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thema
Landkreis S. 2
24. April 2015 -
pRESSE
sPIEGEL
„Flüchtlinge als Spielball
der Politik – Zynisches Po-
kern in Libyen:
Für die bei-
den libyschen Regierungen hat
die Flüchtlingsfrage keine Prio-
rität, oder sie wollen wie einst
Ghadhafi aus der europäischen
Angst vor neuen Flüchtlings-
strömen Kapital schlagen. Die
Schlepperorganisationen haben
freie Hand ...“
„Einwanderung – Verdie-
nen an den Flüchtlingen:
Wieder sind im Mittelmeer
hunderte Flüchtlinge ums Le-
ben gekommen. Doch selbst
wenn sie Europa erreichen, gibt
es Probleme. Die Städte wissen
nicht mehr, wohin mit den Asyl-
bewerbern ...“
„Außenministertreffen zu
Flüchtlingen – Steinmeier
fordert Verbesserung der
Seenotrettung:
In Luxem-
burg treffen sich die EU-Außen-
minister, um über den Umgang
mit Flüchtlingen zu beraten.
Eine Wiederauflage von „Mare
Nostrum“ lehnt die Bundesre-
gierung weiterhin ab. Italieni-
sche Behörden gehen davon
aus, dass in Libyen bis zu eine
Million Flüchtlinge auf die Über-
fahrt nach Europa warten ...“
Nach
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Idylle mit Weitsicht –
Noch ...
Menschen brauchen
Brot, Kühe brauchen
Gras, Rosenheim
braucht Wohnraum
und Bayern braucht
Straßen. Was alle
gemein haben:
Jeder braucht Platz.
Und das nicht nur
hierzulande. Die
Vereinten Nationen
haben aufgrund
der steigenden
Flächenknappheit
das Jahr 2015 zum
„Internationalen
Jahr der Böden“
ernannt. Zu diesem
Anlass hat auch die
pressewoche
Zahlen,
Daten und Fakten
zum Bedarf an und
Bedürfnis nach
Fläche ausgegraben.
Grund und Boden werden auch im Rosenheimer
Landkreis hart umkämpft. Dabei ist einer zu oft
der Verlierer: die Fläche selbst.
R
osenheim – Wenn
in der niederbay-
erischenKornkam-
mer Bayerns (im
fruchtbaren Gäu-
boden rund um Straubing) ein
Kind eines Landwirts zur Welt
kommt, raten die Nachbarn
scherzhaft: „Leg´ eam glei´
an Stoa auf´n Bauch. Dass
er´s Jammern lernt.“ (dt.:
Lege dem Kind einen Stein auf
den Bauch, damit es lernt, zu
jammern.) Ein derber Humor
in einer rauen Branche. In der
Tat neigen zwar einige Land-
wirte dazu, ununterbrochen
zu klagen. Über das schlechte
Wetter, den gefallenen Eier-
preis, die geringe Ernte, den
defekten Traktor oder die ei-
genwilligen Kinder. Aber wenn
man sich die tägliche Arbeit
und die immense Verantwor-
tung eines Landwirts einmal
genauer ansieht, möchte man
ihn ermutigen, viel lauter und
um einiges intensiver zu jam-
mern, um endlich erhört zu
werden. Denn die Themen,
die die Bauern und Landwir-
te beschäftigen, sind keine
Luxusprobleme, sondern exi-
stenzielle Sorgen. Die größte
unter ihnen: der Flächenver-
brauch.
Weltweit:
Beginnen wir allgemein-
verständlich mit der Bedeutung der
landwirtschaftlichen Nutzfläche für
die Welt. Der Deutsche Bauern-
verband hat hier einen beachtlichen
Situationsbericht vorgelegt: Global
gesehen fallen bei einer Weltbevöl-
kerung von aktuell 7,3 Milliarden
Menschen 2 100 m
2
(0,21 Hektar)
Ackerland auf jeden Erdenbürger.
90 Prozent sämtlicher Nahrungs-
mittel werden auf diesen Erdbö-
den erwirtschaftet. Eine Rechnung,
die ungeachtet der politischen und
gesellschaftlichen Missverhältnisse
theoretisch aufgehen kann. Aber
nicht mehr lange. Denn schon jetzt
vertrocknen, verwüsten und versal-
zen ganze Landstriche. Vornehmlich
in den ohnehin benachteiligten Ent-
wicklungs- oder Schwellenländern.
Gleichzeitig nimmt die Weltbevöl-
kerung zu. Bis 2050 werden 9,2
Milliarden Menschen auf der Erde
erwartet. Diese Rechnung geht
nicht mehr auf.
Bundesweit:
Exporte
aus
Deutschland werden sich Experten
zufolge auf das bis zu Fünffache stei-
gern. Deutschland deswegen, weil
es im weltweiten Vergleich einen
„landwirtschaftlichen Gunststand-
ort“ darstellt. Die klimatischen Be-
dingungen, der nachhaltige Anbau
und die technischen Fortschritte
machen die Produktion extrem ef-
fektiv. Schon heute kann ein Land-
wirt 144 Menschen mit Nahrung
versorgen. Eine Zahl, die noch in
den 50ern undenkbar war (da-
mals waren es zehn Menschen pro
Landwirt). Doch auch in der Bun-
desrepublik herrscht Flächenver-
knappung. Die Gründe: Siedlung
und Verkehr. 73 Hektar landwirt-
schaftliche Nutzfläche verschwin-
den bundesweit jeden einzelnen
Tag. Das entspricht in etwa 104
Fußballfeldern. Oder 1 600 Ein-
familienhäusern á 450 m
2
Grund.
Oder der Existenz von 1,3 Bauern
(bei einer Durchschnittshofgröße
von knapp 58 ha). Jeden Tag. Die
einst angestrebte Nationale Nach-
haltigkeits-Strategie, nämlich den
Flächenverbrauch bis 2020 auf
30 Hektar pro Tag zu reduzieren,
schlägt eindeutig fehl. Unaufhaltsam
wird gebaut. Sinnfrei gebaut, wenn
man sich den demografischen Wan-
del in Deutschland ansieht. Anders
als die Gesamtweltbevölkerung
wird Deutschland Prognosen zufol-
ge nämlich 2050 um fünf Millionen
Menschen auf 75 Millionen sinken.
Zudem stehen mit Stichjahr 2014
laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt-
und Raumforschung satte 120 000
Hektar Flächenreserve in Form von
ungenutzten Gewerbe- und Indus-
trieräumen sowie Baulücken zur
Verfügung.
Bayernweit:
In Bayern werden laut Statisti-
schem Landesamt täglich 18 Hek-
tar versiegelt. Das heißt bebaut,
asphaltiert oder mit Leitungen und
Kanälen versehen. Ist eine Fläche
einmal versiegelt, ist der Boden für
die Landwirtschaft nur mit erheb-
lichen Kosten und Mühen reakti-
vierbar. Meist bleibt er unbrauch-
bar. Die nutzbaren drei Millionen
Hektar bearbeiten knapp 111 000
landwirtschaftliche Betriebe. Mit
einem Jahresumsatz von gerunde-
ten 115 Milliarden Euro machen sie
die Land- und Forstwirtschaft laut
Agrarbericht 2014 zur drittgrößten
Wirtschaftskraft Bayerns (nach Au-
tomobil- und Maschinenbau). Und
noch der Vollständigkeit halber:
Über 60 Prozent des Ackerlands
waren mit Weizen, Gerste oder
Silomais bestellt. Drei Viertel der
Bauern leben von Viehhaltung, wo-
bei ein Landwirt durchschnittlich 34
Kühe besitzt. 6 600 Betriebe setzen
auf Bio und arbeiten nach strengen
ökologischen Vorgaben.
Landkreisweit:
In fast 3 000 landwirtschaftlichen
Betrieben erhalten die Bauern die
Kulturlandschaft, bestellen die Fel-
der und versorgen das Milchvieh
im Landkreis Rosenheim. Insge-
samt erstreckt sich der Landkreis
auf einer Fläche von rund 144 000
Hektar (1440 km
2
). Knapp die Hälf-
te des touristisch anziehenden Vor-
alpengebiets wird land- und forst-
wirtschaftlich genutzt. Aufgrund
der Bodenbeschaffenheit und der
satten Wiesen im Seen-Idyll ist die
Grünland-Milchviehhaltung die be-
deutendste Form der heimischen
Landwirtschaft. Im Durchschnitt
bestellt ein Landwirt 22,7 Hek-
tar. Dabei bewegt sich die Kuhzahl
zwischen acht und 200 Kühen, de-
ren „weißes Gold“ an fünf namhafte
Molkereien geliefert wird. Diese
wiederum exportieren weltweit
und decken sämtliche Erzeugnisse
ab, die aus Milch produziert wer-
den können.
Die Landwirtschaft genießt nicht
zuletzt deswegen einen sehr ho-
hen Stellenwert im Landkreis. „Dies
zeigt sich unter anderem im Vollzug
des Grundstücksverkehrsgesetzes
durch das Landratsamt. Hier wird
imRahmen der rechtlichen Möglich-
keiten streng auf die Einhaltung der
gesunden Bodenverteilung geach-
tet“, unterstreicht Michael Fischer,
Pressesprecher des Landratsamtes
die Bedeutung der Landwirte und
deren Existenzgrundlage Boden. Je-
der Verkauf über zwei Hektar wird
penibel vom Landratsamt geprüft.
Fischer: „Bevor eine landwirtschaft-
liche Fläche an einen Nichtlandwirt
verkauft wird, ermitteln wir, ob ein
anderer Landwirt an dem Verkaufs-
grundstück Interesse hat.“
Trotz dieser strengen Kontrollen
im topografisch eng eingekesselten
Landkreis sind in den letzten fünf
Jahren (genau: von 2008 bis 2013;
aktuelle Zahlen liegen noch nicht
vor) knapp 900 Hektar landwirt-
schaftliche Fläche weggefallen. Das
ist ein halbes Hektar pro Tag, etwas
mehr als ein dreivierteltes Fußball-
feld. Um über 700 Hektar zugelegt
haben im gleichen Zeitraum Flä-
chen für Wohnraum, sonstige Ge-
bäude und Straßenbau.
Fortsetzung auf Seite 3
Pro Tag verschwinden
in Deutschland
73 Hektar landwirt-
schaftliche Fläche.
In Bayern verknappen
sich diese Flächen
täglich um 18 Hektar.
Der Landkreis Rosen-
heim verliert jeden Tag
einen halben Hektar
Agrarland.
Das ist Karla, eine von 55 glücklichen und neugierigen Milchkü-
hen auf dem Hof der Bodmaiers.
Josef Bodmaier und Sohn Andi widmen sich von 6 Uhr morgens
bis etwa 19 Uhr abends dem Wohlergehen von Land und Vieh.
Der Boden ist oberste Schicht
der Erde. Er besteht zu 45% aus
mineralischen Teilchen, 50% aus
Wasser und Luft und zu 5% aus
toten und lebenden Pflanzen und
Tieren. Es gibt 10000 verschiede-
ne Bodentypen in Europa, die in
mehr als 320 Bodenarten katego-
risiert sind. 1 ha Ackerboden be-
herbergt bis zu 5 Tonnen lebende
Organismen (Schnecken, Asseln,
Regenwürmer, Käfer, Pilze, etc.).
Nach den Ozeanen sind unsere
Böden die Haupt-CO
2
-Speicher.
Der Erdboden – unser
aller Nahrungsgeber
... aus aktuellem
Anlass diesmal zu nur
einem Thema ...
1 3,4,5,6,7,8,9,10,11,12,...14
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