen, was sie ist. Eine neidige Schach-
tel. Das „alt“, da haben Sie vollkommen
recht, tut da erst mal nichts zur Sache.
NEWS
wirtschaft
5. Oktober 2017 -
S. 9
Lucky Bike = Radlbauer
Das Unternehmen Radlbauer ist in der Region schon lange ein Begriff,
im Norden ist der Fahrradhändler unter dem Namen Lucky Bike be-
kannt. Mit insgesamt 21 Filialen und einem bestens bestückten Onli-
ne-Shop gehört Radlbauer zu den Großen der Branche.
„Wir bieten eine große Auswahl an Markenfahrrädern und Zubehör,
was wir aufgrund unserer Einkaufskonditionen zu besonders günstigen
Preisen anbieten können“ erklärt Stefan Sewald, der die Rosenheimer
Filiale leitet. Doch nicht nur die Produkte stehen im Vordergrund,
auch der Service wird von Radlbauer selbst durchgeführt. „Wir legen
Wert auf eine individuelle Beratung“, sagt Sewald, der stolz darauf ist,
dass der Kunde seine Topkandidaten auf der Indoor-Teststrecke der
Filiale gleich selbst ausprobieren kann.
red
Alles aus einer Hand
Eine riesige Auswahl an Markenfahrrädern zu Top Preisen.
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Seiten
Blick
Von Sabine schreiber
Gestolpert über die „alte Schachtel“
Ein Nachklang zum Seitenblick „Beneidete Flüchtlinge“
Auflagestellen jetzt
auch in Stadt und
Land Mühldorf!
Im Baltikum und in Polen nimmt
aktuell die hoch ansteckende
Afrikanische Schweinepest unter
Wildschweinen zu. Teilweise wur-
den auch Hausschweinebestände
infiziert. Nun breitet sich auch in
Bayern die Sorge aus, die Seuche
könnte sich über die Grenze aus-
breiten. Über Tschechien ist die
Tierseuche inzwischen bis auf 300
Kilometer an Deutschland heran-
gerückt.
Der Deutsche Bauernverband (DBV)
appelliert daher an die zurückkehrenden
Urlauber und an LKW-Fahrer aus ost-
europäischen Ländern mit ihrem Reise-
gepäck kein Schweinefleisch und keine
Wurstwaren nach Deutschland einzu-
führen. In der Tschechischen Republik
und Rumänien wurde die Schweinepest
vermutlich über kontaminierte, weg-
geworfene Wurstbrote auf Wild- und
Hausschweine übertragen. Gegen das
von Wildschweinen und über Lebens-
mittel verbreitete Virus gibt es keinen
wirksamen Impfstoff, so dass bei einem
Ausbruch der Schweinepest in einem
Schweinebestand die Tiere des Betrie-
bes und des Umfeldes getötet werden
müssen, erklärt der DBV. Für Menschen
ist das Virus ungefährlich.
Strikte Maßnahmen bei einem
Ausbruch
Aktuell sieht sich das Friedrich-Löffler-In-
stitut jetzt veranlasst, Empfehlungen für
Maßnahmen bei einem möglichen Aus-
bruch bei Wildschweinen in Deutsch-
land zu geben. So muss bei einem
Nachweis des Virus ein „gefährdeter
Bezirk“ von vorzugsweise 15 Kilometer
Mindestradius um den Abschuss- oder
Fundort gebildet werden und eine in
etwa doppelt so große „Pufferzone“.
In beiden Zonen sind eine Vielzahl an
Maßnahmen der Tierseuchenbekämp-
fung zu ergreifen, um eine weitere
Verbreitung möglichst zu verhindern.
Im „gefährdeten Bezirk“ gehören dazu
ein Verbot der Freilandhaltung von
Hausschweinen, ein Verbot der Ver-
bringung von Gras, Heu und Stroh aus
dem Gebiet in Hausschweinbestände
sowie eine Leinenpflicht für Hunde. In
der „Pufferzone“ ist die Wildschwein-
population („möglichst über 80 bis 90
Prozent“) zu töten, die Biosicherheit
aller Schweinebestände mit Auslauf und
Freilandhaltung zu überprüfen und Bio-
sicherheitsmaßnahmen bei der Jagdaus-
übung zu ergreifen.
Die landwirtschaftlichen Betriebe mit
Schweinehaltung sind hochgradig alar-
miert und treffen Vorsorge für eine
höhere Biosicherheit in ihren Ställen,
erklärt der DBV. Jeder direkte oder in-
direkte Kontakt von Hausschweinen zu
Wildschweinen müsse verhindert wer-
den.
Schwarzwild bejagen
Das Ansteckungsrisiko im Seuchenfall
lässt sich bereits jetzt durch effektive Jagd
senken, heißt es von Seiten des DBV.
Die anstehende Maisernte biete eine
gute Möglichkeit dazu. Sie sei für Jäger
eine gute Möglichkeit, die Schwarzwild-
bestände in der Feldflur und somit im
Seuchenfall das Ansteckungsrisiko der
Afrikanischen Schweinepest (ASP) zu
reduzieren. Denn Wildschweine lieben
Mais und verbringen ab August viel Zeit
in den Feldern. Der DBV und der Deut-
sche Jagdverband (DJV) appellieren an
Jäger, über die gesamte Jagdsaison jede
Gelegenheit zu nutzen, Schwarzwild zu
bejagen.
Für eine erfolgreiche Bejagung sollten
sich Jäger und Landwirte frühzeitig über
Erntezeiten abstimmen, um Vorberei-
tungen und Sicherheitsmaßnahmen
treffen zu können, raten DBV und DJV.
Bereits jetzt, zur Milchreife des Maises,
sollten Landwirte Bejagungsschneisen
einhäckseln, um eine Bejagung über-
haupt erst zu ermöglichen. Effektiver
ist das Anlegen von Bejagungsschneisen
schon während des Einsäens im Früh-
jahr. So wird eine Jagd über mehrere
Monate hinweg möglich – das sorgt
auch für weniger Wildschäden.
J
agdruhe in Schutzgebieten
aufheben
Jäger und Landwirte sind aufgerufen,
ungeklärte Todesfälle bei Wildschwei-
nen unverzüglich dem zuständigen
Veterinäramt zu melden, da das Virus
hochansteckend und für Schweine im-
mer tödlich ist. DBV und DJV fordern
aufgrund der aktuellen Situation Bund
und Länder auf, eine effektive und flä
chendeckende Schwarzwildbejagung
in Deutschland sicherzustellen. Dazu
gehört insbesondere, die Jagdruhe in
Schutzgebieten aufzuheben. Zudem
sollten Behörden bundesweit dem Vor
bild einiger Bundesländer und Kommu
nen folgen und künftig keine Gebühre
mehr für die Trichinenuntersuchung
von Frischlingen erheben.
DBV/red
Angst vor der Afrikanischen Schweinepest
Bauernverband warnt davor, Schweinefleisch aus Osteuropa mitzubringen. Aufruf zu verstärkter Wildschweinjagd.
Bei Wildschweinen in Polen und Tschechien wurde die Afrikanische Schweinepest festgestellt.
Foto: dpa
Symptome für die
Afrikanische Schweinepest
Bei Schwarzwild führt die In-
fektion zu sehr schweren, aber
unspezifischen Allgemeinsympto-
men wie Fieber, Schwäche, Fres-
sunlust, Bewegungsstörungen und
Atemproblemen. Durchfall und
Blutungsneigung (Nasenbluten,
blutiger Durchfall, Hautblutun-
gen) können ebenfalls auftreten.
Erkrankte Tiere zeigen mitunter
eine verringerte Fluchtbereitschaft
(„Liegenbleiben in der Suhle“)
oder andere Auffälligkeiten wie
Bewegungsunlust und Desorien-
tiertheit. Die Erkrankung betrifft
alle Altersklassen und Geschlech-
ter gleichermaßen und führt in
nahezu allen Fällen zum Tod des
Tieres etwa innerhalb einer Wo-
che.
Beim Aufbrechen der Stücke
sollte auf vergrößerte, „blutige“
Lymphknoten, eine vergrößerte
Milz und feine, punkt- oder flä-
chenförmige Blutungen in den
Organen, der Haut oder Unter-
haut geachtet werden. Die Lunge
und die Atemwege sind häufig mit
Schaum gefüllt.
Friedrich-Loeffler-Institut
Info: Radlbauer • Aicherpark
Kolbermoorer Straße 36 • 83026 Rosenheim
• Telefon: 08031 / 12301
1,2,3,4,5,6,7,8 10,11,12,13,14,15,16
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