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27. Juli 2017 -
S. 5
wirtschaft
NEWS
London – Der geplante Austritt
Großbritanniens aus der EU
trifft nach Ansicht der Fami-
lienunternehmer in Deutsch-
land vor allem die britischen
Verbraucher hart. Das mach-
ten Vertreter deutscher Mit-
telständler bei einem Besuch
in London deutlich.
Einbußen aufgrund des Verfalls des
britischen Pfunds würden von den
Herstellern deutscher Industriepro-
dukte durch höhere Preise ausge-
glichen. Die britischen Verbraucher
könnten kaum auf Alternativen aus-
weichen, weil im Vereinigten König-
reich nur wenige Waren hergestellt
würden.
Für die Brexit-Verhandlungen riefen
die Unternehmer zu Kompromissen
auf: „Beide Seiten sollten angesichts
der gemeinsamen wirtschaftlichen
Interessen davon absehen, politi-
sche Exempel zu statuieren“, sagte
Alfons Schneider von der Stiftung
Familienunternehmen vor Journa-
listen in der Deutschen Botschaft
in London. Großbritannien solle,
ähnlich wie Norwegen, einen Status
als Mitglied des Europäischen Wirt-
schaftsraums anstreben, zumindest
aber in der Zollunion bleiben. Bei-
des lehnt die Regierung in London
bislang ab.
Hoffnungen britischer Politiker, die
deutsche Industrie werde Druck auf
die Bundesregierung ausüben, um
ein Handelsabkommen auch ohne
Kompromisse von Seiten der Briten
zu erreichen, erteilten die Unter-
nehmer eine Absage. „Das ist ein
Wunschtraum“, sagte Nikolas Stihl,
Beirats- und Aufsichtsratsvorsit-
zender des Motorsägenherstellers
Stihl.
Sollten die Briten – wie geplant
– aus dem europäischen Binnen-
markt und der Zollunion austre-
ten, rechnen die Unternehmer mit
schwerwiegenden Folgen auch für
die deutsche Industrie. Vor allem
ein Wegfall der Arbeitnehmerfrei
zügigkeit würde die Anwerbung gut
ausgebildeter Fachkräfte in Groß
britannien erschweren. Schon jetzt
entstehe wegen der fehlenden
Planungssicherheit Schaden für die
Wirtschaft.
Schwerwiegende Folgen fürchte
die Familienunternehmen auch
durch zusätzliche Steuerlasten nach
dem Brexit. Durch den Austritt des
Vereinigten Königreichs könnten für
Angehörige von Unternehmerfami
lien, die ihren Wohnsitz in Großbri
tannien haben, erhebliche Wegzugs
steuern anfallen, warnte Schneider.
Die Erbschaftssteuer könnte im Ex
tremfall sogar „existenzbedrohend“
zu Buche schlagen, sollten Arbeits
plätze in Großbritannien nicht mehr
als steuermindernd berücksichtigt
werden.
Nach Angaben der Stiftung Famili
enunternehmen haben rund 250
deutsche Unternehmen Niederlas
sungen und Tochterfirmen in Groß
britannien. Sie beschäftigen etwa
400 000 Menschen.
dpa/red
Britischer Konsument zahlt Preis für Brexit
Deutsche Familienunternehmer befürchten: Höhere Preise für britische Mittelständler
Sollten die Briten – wie geplant – aus dem europäischen Binnenmarkt und der Zollunion austreten, rechnen die Unternehmer mit schwerwiegenden
Folgen auch für die deutsche Industrie.
Foto: Carsten Rehder
„Beide Seiten sollten
davon absehen,
politische Exempel zu
statuieren.“
Schaden für die
Wirtschaft durch
fehlende
Planungssicherheit.
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